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Papst-Äußerungen: Türkischer Politiker vergleicht Papst mit Hitler

Der Vizechef der türkischen Regierungspartei AKP hat Benedikt XVI. mit Adolf Hitler verglichen. Im Nahen Osten wurde derweil ein Anschlag auf eine Kirche verübt - angeblich als Reaktion auf die Mohammed-Rede des Papstes.

Die Reaktionen auf die Mohammed-Äußerungen von Papst Benedikt XVI. ließen auf sich warten, dafür kommen sie nun um so gewaltiger. Salih Kapusuz, der stellvertretende Vorsitzende der türkischen Regierungspartei AKP, sagte am Freitag, der Papst werde wegen seiner Äußerung als negative Figur in die Geschichte eingehen wie Hitler und Mussolini. Aber auch die nächste Eskalationsstufe physischer Gewalt scheint bereits erreicht. Als Reaktion auf die Worte des Papstes verübten Palästinenser im Gazastreifen angeblich einen Sprengstoffanschlag auf eine Kirche. Vor dem Eingang einer römisch-orthodoxen Kirche in Gaza sei eine selbstgebaute Bombe gezündet worden, die Sachschaden angerichtet habe, teilte die Polizei mit.

Der Papst hatte am Dienstag in Regensburg aus einem Dialog zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. mit einem Perser zitiert und den Kaiser sagen lassen: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den der predigte, durch das Schwert zu verbreiten."

Scharfe Kritik weltweit

Die jüngsten Bemerkungen von Papst Benedikt XVI. zum Islam stoßen in der muslimischen Welt auf heftige Kritik. Der stellvertretende Vorsitzende der türkischen Regierungspartei AKP, Salih Kapusuz, erklärte, der Papst werde wegen seiner Äußerung als negative Figur in die Geschichte eingehen wie Hitler und Mussolini. Kapusuz sagte der Nachrichtenagentur Anadolu, die Bemerkungen des Papstes basierten entweder auf einer bedauernswerten Ignoranz gegenüber dem Islam oder seien eine absichtliche Verdrehung von Tatsachen, was eine 1.000-fache Multiplikation von Ignoranz wäre. Es sei bedauerlich, dass das Papsttum von einem mit solchen Vorurteilen belasteten Menschen vertreten werde. Beobachtern zufolge könnte die Kontroverse den für 28. November geplanten Papstbesuch in der Türkei nachhaltig belasten.

Islam ist nicht gleich Islamismus

Britische Muslime haben sich der Kritik an Äußerungen des Papstes zu Islam und Gewalt angeschlossen. "Wir hoffen, dass der Papst zu seinen Äußerungen ohne Zögern eine Klarstellung gibt", betonte der Muslim Council of Britain (MCB) - die Dachorganisation der rund 250 muslimischen Gruppen in Großbritannien - in einer Erklärung. MCB-Generalsekretär Muhammad Abdul Bari sagte: "Von einem religiösen Führer wie dem Papst hätte man erwarten können, dass er mit Verantwortungsbewusstsein handelt und spricht und im Interesse von Wahrheit und Harmonie zwischen den Anhängern des Islams und des Katholizismus die Ansichten des byzantinischen Kaisers zurückweist." Auch der Präsident des französischen Muslim-Dachverbandes CFCM, Dalil Boubakeur, verlangte "eine Klarstellung". Man dürfe den Islam, eine Offenbarungsreligion, nicht mit dem Islamismus verwechseln, der keine Religion ist, sondern politische Ideologie, sagte Boubakeur nach Presseberichten vom Freitag. "Wir glauben an den selben Gott, den Gott des Friedens, der Liebe und der Gnade", betonte Boubakeur. Der Islam sei vor allem Toleranz und Brüderlichkeit.

Der Iran äußerte sich weit schärfer zu den Aussagen des Papstes. "Leider hat der Papst den Islam beleidigt", sagte der einflussreiche Geistliche Ahmad Chatami vor Gläubigen in der Teheraner Universität in einer live vom staatlichen Rundfunk übertragenen Rede. "Die Moslems haben auf seine absurden Bemerkungen reagiert und werden auch weiterhin richtig darauf reagieren." Der Papst verstehe den Islam nicht richtig. "Es ist sehr bedauerlich, dass der religiöse Führer der Christen so wenig Kenntnis vom Islam hat und schamlos darüber redete."

Vatikan: Papst respektiert den Islam

Der Vatikan versuchte derweil, die Wogen zu glätten. Papst Benedikt XVI. hatte in Regensburg erklärt, Religion dürfe niemals zur Rechtfertigung von Gewalt missbraucht werden oder gar selbst zur Gewalt aufrufen. Er zitierte aus einem Buch, das einen Disput im 14. Jahrhundert zwischen dem byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem gelehrten Perser über den Dschihad wiedergibt. Dort hieß es an einer Stelle, Mohammed habe der Welt nur Schlechtes und Inhumanes gebracht. Benedikt machte dabei klar, dass er lediglich zitiere.

Vatikansprecher Federico Lombardi betonte, dass der Papst den Islam respektiere. Benedikt XVI. wolle Respekt und Dialog zwischen diversen Religionen und Kulturen fördern - auch mit dem Islam, hieß es in einer Erklärung nach der Rückkehr des Kirchenoberhaupts von dessen Deutschlandbesuch. Es sei nicht die Absicht des Papstes gewesen, die Gefühle gläubiger Muslime zu verletzen.

CSU nimmt Papst in Schutz

Die CSU hat Kritik aus islamischen Ländern an Papst Benedikt XVI. wegen dessen Äußerungen über die Beziehung zwischen Islam und Gewalt zurückgewiesen. Der Papst habe in seiner Rede an der Universität Regensburg ausschließlich den theologisch-intellektuellen Austausch thematisiert, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hartmut Koschyk, am Freitag in Berlin. "Hier feindselige Motive zu vermuten, ist nicht hinnehmbar." Zum Dialog zwischen Kulturen und Religionen gehöre aber auch, dass der Islam sich einem kritisch-konstruktiven Dialog nicht verschließe.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm verwies auf die Erklärung des Vatikans, die eine "ganz deutliche Antwort" auf die laut gewordenen Stimmen in der islamischen Welt sei. Darin habe der Vatikan-Sprecher betont, dass der Papst den Islam respektiere und den Dialog mit anderen Religionen und Kulturen vorantreiben wolle - auch mit dem Islam. Die Bundesregierung setze alles daran, im Rahmen ihrer Zuständigkeit ein gutes Miteinander der unterschiedlichen Religionen zu gewähren. Der notwendige Dialog zwischen den Religionen müsse ohne Gewalt und Aufrufe zur Gewalt erfolgen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters