HOME

Papstbesuch: Das war der dritte Tag

Privataudienz für den Altkanzler: Benedikt XVI. hat sich in Freiburg mit Helmut Kohl getroffen. Lesen Sie im stern.de-Liveticker nach, warum der Papst Kohl unbedingt treffen wollte.

+++ 17:33 Uhr: Papst ehrt Kohl als Kanzler der Einheit +++

Privataudienz für den Altkanzler: Papst Benedikt XVI. hat sich in Freiburg mit Helmut Kohl getroffen. Das 25 Minuten dauernde Gespräch zwischen dem 84-jährigen Benedikt und dem 81 Jahre alten Kohl im Priesterseminar der Erzdiözese ist gerade zu Ende gegangen. Begleitet wird der im Rollstuhl sitzende Kohl von seiner zweiten Ehefrau, Maike Kohl-Richter.

Die Begegnung sei auf Einladung des Papstes zustande gekommen, sagt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch. "Es war der Wunsch des Heiligen Vaters, dem Kanzler der Einheit zu begegnen." Mit dem Treffen würdige der Papst die Leistung des Altkanzlers für die Deutsche Einheit und für Europa.

"Der Papst hat ganz am Anfang der Reiseplanung einige Ideen geäußert. Und er hat den Wunsch geäußert, eine Person auf jeden Fall treffen zu können: Das war Altkanzler Kohl", sagt auch der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. Kohl habe die Einladung sehr gerne angenommen.

Allerdings ist der Altkanzler nach dem Gespräch nicht vor die Presse gegangen. Der Altkanzler verstehe das Treffen mit dem Papst als Privatangelegenheit und wolle sich daher nicht äußern, teilt sein Büro mit.

+++ 17:05 Uhr: Zollitsch begeistert vom Papamobil ++++

Erzischof Robert Zollitsch hätte wohl auch gern ein Papamobil. "Ein völlig neues Fahrgefühl", lobt der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz das Gefährt, in dem sonst nur der Papst fahren darf. In Freiburg durfte Zollitsch neben dem Papst und dessen Privatsekretär durch das Zentrum der Stadt fahren.

+++ 16:37 Uhr: Die CDU sitzt hinten +++

Ruhm ist vergänglich - das hat beim Besuch des Papstes in Freiburg insbesondere die CDU zu spüren bekommen. Die altgedienten Minister der im März abgewählten schwarz-gelben Landesregierung sowie Baden-Württembergs neuer CDU-Chef Thomas Strobl mussten sich auf dem Münsterplatz mit Plätzen in den hinteren Reihen begnügen. In der ersten Reihe saß der politische Gegner: Ministerpräsident Winfried Kretschmann, einziger grüner Ministerpräsident in Deutschland, und Dieter Salomon, einziger grüner Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt.

+++ 16:19 Uhr: Durstige Gläubige +++

Petrus hat es gut gemeint mit dem Heligen Vater: Die mehr 100 000 Regencapes, die die Kirche für die Gläubigen am Papst-Wochenende in Freiburg bereit gelegt hat, bleiben im Karton. Stattdessen herrscht Mangel an Mineralwasser.

+++ 16:01 Uhr: "Benedetto, Benedetto!"

Es scheint die schönste Station seines Besuchs zu werden: In Freiburg feiern die Menschen den Papst mit begeisterten "Benedetto"-Rufen. Weiß-gelbe Fähnchen prägen das Bild in der Universitätsstadt. In Rund einer Stunde will der Papst Altkanzler Helmut Kohl (CDU) treffen. Anschließend sind Gespräche mit Vertretern der Orthodoxen Kirche in Deutschland und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken geplant.

+++ 15:39: "Ja, das Problem habe ich auch" +++

Der Streit um Stuttgart 21 berührt auch den Papst. Bei seinem Treffen mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat Benedikt XVI. überraschend nach dem Bahnprojekt gefragt. In der ARD berichtet Kretschmann, er habe dem Papst geschildert, wie er sich als Ministerpräsident bemühe, dass der Konflikt nicht die Gesellschaft spalte. "Ja, das Problem habe ich auch, wie ich eine pluralistisch werdende Kirche zusammenhalte", habe der Papst geantwortet.

Kretschmann hatte die katholische Kirche vor dem Treffen in einem Zeitungsinterview kritisiert und Reformen verlangt. Bei seinem Gespräch mit Benedikt habe er dies aber nicht angesprochen, sagte er.

+++15:25 Uhr: "Das größte Polizeiereignis nach der Wende"

Nicht nur der Himmel bietet Schutz und Sicherheit: Beim Papstbesuch in Thüringen sind 5800 Polizisten im Einsatz gewesen. Innenminister Jörg Geibert (CDU) spricht vom "größten Polizeiereignis nach der Wende" in dem Bundesland.

+++ 15:05 Uhr: Lieberknecht beweist Frustrationstoleranz +++

Thüringens Ministerpräsidentin kann auch einer echten Klatsche noch etwas Positives abgewinnen. Sie sei von der Begegnung des Papstes mit den Spitzen der Evangelischen Kirche in Deutschland nicht enttäuscht, sagt Christine Lieberknecht in Erfurt. Ökumene sei in der Tat nicht das Aushandeln eines Vertrages, sondern könne nur aus dem Glauben entspringen. "Papst Benedikt hat mir da aus der Seele gesprochen", betonte die Regierungschefin, die auch evangelische Pfarrerin ist.

Mit ihrer Auslegung dürfte die CDU-Politikerin ziemlich allein dastehen. Fakt ist: Am Freitag hatte Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), den Papst gebeten, ein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten zu erlauben. Doch davon wollte Benedikt nichts wissen. Eine Annäherung der Kirchen könne nicht wie ein Kompromiss ausgehandelt werden, sagte er. Mit anderen Worten: Benedikt will keinen Deut nachgeben.

+++ 14:37 Uhr: "Ich bitte euch um euer Gebet" +++

Auch ein Papst freut sich, wenn er freundlich begrüßt wird: "Ich bin glücklich, dass ich nach den schönen Begegnungen in Berlin und Erfurt nun bei euch in Freiburg sein darf", sagt er den jubelnden Gläubigen auf dem Münsterplatz. Es sei ihm ein Anliegen, gemeinsam mit den Menschen zu beten, Gottes Wort zu verkünden und die Eucharistie zu feiern. "Ich bitte euch um euer Gebet, dass diese Tage fruchtbar werden." Zuvor hatte sich der Papst mit rund 600 Gläubigen zu einem kurzen Gebet im Münster, dem Freiburger Wahrzeichen, zurückgezogen.

+++ 14:15 Uhr: Weniger Gläubige als gedacht +++

Es war ein freundlicher Empfang für den Papst: Etwa 20.000 Menschen jubelten ihm in der Erfurter Innenstadt zu. Der Papst winkte und segnete die Menschen. Allerdings fiel der Andrang längst nicht so groß aus wie erwartet: Bis zuletzt konnten Schaulustige an die Strecke kommen. Eigentlich hatten die Behörden erwartet, dass die Zugänge schon Stunden vor der Ankunft des Papstes wegen Überfüllung gesperrt werden müssten. Platz wäre für 25.000 Menschen gewesen.

+++ 13:40 Uhr: Opfervertreter kritisieren Papst +++

Die in Verbänden organisierten Opfer sexualisierter Gewalt haben das Treffen von Papst Benedikt XVI. mit fünf Missbrauchsopfern in Erfurt scharf kritisiert. Das Treffen am Freitagabend sei nach dem Muster "Verleugnen, Verschweigen und Vertuschen" abgelaufen, sagte der Vorsitzende des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt, Norbert Denef. Der Papst habe sich hinter dicken Kirchenmauern mit Opfern getroffen, die sich nicht kritisch zu Wort meldeten. Dies sei "scheinheiliges Getue", sagte Denef.

Er und andere des Netzwerks wären bereit gewesen, sich mit dem Papst zu treffen und in aller Öffentlichkeit zu diskutieren, sagte Denef. "Wir kamen mit offenen Händen." Doch an solch einer öffentlichen Auseinandersetzung über den Missbrauchskandal bestehe offenbar in der katholischen Kirche kein Interesse.

Auch Peter Bringmann-Henselder von der Bundesinitiative Kinder in Heimen kritisierte die Umstände des Treffens. "Es bringt in unseren Augen nichts, dass der Papst einige wenige trifft, die kirchentreu geblieben sind. Viele sind aus der Kirche ausgetreten, und er will sie nicht treffen."

+++ 13:25 Uhr: Verdächtiger bestreitet die Tat +++

Nach vier Schüssen in der Nähe der päpstlichen Messe in Erfurt bestreitet der Festgenommene die Tat. Er war gegen 11 Uhr in einer mehrere hundert Meter vom Domplatz entfernten Wohnung festgenommen worden, aus der zwischen 7 und 8 Uhr die Schüsse auf zwei Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes abgegeben worden sein sollen. Die Polizisten hätten in der Wohnung ein Luftdruckgewehr und eine Luftdruckpistole sichergestellt, sagte Polizeieinsatzleiter Robert Ryczko.

Nach Angaben Ryczkos hatten Polizisten zunächst herausfinden müssen, aus welcher Wohnung die Schüsse abgegeben wurden. Danach sei es nicht gelungen, mit dem Mann Kontakt aufzunehhmen, so dass die Polizisten die Wohnung schließlich gestürmt hätten. In der Wohnung nahmen sie einen Mann fest, der 1981 in Erfurt geboren worden sei und mittlerweile in Berlin lebe. Gegen ihn werde wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Allerdings sei der Festgennommene nicht vorbestraft und auch nicht der Mieter der Wohnung.

+++12:30 Uhr: Benedikt in Baden-Württemberg +++

Papst Benedikt XVI. ist am dritten Tag seiner Deutschlandreise in Baden-Württemberg angekommen. Vor wenigen Minuten landete er auf dem Flughafen im badischen Lahr. Von dort aus fährt er weiter ins rund 50 Kilometer entfernte Freiburg, die letzte Station seiner Reise.

+++ 11:27 Uhr: Endlich Klarheit: Niemand wurde verletzt +++

Fast vier Stunden nach den Schüssen in Erfurt steht endlich fest: Es kam kein Mensch zu Schaden. Berichte, wonach ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma am Oberschenkel verletzt wurde, stellen sich nun als falsch heraus.

+++ 11:00 Uhr: Polizei nimmt Verdächtigen fest +++

Der MDR meldet, dass die Polizei den Schützen festgenommen habe. Unklar ist bisland, ob durch die Schüsse jemand verletzt wurde. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma am Oberschenkel verletzt worden sei. Die Deutsche Presseagentur wiederum sagt, der Polizei zufolge sei niemand zu Schaden gekommen.

+++ 10:09 Uhr: Schüsse am Rand der Papstmesse +++

An einer Sicherheitsschleuse für die Papstmesse auf dem Erfurter Domplatz sollen Schüsse gefallen sein. Nach Informationen des MDR Thüringen sei am Samstagvormittag ein Sicherheitsbeamter verletzt worden. Die Polizei bestätigt lediglich einen Vorfall in einer nahen Straße.

chs/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters