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Mekka: Selfie-Trend der Pilger verärgert Religionswächter

Erinnerungsfoto statt Gebet: Weil immer mehr Muslime unter dem Hashtag #hajjselfie Eigenporträts von ihrer Pilgerfahrt posten, befürchten Sittenwächter, die Heiligkeit Mekkas könnte befleckt werden.

Die quaderförmige Kaaba muss von den Gläubigen berührt und siebenmal umrundet werden - immer häufiger wird dabei auch ein Selfie geschossen

Die quaderförmige Kaaba muss von den Gläubigen berührt und siebenmal umrundet werden - immer häufiger wird dabei auch ein Selfie geschossen

Religionswächter sorgen sich um den Hadsch, die wichtigste Pilgerfahrt des Islam. Ihre Ängste gründen nicht etwa auf einer möglichen Ausbreitung des Ebola-Erregers oder des gefährlichen Coronavirus Mers unter den Muslimen aus aller Welt, die sich seit Donnerstag in der heiligen Stadt Mekka aufhalten. Sie fürchten auch nicht eventuelle Anschläge von islamischen Extremisten. Was ihnen Unbehagen bereitet, nennt sich #hajjselfie und verbreitet sich derzeit auf Facebook, Twitter und dem Bilderdienst Instagram.

Unter dem Hashtag #hajjselfie oder auch #hajj2014 veröffentlichen Pilger auf sozialen Netzwerken ihre Selbstporträts während der Pilgerfahrt. Tausendfach finden sich Bilder von in weiße Gewänder gehüllten Muslimen - mal am Rande der Heiligen Moschee von Mekka, mal im Reisebus auf dem Weg zur Unterkunft, vor allem aber unmittelbar vor der heiligen Kaaba.

Selfie zur Pflicht geworden

Die quaderförmige Kaaba beherbergt den Schwarzen Stein, der von den Pilgern während der Hadsch berührt und siebenmal umrundet werden muss. Doch mit dem Selfie-Trend scheint neben der Umrundung nun auch das Porträt zur Pflicht zu werden. Auf Instagram sind Bilder zu sehen, auf denen sich ganze Familien oder Gruppen vor der Kaaba drängen, damit auch ja alle ins Bild passen. Profis bringen gar Teleskophalterungen oder Weitwinkelkameras mit, um größere Bildausschnitte zu erreichen.

"Es scheint, als sei das einzige Ziel des Hadsch, nur noch Erinnerungsfotos zu machen anstatt zu beten", wetterte der Gelehrte Scheich Abdul Rassak al-Badr in der saudischen Tageszeitung "Arab News". Er habe Muslime gesehen, die nur so täten, als würden sie beten - in Wahrheit hätten sie vor dem Sonnenuntergang posiert. "Und dann kommen sie nach Hause und sagen: Schaut, da war ich am Berge Arafat!"

Weit mehr als 2 Millionen Pilger

Auch der saudische Prediger Scheich Assim al-Hakim kritisierte die Selfie-Obsession der Pilger als Eitelkeit. So habe Prophet Mohammed nach einer Überlieferung gesagt, er wünsche sich den Hadsch ohne jegliche Prahlerei. "Wer also Selfies und Videos von sich macht, widersetzt sich dem Wunsch unseres Propheten." Und der ehemalige Großmufti von Ägypten, Ali Guma, beschimpfte in einem Fernsehinterview die Selfies schlicht als "Clownerie".

Der Hadsch ist eine der fünf Glaubenssäulen des Islam. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern. In diesem Jahr nehmen nach Angaben des saudischen Hadsch-Ministeriums 1.388.246 ausländische Wallfahrer an dem Ritus teil, aus Saudi-Arabien selbst dürfte eine weitere Million Pilger hinzukommen. Der Trend zum Hadsch-Selfie hat aber längst eine Gegenbewegung hervorgerufen: Pilger fotografieren Pilger, die sich beim Pilgern fotografieren - um deren Frevel für die sozialen Netzwerke festzuhalten.

mod/DPA / DPA