Opus Dei Geheimniskrämer in den Kulissen


Beobachter sind sich einig: Die konservative Organisation Opus Dei wird hinter den Kulissen versuchen, die Papstwahl in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Die Beratungen vor dem Konklave zur Wahl eines neuen Papstes werden auch von der Organisation Opus Dei sorgfältig beobachtet. Für den geheimnisumwitterten Priester- und Laienbund steht nach Ansicht kirchlicher Beobachter viel auf dem Spiel. Papst Johannes Paul II. hat Opus Dei stark gefördert. Bei einem liberaleren Papst könnte diese konservative Bewegung indessen an Einfluss verlieren.

Opus Dei, was auf Deutsch "Werk Gottes" bedeutet, wurde 1928 von dem spanischen Priester Jose Maria Escriva de Balaguer gegründet. Dieser wurde im Oktober 2002 von Johannes Paul selig gesprochen, was als weiterer Beweis für die Sympathien des Verstorbenen für die vielleicht einflussreichste Organisation in der katholischen Hierarchie gewertet wurde. Der Vorsitzende, Monsignor Javier Echevarria, ist ohnehin direkt dem Papst verantwortlich, da er keiner Diözese vorsteht. Kritiker werfen dem Laienorden indessen sektenähnliche Methoden und eine reaktionäre Ideologie vor. Auch wegen undurchsichtiger Finanzgeschäfte ist Opus Dei ins Zwielicht geraten.

Sturm der Entrüstung

In die Schlagzeilen geriet die Organisation vor allem nach der Veröffentlichung des Romans "Sakrileg" ("The Da Vinci Code") von Bestsellerautor Dan Brown. Darin begeht ein Opus-Dei-Anhänger einen Mord, der den Anlass für eine schonungslose Kritik an Opus Dei bietet. Demnach ist der Orden in politische und wirtschaftliche Machtspiele verwickelt und versucht ferner die nach Darstellung des Autors theologische Wahrheit zu unterdrücken, dass Jesus und Maria Magdalena verheiratet gewesen seien.

Das Buch löste unter vielen Katholiken einen Sturm der Entrüstung aus. Der Erzbischof von Genua, Tarcisio Bertone, der als möglicher Papstkandidat gilt, forderte einen Boykott des Romans. Beobachter werteten dies als weiteres Zeichen für den hohen Einfluss von Opus Dei. Von zwei Kardinälen weiß man sicher, dass sie dem konservativen Orden angehören - der spanische Kurienkardinal Julian Herranz sowie der peruanische Erzbischof von Lima, Juan Luis Cipriani. Auch Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls ist Mitglied von Opus Dei.

Auch möglicher Nachfolger gehört zu den Sympathisanten

Als noch bedeutender gilt in Rom, dass der Erzbischof von Mailand, Dionigi Tettamanzi, deutliche Sympathien für den Orden bekundet hat. Der 71-Jährige wurde erst vor ein paar Jahren von Johannes Paul von Genua nach Mailand versetzt, so dass er nunmehr der größten Diözese der Welt vorsteht. Nach Ansicht des New Yorker Priesters und Theologieprofessors Anthony Figueiredo war dies eine ungewöhnliche Beförderung, da Tettamanzi zu diesem Zeitpunkt bereits Kardinal war. Der verstorbene Papst habe damit deutlich gemacht, dass er sich den konservativen Moraltheologen als Nachfolger wünsche, meint Figueiredo.

Doch selbst wenn ein Kardinal mit weniger großen Sympathien für Opus Dei Papst werden sollte, dürfte der Einfluss der Organisation nicht völlig schwinden. Zu tief sei sie inzwischen in der kirchlichen Hierarchie verankert, betont der Madrider Priester und Kirchenhistoriker Juan Maria Laboa. Zweifellos aber, darin sind sich die Beobachter einig, wird Opus Dei hinter den Kulissen versuchen, die Papstwahl in seinem Sinne zu beeinflussen.

Daniel Woolls/AP AP

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