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Pferdefleisch-Skandal: Gepanschte Lasagne für Arme?

Ein CDU-Politiker findet, man könne mit Pferdefleisch verunreinigte Lebensmittel an Bedürftige verteilen. Wohlfahrtsverbände sind empört. Auch das Bundesverbraucherministerium winkt ab.

Hilfsorganisationen in Deutschland sind empört über den Vorschlag, die im Pferdefleisch-Skandal aus dem Handel gezogenen Tiefkühlgerichte an Bedürftige zu verteilen. "Der Vorschlag ist respektlos gegenüber Bedürftigen", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der "Bild"-Zeitung. "Qualitative Mindeststandards muss jeder Bedürftige erhalten. Wer so etwas vorschlägt, kann nur Kopfschütteln auslösen."

Auch Christian Bakemeier, Geschäftsführer der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission, lehnte den Vorschlag ab: Es sei bedürftigen Menschen nicht zuzumuten, sich von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zu ernähren, sagte er der Zeitung. Es sei "zynisch und menschenunwürdig", die Armutsprobleme in Deutschland auch nur punktuell mit der Verteilung von Pferdefleisch-Lasagne lösen zu wollen.

Bundesverbraucherministerium lehnt Vorschlag ebenfalls ab

Inzwischen hat auch das Bundesverbraucherministerium auf den Vorschlag reagiert. Eine mögliche Verteilung aus dem Verkauf genommener Pferdefleisch-Produkte an Hilfsorganisationen sei kritisch, heißt es von dort. "Verkauft oder verschenkt werden dürfen nur Lebensmittel, die von einwandfreier Qualität und Herkunft sowie korrekt gekennzeichnet sind", sagte ein Sprecher. Es reiche nicht, Produkte neu zu etikettieren. Unternehmen müssten auch dafür sorgen, dass der Inhalt einwandfrei und nachweislich frei von Rückständen sei. Zudem müsse lückenlos geklärt sein, woher alle Zutaten stammen. Daher sähen die Tafeln und andere Organisationen eine Weitergabe in diesem konkreten Fall zu Recht sehr kritisch.

CDU-Politiker hält Pferdefleisch-Lasagne für unbedenklich

Der CDU-Entwicklungspolitiker Hartwig Fischer hatte vorgeschlagen, aus dem Verkauf genommene Produkte wie etwa Lasagne oder Gulasch an Hilfsorganisationen zu geben anstatt sie voreilig zu vernichten. In den vergangenen Tagen sind in Europa immer mehr Produkte mit nicht deklarierten Pferdefleisch-Anteilen entdeckt worden. Geschäfte nahmen Gerichte aus den Regalen, Behörden verschärften Kontrollen.

In Frankreich hatten mehrere Hilfsorganisationen die Bereitschaft erklärt, die aus dem Handel gezogenen Produkte zu verteilen. Voraussetzung sei aber eine Garantie für die Unbedenklichkeit der Lebensmittel. Auch das Rote Kreuz in Frankreich allerdings schloss die Weitergabe der aus dem Verkehr gezogenen Tiefkühl-Gerichte aus und verwies auf die Menschenwürde. "Wenn man nicht genug zu essen hat, bedeutet dies nicht, dass man isst, was andere nicht wollen", sagte ein Sprecher.

mai/AFP/DPA / DPA