Papst-Auftritt Tränen auf dem Petersplatz


Unter gewaltiger Anstrengung hat Papst Johannes Paul II. den Ostersegen "Urbi et Orbi" gesprochen. Doch seine Stimme versagte. Vielen Gläubigen auf dem Petersplatz ging das Schauspiel sehr nah.

Mit der Geste des Kreuzes hat Papst Johannes Paul II. am Sonntag den Ostersegen erteilt. Der Versuch des schwer kranken Pontifex, das traditionelle "Urbi et Orbi" zu sprechen, misslang ihm allerdings.

Der 84-Jährige zeigte sich zum Ende der von einem Kardinal an seiner Stelle geleiteten Ostermesse an einem Fenster des Vatikans den Gläubigen auf dem Petersplatz. Rund 15 Minuten beobachtete er die österlichen Zeremonien, ehe Helfer ihm ein Mikrofon zurecht rückten. Unter großen Mühen versuchte der Papst zu sprechen: Zu hören waren jedoch nur einige Laute, keine vollständigen Wörter. An seinen anschließenden Handbewegungen war die Enttäuschung des Papstes abzulesen.

Zuletzt hatte Johannes Paul II. vor zwei Wochen in der Öffentlichkeit gesprochen, nachdem er aus einer Klinik in Rom entlassen worden war. Nach einem Luftröhrenschnitt muss er sich einer Atem- und Sprechtherapie unterziehen. In diesem Jahr hat der Papst bereits zwei Aufenthalte in der römischen Gemelli-Klinik hinter sich, insgesamt 28 Tage. Neben seinen Atemwegsbeschwerden leidet Johannes Paul II. an Parkinson und an Arthritis.

Kardinal verliest Osterbotschaft

Das Oberhaupt der katholischen Kirche verfolgte vom Fenster aus, wie der vatikanische Staatssekretär Kardinal Angelo Sodano die päpstliche Osterbotschaft verlas. Erstmals in seinem 26-jährigen Pontifikat leitete Johannes Paul II. nicht selbst die österlichen Feierlichkeiten. In der von Sodano vorgelesenen Botschaft erklärte der Papst, Ostern gebe denen Nahrung, die nach Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden trachteten. Er beklagte die anhaltende Gewalt überall auf der Welt, die viele Orte "in das Blut so vieler unschuldiger Opfer getränkt" habe. Er rief zum Frieden im Nahen Osten und Afrika auf: Der Frieden der Menschheit werde durch „Brüderkriege“ bedroht. Der Papst bat Gott um Beistand für die vielen Menschen, die heute noch immer unter Hunger und Armut oder Epidemien und Naturkatastrophen litten und daran stürben.

"Unendliche Traurigkeit"

Der gescheiterte Sprechversuch des Papstes trieb vielen Gläubigen auf dem Petersplatz Tränen in die Augen. "Das löst in mir unendliche Traurigkeit und Zärtlichkeit aus", sagte eine der zehntausenden Menschen auf dem Platz. Ein Pilger aus den USA würdigte den Versuch des Papstes, trotz seiner schweren Erkrankung zu sprechen: "Er ist so eine starke Kraft und so ein wunderbares Vorbild für unsere Kirche."

Derweil überschattete das erstmalige Fernbleiben des Papstes von den Feierlichkeiten das Osterfest für viele Katholiken. "Das war die traurigste Karwoche, an die ich mich erinnern kann", sagte eine argentinische Ordensschwester. Der argentinische Priester Salvatore Murra hoffte unterdessen auf göttlichen Beistand für Johannes Paul II.: "Der Papst ist in den Händen des Herrn, und das ist der beste Ort, an dem man sein kann. Ich hoffe, dass Gott ein großes Wunder für den Papst vollbringt. Können Sie nicht all diese Gebete sehen, die von hier emporsteigen und Gott darum bitten?"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker