Papst-Quartett Seliges Zocken


Zwei Hamburger haben das erste Papst-Kartenspiel entwickelt. Ultra-Katholizismus oder Trash? stern.de hat mit dem Designer Christoph Engel gesprochen.

Pius IX. ist der Ferrari unter den Päpsten, zumindest was die Dienstjahre betrifft. Mit 32 Jahren im Amt schlägt er fast alle Kollegen - mit Ausnahme des Heiligen Petrus. Dafür liegt der in der Kategorie "Namensvetter" zurück. "Papst-Quartett" heißt dieses neue Kartenspiel, das nach den selben Regeln gespielt wird wie das klassische Auto-Quartett. Wie es zu der Idee kam, sagt der Hamburger Designer Christoph Engel (42) - er hat das Spiel gemeinsam mit Knut Gielen entwickelt.

Papst-Quartett, das klingt nach Ultra-Katholizismus - oder nach Trash.

Uns geht es um keins von Beidem. Wir sind weder religiös, noch wollen wir uns über die Päpste lustig machen. Wir sehen in ihnen Personen, die die europäische Geschichte geprägt haben. Mit dem Spiel möchten wir Leuten Lust machen, sich damit zu beschäftigen.

Die Idee kam Ihnen wahrscheinlich nach der Wahl von Joseph Ratzinger im letzten Jahr?

Natürlich hat es damit zu tun. Päpste sind seitdem ja ein bisschen schick geworden.

Wie haben Sie das Spiel entwickelt?

Zuerst riefen wir bei der Deutschen Bischofskonferenz an und ließen uns einen Papst-Experten empfehlen. Der gab uns einen Überblick. Dann haben wir haufenweise Papstbücher gelesen und auch bei Wikipedia recherchiert.

Es gibt, je nach Zählung, fast 270 Päpste - aber nur 32 Quartettkarten. Wie haben Sie ausgewählt?

Erstmal haben wir die Gegenpäpste aussortiert, davon gab es ja eine Menge. Von einer Reihe von Päpsten ist wenig bekannt, oder es existiert kein gutes Bildmaterial. Bei Sixtus II etwa - den wir unbedingt drin haben wollten - mussten wir eine Abbildung von einem antiken Keramikteller nehmen. Aufgenommen ins Quartett haben wir auf jeden Fall alle Päpste des 20. Jahrhunderts und alle, die den Beinamen "der Große" tragen.

Welcher Papst hat Sie besonders beeindruckt?

Beeindruckt ist das falsche Wort, aber die Geschichte von Pius VI. finde ich sehr bemerkenswert. Er regierte zur Zeit der Französischen Revolution und erklärte, die Menschenrechte seien "Unsinn". Etwas später eroberten Napoleons Truppen Rom und verschleppten ihn nach Frankreich. Dort starb er 1799 als "Bürger Papst". Das hat schon etwas Tragikkomisches.

Wer ist der unsympatischste Papst?

Für mich ist das Paul IV. Er versuchte, die Reformation zu unterbinden, und ließ Juden ins Ghetto sperren.

Beim Auto-Quartett heißen die Kategorien "Hubraum" oder "PS" und es ist klar: Je mehr PS, desto besser. Aber warum ist es für einen Papst besser, mehr Namensvetter zu haben? Oder – eine weitere Kategorie - so nah wie möglich an Rom geboren zu sein?

Die Namensvetter sind doch sehr plausibel: Wenn sich 13 Päpste Innozenz nennen, dann heißt das doch, dass dieser Name einen guten Ruf hat. Die Kategorie "Entfernung Geburtsort-Rom" ist tatsächlich eher eine Spaßkategorie. Man darf ja nicht vergessen: Es ist ein Spiel.

Welches Quartett planen Sie als nächstes?

Eines über Ost-Autos, also über Trabis, Wartburgs und ähnliche.

Das Papst-Quartett ist für 9,80 Euro im Buchhandel oder im Internet unter http://www.papstquartett.com erhältlich.

Interview: Oliver Fischer

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