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Pflegemodell: Eine zweite Jugend im Alter

Nach dem "Böhm-Konzept" geht es Dementen in einer Umgebung gut, die ihnen bekannt vorkommt. In den Heimen entstehen jetzt Etagen, wo alles wie in den 30er und 40er Jahren aussieht - die Zeit, die die Erkrankten geprägt hat.

Mit einem kleinen Küchenmesser schneidet Werner Tietz eine Zwiebel. Die fertigen Würfel streift er vorsichtig vom Holzbrettchen in eine Emailleschüssel. "Ich bin hier der Zwiebelfachmann", sagt er und zeigt beim Lachen, dass er kaum noch Zähne im Mund hat. Der 81-Jährige lebt zusammen mit 26 anderen an Demenz Erkrankten im katholischen Altenheim Franziska Schervier in Frankfurt. Fast täglich sitzt der ehemalige Sportlehrer auf einem Holzstuhl mit geblümtem Kissen am Küchentisch. Dort hilft er Mahlzeiten zuzubereiten, macht seine beliebten Witzchen und schäkert mit seinen Mitbewohnerinnen.

"Psychobiografisches" Pflegemodell

Die gute Laune von Werner Tietz ist neu. "Als er hier eingezogen ist, kam er kaum aus seinem Zimmer", erzählt Wohnbereichsleiterin Nicole Groß. Der Wandel sei dem so genannten psychobiografischen Pflegemodell zu verdanken, nach dem Demente im Schervier-Haus betreut werden. Das Konzept stammt von dem Schweizer Professor Erwin Böhm. Nach seiner Auffassung tut es Dementen gut, in einer Umgebung zu leben, die ihnen bekannt vorkommt. Dann könnten sie oft Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend abrufen. Weiß möblierte, moderne Räumen erzeugten bei ihnen dagegen ein ständiges Gefühl der Fremdheit. Viele, die sonst apathisch im Bett liegen, könnten noch Kaffee mahlen, stricken oder abtrocknen, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gebe.

Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe ist nach anfänglicher Skepsis inzwischen von dem Konzept überzeugt. "Von der praktischen Arbeit war ich sehr beeindruckt", berichtet die Psychologin und Krankenschwester, die für die Stiftung neue Pflegekonzepte testet, über ihren ersten Besuch einer Böhm-Station. Beim Lesen sei sie von den Theorien des Schweizers zunächst nicht so begeistert gewesen. Ihre Vorbehalte habe sie jedoch zurück nehmen müssen.

Die Zahl der Heime, die nach diesem Konzept arbeiten, wächst. "Allein in Hessen gibt es fünf", sagt die Sprecherin von Böhm, Marianne Kochanski. Bundesweit hätten in den ersten Monaten dieses Jahres 14 Einrichtungen an Schulungen teilgenommen, weil sie sich für eine Umstellung interessierten. Vom Interesse bis zur Umsetzung dauert es meist Jahre. Auch im Schervier-Haus musste viel getan werden. Einer der ersten Schritte vor etwa vier Jahren war die neue Gestaltung der Räume: Auf Flohmärkten kauften die Mitarbeiter Polstermöbel, gehäkelte Tischdecken, Ölbilder und Schwarz-Weiß- Fotos. Für die Küche wurden unter anderem ein Gasofen, Handrührgeräte und eine Kaffeemühle besorgt.

Abschaffung des "Satt-und-Sauber-Prinzips"

"Es soll möglichst alles nach den 30er und 40er Jahren aussehen", erklärt Stationsleiterin Groß. In diesen Jahrzehnten seien ihre Bewohner geprägt worden. Die Demenz-Etage jedoch nur zu dekorieren, hätte nicht gereicht, sagt die Pflegedienstleiterin Roswitha Koch. "Am wichtigsten und schwierigsten war es, die Mitarbeiter zum Umdenken zu bringen", erinnert sie sich. "Sie mussten quasi alles vergessen, was sie in der Ausbildung gelernt haben." Zuerst sei abgeschafft worden, was Koch abfällig das "Satt-und-Sauber-Prinzip" nennt. Es reiche nicht, nur die Grundbedürfnisse der alten Menschen zu erfüllen. Inzwischen störten sich die Pfleger nicht mehr an einem Fleck auf der Bluse der Bewohner, achteten dafür aber "auf deren Seele".

"Seit wir so arbeiten, macht es viel mehr Spaß", sagt Pflegerin Groß. Früher sei es oft deprimierend gewesen, weil verwirrte Bewohner um Hilfe riefen oder sogar wegliefen. "Seit der Umstellung läuft niemand mehr weg." Stattdessen kommen die Bewohner gerne im Wohnzimmer zusammen. "Kaum einer auf dieser Station, verbringt den Tag in seinem Zimmer." Weil Gesang zu hören ist, der Duft von Essen durch den Flur zieht und beim Abwasch Teller klappern, seien die meisten zu neugierig, um sich zu verkriechen.

"Die Idee, bei der Pflege von alten Menschen deren Persönlichkeit, Erinnerungen und Erfahrungen zu berücksichtigen, ist sehr zu begrüßen", sagt der Frankfurter Gerontologe Johannes Pantel. Ob sich Heime speziell an das Böhm-Konzept hielten oder ähnlichen Ansätzen folgten, sei dabei nicht so wichtig. "Möglicherweise wirkt bereits vorteilhaft, dass das Personal natürlich motivierter ist, wenn es sich Erfolg von einem neuen Konzept verspricht."

Johanna Wolff/DPA / DPA
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Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.