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Pfingstwetter: Heißer als in Rio - Deutschland schwitzt bei Rekordhitze

Deutschland schwitzt bei den höchsten Temperaturen, die es in den vergangenen Jahrzehnten zu Pfingsten gab. Unwetter sorgen vielerorts auf drastische Weise für Abkühlung.

In Deutschland drohen vielerorts schwere Gewitter, doch erst einmal haben Millionen von Menschen am Pfingstwochenende das hochsommerliche Wetter genossen. Landauf, landab wurde bei Rekordtemperaturen geschwitzt. Der wärmste Ort am Sonntag war mit bis zu 35,6 Grad Waghäusel-Kirrlach in der Nähe von Karlsruhe, wie es vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hieß. Damit wurde der bisherige Pfingstrekord aus dem Jahr 1979 eingestellt - damals kletterten die Temperaturen in Deutschland auf bis zu 33,9 Grad. In Schwimmbädern und an Badeseen drängelten sich die Gäste, an Eisdielen bildeten sich lange Warteschlangen, an Nord- und Ostsee wurden Strandkörbe zur Mangelware. Es gab aber auch erste Unwetter. Meteorologen warnten vor heftigen Gewittern, teils unwetterartig mit größerem Hagel und starkem Regen.

So wird es

Nördlich einer diagonalen Linie vom Hunsrück bis zur Ostsee wurden schon am Sonntagnachmittag Hitzegewitter mit Starkregen und Hagel erwartet, wie Tobias Reinartz vom DWD in Offenbach sagte. Keller und Straßen könnten überflutet werden, Schäden durch bis zu vier Zentimeter große Hagelkörner seien möglich. Im Münsterland mussten 130 Kinder kurzzeitig ihr Pfadfinder-Zeltlager verlassen und in einer Turnhalle Unterschlupf suchen. Eine Sturmböe hatte ein leeres Zelt angehoben und umgekippt. Umgestürzte Bäume blockierten Bahnstrecken in Nordrhein-Westfalen. Die Feuerwehr wurde zu Einsätzen wegen überfluteter Straßen und heruntergefallener Äste gerufen.

Am Pfingstmontag kann es nach DWD-Vorhersage in der Mitte Deutschlands ordentlich gewittern, am Abend auch im Westen und Nordwesten. Im Rest des Landes scheint wieder die Sonne. Dabei bleibt es heiß mit Temperaturen zwischen 30 und 36 Grad. Nur im Nordwesten und an den Küsten ist es etwas kühler.

Am Dienstag erwarten die Meteorologen kräftige Schauer und Gewitter bei bis zu 35 Grad im Osten und Südosten. In der Nacht zum Mittwoch soll es in der Nordwesthälfte regnen und Gewitter geben, am Tag eher in der Südosthälfte des Landes. Die Temperaturen erreichen maximal 32 Grad im Osten und Süden.

So war es

Am Samstag und Sonntag brannte die Sonne nur so vom Himmel. Es war heißer als in Rio de Janeiro im WM-Land Brasilien. Die wärmsten Orte hinter Waghäusel-Kirrlach am Sonntag: Kitzingen in Bayern mit bis zu 35,4 Grad sowie die Wetterstationen in Ohlsbach in Baden-Württemberg und Jena-Sternwarte in Thüringen mit jeweils 35,3 Grad. Für die ersten zehn Juni-Tage stand der Rekord bisher bei 35,5 Grad - gemessen am 3.6.1947 in Frankfurt am Main. Auch dieser Wert wurde nun übertroffen.

Selbst hartgesottenen Festivalbesuchern machte die Hitze zu schaffen. Beim Wave-Gotik-Treffen Leipzig, wo sich sonst vor allem schwarzgekleidete Besucher tummeln, schwenkten diesmal viele auf Weiß um, wie ein Sprecher sagte.

Schwitzen war auch bei den Festivals "Rock am Ring" in der Eifel und "Rock im Park" in Nürnberg angesagt. Es gab Wasserstellen, an denen sich die Besucher mit frischem Wasser versorgen konnten. Zudem wurden die Fans aufgerufen, genug zu trinken und sich so oft es geht im Schatten aufzuhalten.

In Berlin-Kreuzberg sahen sich Hunderttausende die Multikulti-Parade zum Karneval der Kulturen an. Sanitäter mussten bei tropischen Temperaturen mehr als zwei Dutzend Menschen mit Kreislaufproblemen behandeln.

Zwei Badeunfälle wurden aus Süddeutschland bekannt: In Baden-Württemberg ertrank ein 28-Jähriger beim Schwimmen in einem See. In Bayern starb ein Mann in der Isar; ein zweiter Mann wurde hier noch vermisst.

Michael Kieffer/Katia Rathsfeld/DPA / DPA