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Papst Benedikt XVI.: Vatikan wehrt sich gegen Merkel-Kritik

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Papst Benedikt XVI. zu einer deutlichen Stellungnahme zum Umgang mit dem Holocaust aufgefordert. Es gehe darum, eindeutig klarzustellen, dass es keine Leugnung geben könne, sagte sie. Der Vatikan hält die Forderung der Kanzlerin für unangebracht.

Papst Benedikt XVI. gerät wegen der Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners in den eigenen Reihen zunehmend unter Druck. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte ihn zu einer deutlichen Position in der Diskussion über den Umgang mit dem Holocaust auf. "Es geht darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann", sagte sie. "Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt", so Merkel am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Der Vatikan hält die Forderung der Kanzlerin für unangebracht. Die Verurteilung jeder Holocaust-Leugnung durch Benedikt XVI. hätte "nicht klarer sein können", sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rom. Lombardi verwies darauf, dass der deutsche Papst seine Position zum Holocaust "mit großer Klarheit" unter anderem im August 2005 in der Kölner Synagoge und dann im Mai 2006 beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau dargelegt habe. Benedikt habe sich eindeutig auch auf die Sichtweise des Traditionalisten Williamson bezogen, sagte Lombardi. Zudem habe der Papst klar erklärt, dass die Zurücknahme der Exkommunikation nicht bedeute, dass damit die Holocaust-Leugnung legitimiert werde.

Merkel betonte, dass sie normalerweise innerkirchliche Entscheidungen nicht bewerte oder kommentiere. "Allerdings ist das anders, wenn es um Grundsatzfragen geht", sagte die Kanzlerin. "Und ich glaube, das ist schon eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikan der Eindruck entsteht, dass es die Leugnung des Holocaust geben könnte, dass es um grundsätzliche Fragen auch des Umgangs mit dem Judentum insgesamt geht."

Entsetzen über den Papst

Auch der für die Beziehungen zum Judentum zuständige Kardinal Walter Kasper warf dem Vatikan schlechtes Management und mangelnde Kommunikation vor. "Man hat da vorher im Vatikan zu wenig miteinander gesprochen und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten könnten", sagte Kasper im deutschen Programm von Radio Vatikan. Auch andere ranghohe Geistliche äußerten sich entsetzt über die Entscheidung des deutschen Papstes.

Entzündet hatte sich die Kontroverse an der Entscheidung Benedikts, die von seinem Vorgänger Johannes Paul II. vor 20 Jahren verfügte Exkommunikation von vier Bischöfen der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft aufzuheben. Unter ihnen ist auch der Brite Richard Williamson, der den Völkermord der Nazis an sechs Millionen europäischen Juden und die Existenz von Gaskammern in den Vernichtungslagern offen leugnet. Die Entscheidung löste unter Überlebenden des Holocausts, progressiven Katholiken, US-Kongressabgeordneten und dem Zentralrat der Juden in Deutschland einen Sturm der Empörung aus.

Auch andere Theologen warfen dem Papst fundamentale Fehler vor, welche die Effektivität seines Pontifikats infrage stellten. "Er ist umgeben von Leuten, die nicht so intelligent sind wie er, und denen es nie in den Sinn käme, ihm zu widersprechen", sagte Pater Tom Reese vom Theologischen Zentrum der Georgetown-Universität in Washington. Ähnlich äußerte sich auch der Chef des deutschsprachigen Programms von Radio Vatikan, Eberhard von Gemmingen, der von offensichtlichen Defiziten in Organisation und Verwaltung des Kirchenstaates sprach. "So ein Missverständnis und Debakel darf es nie wieder geben."

Mehrere katholische Bischöfe in Deutschland äußerten ihr Unverständnis über die Rehabilitation Williamsons, der sich inzwischen beim Papst für Unannehmlichkeiten zwar entschuldigt, seine umstrittenen Äußerungen aber nicht zurückgenommen hat. "Wer den Holocaust leugnet, hat keinen Platz in der katholischen Kirche", erklärte der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Ähnlich äußerte sich auch sein Osnabrücker Kollege Franz-Josef Bode, der am Dienstag im NDR von völlig irritierten Gemeindemitgliedern sprach. Der Papst habe mit der Rehabilitation zwar einen Riss in der Kirche kitten wollen. "Aber es hätte nicht passieren dürfen, dass es sich auf einen Menschen bezieht, der den Holocaust leugnet", sagte Bode. "Da ist der Papst schlecht beraten gewesen."

"Wer sich unfehlbar fühlt, macht auch unfehlbare Fehler"

Scharfe Kritik am Papst kam auch vom Tübinger Theologen Hans Küng. Benedikt versuche immer noch, den Eindruck persönlicher Unfehlbarkeit in wichtigen Entscheidungen aufrechtzuerhalten, auch wenn er die Rehabilitation der ultrakonservativen Bischöfe eigentlich zurücknehmen müsste. "Wer sich unfehlbar fühlt, macht auch unfehlbare Fehler", sagte Küng im Bayerischen Rundfunk.

"Es bleibt eigentlich nur die Maßnahme, das rückgängig zu machen", sagte der Regensburger Theologieprofessor Wolfgang Beinert dem Bayerischen Rundfunk am Dienstag. Die andere Möglichkeit wäre, dass die Bruderschafts-Anhänger eindeutig alle Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils anerkennen. Daran habe er aber Zweifel, sagte Beinert, der ein ehemaliger Schüler Joseph Ratzingers ist und in dessen Heimatgemeinde Pentling bei Regensburg als Seelsorger tätig ist.

Reuters/DPA/AP / AP / DPA / Reuters