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Empörungskultur auf Facebook Entspannt euch!


Facebook-User sind mit Empörung schnell bei der Hand - zu schnell, findet ein Autor der "Rheinischen Post". In einem Kommentar argumentiert er für mehr Gelassenheit - und trifft damit einen Nerv.

Mit der Empörung ist es so eine Sache. In Zeiten sozialer Netzwerke hat sich eine Art Empörungskultur etabliert. Motto: erst aufregen, dann nachdenken. So gering der Anlass auch sein mag. Ein Journalist der "Rheinischen Post" hat genug von empörten Facebook-Posts und deshalb einen Kommentar geschrieben, der einen Nerv trifft: "Empört Euch NICHT!“ heißt der Artikel von Sebastian Dalkowski.

Dalkowski schildert drei Fälle, die ihm allein in den vergangenen Tagen Anlass gegeben hätten, sich zu empören: ein sexistisches Facebook-Foto von Felix Baumgartner, eine geschmacklose Meldung über die Krebserkrankung des Publizisten Roger Willemsen von TV Movie und - wie könnte es anders sein - einige Aktionen von Til Schweiger. "Empörung heißt, den schnellsten und einfachsten Weg zu wählen. Ganz simpel sagen, was einem gerade durch den Kopf geht, ohne Punkt, Komma und andere Beschränkungen der deutschen Rechtschreibung - fertig. Das macht Empörung so attraktiv", schreibt Dalkowski. Das Problem sei nur: Empörung bringe fast nie etwas. Lediglich demjenigen, der sie äußert. "Empörung ist die egoistischste Form der Äußerung. Wer sich empört, hat danach das Gefühl, erleichtert zu sein."

Denkpause statt Aufregung

Anstatt sich aufzuregen fordert Dalkowski daher eine "radikale Mäßigung". Denn die Empörung schade im schlechtesten Fall der Sache, für die man sich einsetzt. Im Lärm der Empörung gingen Argumente, die es wert wären, gehört zu werden, oft unter. Dabei ist der Weg von der Empörung zur Mäßigung seiner Ansicht nach gar nicht so weit: eine Minute Denkpause, bevor man einen Kommentar postet, etwa. Oder 1000 Schritte gehen. Dann habe sich die Empörung in vielen Fällen bereits verflüchtigt.

Vielleicht geht der Text ja viral - und sorgt bei dem Einen oder Anderen tatsächlich dafür, dass er seine Empörung für sich behält. Der Diskussionskultur auf Facebook täte es gut.

tkr

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