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Plagiatsaffäre: Koch-Mehrin verliert ihren Doktortitel - und wehrt sich

Nach mehrwöchiger Prüfung hat die Universität Heidelberg der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin ihren Doktortitel entzogen. Diese zeigte sich überrascht und kündigte an, die Entscheidung rechtlich zu überprüfen. Die Vorwürfe der Uni seien im Grunde ein alter Hut.

Nach dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) muss auch Silvana Koch-Mehrin ihren Doktortitel abgeben. Dies teilte die Universität Heidelberg am Mittwoch nach mehrwöchiger Untersuchung der Plagiatsvorwürfe gegen die Politikerin mit. Koch-Mehrin reagierte mit der Ankündigung, rechtliche Schritte gegen die Aberkennung zu prüfen.

Die Entscheidung der Universität komme überraschend, weil sie bisher keine Akteneinsicht hatte, erklärte die Liberale am Mittwoch. "Ich werde prüfen, ob sie rechtswidrig ist." Die Hochschule hatte zuvor festgestellt, dass das geprüfte Material eindeutig belege, dass die im Jahr 2000 von Koch-Mehrin vorgelegte Doktorarbeit "in substanziellen Teilen aus Plagiaten besteht". Auf rund 80 Textseiten der Dissertation fänden sich mehr als 120 Stellen, die nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren seien.

Gutachter sollen Mängel gekannt haben

Diese Plagiate stammten aus mehr als 30 verschiedenen Publikationen, von denen zwei Drittel nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt worden seien. Die Quantität und Qualität der nachweisbaren Plagiate lege zwingend die Schlussfolgerung nahe, dass die Dissertation keine "selbstständige wissenschaftliche Arbeit" im Sinne der Promotionsordnung der Fakultät und des Landeshochschulgesetzes Baden-Württemberg darstelle, erklärte der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Dekan Manfred Berg. "Frau Koch-Mehrin hat sich in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben."

Koch-Mehrin verwies nun aber darauf, dass die Mängel ihrer Doktorarbeit schon ihren Gutachtern bekannt gewesen seien. Sie hätten die Ungenauigkeiten, Oberflächlichkeiten und das Fehlen von Belegen gerügt. Aber: "Der Promotionsausschuss hat mir im Jahr 2000 in voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen meiner Arbeit den Doktortitel verliehen." Angesichts der massiven Kritik der Gutachter hätten bei dem Ausschuss bereits damals alle Alarmglocken läuten müssen. Trotzdem habe er sie mit einem "cum laude" bewertet, was etwa der Note 3 in der Schule entspricht. Dies sei auch zurecht erfolgt. "Die wissenschaftlichen Ergebnisse meiner Arbeit sind bis heute unstrittig und beruhen auf meiner eigenen wissenschaftlichen Leistung", betonte die FDP-Politikerin am Mittwoch.

Von allen Ämtern zurückgetreten

Silvana Koch-Mehrin war im Zuge der öffentlichen Debatte über ihre Doktorarbeit als Vorsitzende der FDP im Europäischen Parlament und als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments zurückgetreten. Die Doktorarbeit der FDP-Europapolitikerin trägt den Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik". Plagiatsjäger im Internet hatten die Arbeit unter die Lupe genommen und dabei zahlreiche Plagiate entdeckt.

Bereits im Februar waren in Guttenbergs Doktorarbeit Plagiate entdeckt worden. Wenig später erkannte ihm die Uni Bayreuth den Doktortitel ab. Die Hochschule erklärte in ihrem Abschlussbericht, dass der CSU-Politiker vorsätzlich getäuscht habe.

dho/be/AFP/DPA / DPA