Papst in Türkei Papst und Patriarch rufen zur Versöhnung auf


Seite an Seite haben Papst Benedikt XVI. und der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. zu einer Annäherung ihrer Kirchen aufgerufen. Die Spaltung der Kirche sei ein "Skandal".

In einer gemeinsamen Erklärung forderten Papst Benedikt XVI. und der griechisch-orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. weitere Bemühungen auf dem Weg zur Einheit hervor. Weiter verwiesen sie auf die Bedeutung der christlichen Wurzeln in Europa, betonten aber zugleich, die europäische Kultur müsse offen sein für andere Religionen und deren kulturelle Beiträge. Papst Benedikt beklagte die Spaltung der Christenheit als "Skandal für die Welt".

Auf die Beziehungen zum Islam nahm er bei einer Ansprache am Sitz des orthodoxen Patriarchen keinen Bezug. Er ging unter anderem weiter auf das Verhältnis von Glaube und Vernunft ein. Dieses Thema spielte auch eine Rolle bei der umstrittenen Regensburger Rede, in der Benedikt einen byzantinischen Kaiser mit einer islamkritischen Äußerung zitiert hatte. Diese Rede vom 12. September hatte in der Türkei heftige Proteste ausgelöst.

Gemeinsamer Gottesdienst

Zu Beginn des dritten Tages der Papst-Reise in der Türkei feierten Benedikt XVI. und Bartholomäus I. zunächst gemeinsam einen Gottesdienst in der Patriarchatskirche St. Georg. Sie begrüßten sich mit einer Umarmung. Bartholomäus I., der als geistliches Oberhaupt der weltweit mehr als 250 Millionen orthodoxen Christen gilt, ist in der Türkei offiziell nur als Führer der rund 2.000 griechisch-orthodoxen Christen in dem Land anerkannt.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, bezeichnete die Reise von Papst Benedikt XVI. in die Türkei als Erfolg. Dem "Reutlinger General-Anzeiger" sagte Lehmann: "Ich sehe meine Hoffnung bestätigt, dass diese Reise eine Brückenfunktion, ein Zeichen der Verständigung zwischen den Kulturen, zwischen Christentum und Islam darstellt." Zugleich wies Lehmann jedoch darauf hin, dass es im Dialog zwischen beiden Religionen nach wie vor Reibungspunkte gebe: "Kein Zweifel: Offene Worte sind notwendig", sagte Lehmann. Dies gelte insbesondere für die Religionsfreiheit, die wechselweise gewährt werden müsse: "Ich hätte nichts dagegen, wenn in Rom eine Moschee gebaut wird - aber ich möchte nicht verhaftet werden, wenn ich in Saudi-Arabien eine Messe halte."

Proteste gegen Besuch der Hagia Sophia

Der Besuch Benedikts in Istanbul war von scharfen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Tausende Polizisten waren im Einsatz. Am Nachmittag besuchte der Papst das geschichtsträchtige Bauwerk Hagia Sophia. Die ehemalige Kirche und Moschee ist heute als Museum der Geschichte der Christentums und des Islams gewidmet. Der riesige Kuppelbau war fast tausend Jahre lang die größte christliche Kirche der Welt.

Rund 150 nationalistische Demonstranten protestierten zuvor gegen den Besuch des Papstes in der Hagia Sophia. Das Bauwerk sei türkisch und werde türkisch bleiben, erklärten sie auf Bannern und forderten die Öffnung der Hagia Sophia für muslimische Gebete. Benedikt war am Mittwoch in Istanbul eingetroffen, nachdem er zuvor eine Messe unter freiem Himmel bei Ephesus zelebriert hatte. Von den 70 Millionen Türken sind etwa 20.000 katholisch. Am Freitag reist Benedikt XVI. nach einer Messe in der Heilig-Geist-Kathedrale (Saint Esprit) von Istanbul nach Rom zurück.

Brian Murphy/AP AP

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