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Papst Benedikt XVI.: Katholiken sind bessere Christen

Der Vatikan hat den protestantischen Glaubensgemeinschaften erneut den Kirchenstatus abgesprochen. Die evangelische Kirche fürchtet nun um den ökumenischen Dialog. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, will nun den Schaden begrenzen.

Papst Benedikt XVI. hat den Anspruch des römisch-katholischen Glaubens auf die einzig wahre Kirche Jesu Christi untermauert. Andere christliche Konfessionen seien unvollkommen, erklärte das Kirchenoberhaupt.

Nach der Erlaubnis der lateinischen Liturgie erneuerte der ehemalige Kardinal Joseph Ratzinger damit innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal einen traditionellen Standpunkt der Katholischen Kirche, der in der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils gelockert worden war.

Bemühungen um ökumenisches Miteinander erschwert

Das Dokument dürfte insbesondere die Bemühungen um ein ökumenisches Miteinander mit protestantischen und orthodoxen Kirchen erschweren. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, bezeichnete die Erklärung des Papstes als versäumte Chance. Die Hoffnung auf einen Wandel der Ökumene sei damit erneut in die Ferne gerückt.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, räumte ein, die Stellungnahme erscheine in ihrer Knappheit und Dichte möglicherweise hart. Sie lasse aber grundlegend Raum, die anderen Kirchen nicht nur moralisch, sondern auch theologisch als Kirchen zu achten.

Die wahre Kirche

Der 16-seitige Text beschreibt die orthodoxen christlichen Kirchen als wahre Kirchen, die von einer Wunde gezeichnet seien. Auf Latein wird hier das Wort "defectus" benutzt. Die Verletzung rührt demnach aus der Tatsache her, dass sie die päpstliche Führung nicht anerkennen.

In den protestantischen Konfessionen sei die Wunde aber noch tiefer. Es sei kaum zu erklären, wie ihnen der Titel Kirche zuerkannt werden könne. Der Dialog mit anderen Christen bleibe aber "eine der Prioritäten der katholischen Kirche".

"Dominus Iesus" bestätigt

Benedikt XVI. bestätigte mit dem Text die Erklärung "Dominus Iesus", die er 2000 als oberster Glaubenshüter der Kirche verfasst und die heftige Diskussionen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche ausgelöst hat.

Die Kirche wolle ihre Einzigkeit betonen, weil einige Theologen diesen Punkt weiterhin missverstünden, hieß es in dem Text, den Ratzingers Nachfolger an der Spitze der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, veröffentlichte.

Huber nannte es bezeichnend, dass die in "Dominus Iesus" besonders umstrittenen Aussagen über die protestantischen Kirchen unverändert wiederholt worden seien. "Von Fahrlässigkeit kann niemand mehr sprechen. Es handelt sich um Vorsatz", erklärte er.

stern.de fasst die von der Deutsche Presse Agentur DPA dokumentierten Auszüge aus dem Text "Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche", den die Glaubenskongregation in Rom veröffentlicht hat, zusammen.

Reuters/DPA

Hat das Zweite Vatikanische Konzil die vorhergehende Lehre über die Kirche verändert?

Das Zweite Vatikanische Konzil wollte diese Lehre nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, es wollte sie vielmehr entfalten, vertiefen und ausführlicher darlegen. (...)

Wie muss die Aussage verstanden werden, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert?

Christus hat eine einzige Kirche "hier auf Erden... verfasst" (...) Diese ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen... (...) Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird. (...)

Warum schreiben die Texte des Konzils und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangen sind, den Titel "Kirche" nicht zu?

Weil diese Gemeinschaften nach katholischer Lehre die apostolische Abfolge im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives Element des Kircheseins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, können nach katholischer Lehre nicht "Kirchen" im eigentlichen Sinn genannt werden. (...)

"Nicht Kirchen im eigentlichen Sinn"

In der fünften Frage geht es darum, weshalb den kirchlichen Gemeinschaften, die aus der Reformation hervorgegangen sind, der Titel "Kirche" nicht zugeschrieben wird.

Dazu muss man sagen: "Die Wunde ist allerdings noch viel tiefer bei den kirchlichen Gemeinschaften, die die apostolische Sukzession und die gültige Eucharistie nicht bewahrt haben". Deshalb sind sie "nicht Kirchen im eigentlichen Sinn", sondern "kirchliche Gemeinschaften", wie die Konzils- und Nachkonzilslehre bezeugt.

Auch wenn diese klaren Aussagen bei den betroffenen Gemeinschaften und auch in katholischen Kreisen Unbehagen verursacht haben, ist nicht ersichtlich, wie man diesen Gemeinschaften den Titel "Kirche" zuschreiben könnte. Denn sie nehmen den theologischen Begriff von Kirche im katholischen Sinn nicht an; ihnen fehlen Elemente, die von der katholischen Kirche als wesentlich betrachtet werden.

Kirchlicher Charakter ist vorhanden

Man muss aber daran erinnern, dass diese Gemeinschaften selbst wegen der verschiedenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit, die in ihnen wirklich vorhanden sind zweifellos einen kirchlichen Charakter und einen daraus folgenden Heilswert haben.

Das neue Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre, das im Wesentlichen die Konzilslehre und das Nachkonzilslehramt aufgreift, ruft mit Klarheit die katholische Lehre über die Kirche in Erinnerung. Es weist unannehmbare Auffassungen zurück, die immer noch verbreitet sind, selbst in katholischen Kreisen, und es bietet wertvolle Hinweise für die Fortführung des ökumenischen Dialogs, der immer eine der Prioritäten der katholischen Kirche bleibt, wie Benedikt XVI. schon in seiner ersten Botschaft an die Kirche (20. April 2005) und bei vielen anderen Gelegenheiten bekräftigt hat, besonders bei seiner Apostolischen Reise in die Türkei (28. November 1. Dezember 2006).

Ökumenischen Dialog fortführen

Damit der Dialog aber wirklich konstruktiv sein kann, bedarf es neben der Offenheit für die Gesprächspartner der Treue zur Identität des katholischen Glaubens. Nur auf diese Weise kann man zur Einheit aller Christen in der einen Herde und dem einen Hirten (vgl. Joh 10,16) gelangen und so jene Wunde heilen, welche die katholische Kirche immer noch an der vollen Verwirklichung ihrer Universalität in der Geschichte hindert. (...)"