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Papst nimmt Rücktrittsgesuch an: Kirche schließt das Kapitel Mixa

Das wars dann: Die katholische Kirche entlässt Walter Mixa aus Amt und Würden und ist so seinen Skandal-Bischof los. Die Deutsche Bischofskonferenz fühlt sich von einer Last befreit und spricht von einem Neuanfang.

Der mehrerer Verfehlungen verdächtigte Augsburger Bischof Walter Mixa ist nicht mehr im Amt: Papst Benedikt XVI. hat dessen Rücktrittsgesuch vom 21. April angenommen, wie der Vatikan am Samstag mitteilte. Die Diözese Augsburg beauftragte den Weihbischof Josef Grünwald mit der Bistumsleitung, bis ein Nachfolger Mixas ernannt ist. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, erklärte, die zügige Entscheidung des Papstes gebe allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang.

Benedikt akzeptierte das Rücktrittsgesuch Mixas "gemäß Artikel 401, Paragraf 2 des kanonischen Rechts", wie Radio Vatikan. Diese Bestimmung sieht den Ruhestand eines Geistlichen wegen Krankheit oder "anderer schwerwiegender Gründe" vor. Zugleich wurde Mixa vom Amt des Katholischen Militärbischofs entbunden. Ende März hatten ehemalige Heimkinder Mixa vorgeworfen, sie als Stadtpfarrer von Schrobenhausen in den 70er und 80er Jahren zum Teil mit heftiger Gewalt verprügelt zu haben. Am Freitag wurde bekannt, dass das Bistum Augsburg ihn wegen Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Jungen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hat. Dieser Vorwurf soll der Kirche bereits vor dem Rücktrittsgesuch Mixas bekannt gewesen sein.

Weihbischof Grünwald übernimmt

Am Samstag wählte das Domkapitel den 73-jährigen Augsburger Weihbischof Grünwald zum Diözesanadministrator und den bisherigen Generalvikar, Domkapitular Prälat Karlheinz Knebel, zu dessen Ständigen Vertreter. Erzbischof Zollitsch erklärte in Freiburg: "Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet. Der Verlust der Glaubwürdigkeit wiegt schwer." Der Weg der inneren Heilung, Beruhigung und des Neuanfangs sei unerlässlich, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.

Zollitsch hatte Mixa am 21. April öffentlich zu "einer Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz" geraten. Nun dankte er Mixa für die Impulse, die er als Priester und Bischof gegeben habe und für die Zusammenarbeit in der Deutschen Bischofskonferenz. "Ich wünsche ihm für die Zukunft, aber auch gerade für diese Stunden, Gottes stärkende Nähe und Hilfe."

"Wir sind Kirche" ist erleichtert

Der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, erklärte, eine Zeit der Unsicherheit im Bistum Augsburg werde beendet. "Wir wünschen Josef Grünwald für die nun bevorstehenden schweren Monate, die auch einen Neuanfang im Bistum Augsburg signalisieren sollen, Gottes Segen."

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" reagierte mit Erleichterung auf die Annahme des Rücktrittsgesuchs. Durch das lange Taktieren Mixas sei ein Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche weit über das Bistum hinaus entstanden.

Seit Ende März hatten ehemalige Heimkinder des Waisenhauses Schrobenhausen Mixa vorgeworfen, er habe sie in seiner Zeit als Stadtpfarrer misshandelt. Er habe sie mit Fausthieben sowie Schlägen mit einem Stock oder Teppichklopfer auf das Gesäß traktiert. Mixa hatte dies als "absurd, unwahr" zurückgewiesen und von einer Diffamierungskampagne gesprochen. Am 16. April räumte er jedoch ein, er könne "die ein oder andere Watschn" vor 30 Jahren nicht ausschließen. Außerdem soll er Geld der Waisenhausstiftung Schrobenhausen veruntreut haben. Am Freitag bestritt Mixa über seinen Anwalt Gerhard Decker, dass er in einer Zeit als Eichstätter Bischof vor 2005 einen Jungen missbraucht hätte. Das Bistum Augsburg teilte mit: "Über die Zukunft von Bischof em. Dr. Walter Mixa kann erst nach Prüfung und Klärung der gegen ihn in letzter Zeit erhobenen Anschuldigungen entschieden werden."

APN/DPA / DPA