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Vorwürfe von VroniPlag: Von der Leyens Doktorarbeit im Visier der Plagiatsjäger

Einige Politiker haben sie bereits gestürzt, jetzt droht einem neuen Opfer Unheil. Die Plagiats-Detektive von "VroniPlag" nehmen die Dissertation von Ursula von der Leyen unter die Lupe – und haben einiges zu beanstanden.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nimmt an einer Sitzung des Bundestags in Berlin teil.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sieht sich mit Vorwürfen von "VroniPlag" konfrontiert, Teile ihrer Doktorarbeit entsprächen nicht den wissenschaftlichen Richtlinien.

Im Jahr 1991 promovierte Ursula von der Leyen (CDU) an der Medizinischen Hochschule Hannover. Zur Erlangung des akademischen Doktorgrads hatte die heutige Verteidigungsministerin seinerzeit eine Arbeit im Bereich der Frauenheilkunde mit dem Titel “C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung“ eingereicht. Und genau diese Dissertationsschrift könnte von der Leyen nun, knappe 24 Jahre später, zum Verhängnis werden.

Denn: Die Aktivisten der Anti-Plagiats-Plattform VroniPlag haben Fährte aufgenommen und untersuchten kürzlich besagte Doktorarbeit von der Leyens auf ihre wissenschaftliche Korrektheit. Nach Analyse der 62 Textseiten des insgesamt 70 Seiten langen Dokuments "im üblichen Vier-Augen-Sichtungsprozess" habe man dabei "37 Textpassagen festgestellt, die gegen wissenschaftlich anerkannte und auch in der damals maßgeblichen Promotionsordnung geregelte Zitierregeln verstoßen", berichtet Gerhard Dannemann, Professor an der HU Berlin, dem Spiegel.

VroniPlag gab bekannt, dass man auf 43,5 Prozent der bisher überprüften Seiten Plagiate identifiziert habe. Die Plagiatsjäger beanstandeten demnach insbesondere wortgleiche Übernahmen fremder Textpassagen, ohne dass diese explizit kenntlich gemacht wurden. Darüber hinaus wollen sie weitere eklatante Verstöße gegen wissenschaftliche Zitierregeln ausgemacht haben. Drei Seiten bestünden mehr als zur Hälfte aus plagiierten Inhalten, auf fünf Seiten stellen die problematischen Passagen gar drei Viertel des Gesamttextes dar.

Dannemann beeilte sich jedoch, die Schwere der wissenschaftlichen Verfehlungen von der Leyens zu relativieren. Im Vergleich zu den anderen 151 Fällen, die VroniPlag bisher gesichtet hat, sei die Doktorarbeit der Ministerin “eher ein mittelschwerer als ein schwerer Fall", führte er aus. Seiner Ansicht nach fielen die regelwidrig übernommenen Textstellen "eher kurz als lang" aus, und die meisten Quellen würden "irgendwo in der Arbeit genannt, allerdings nicht im jeweiligen Kontext".

Ungenauigkeiten im Fachbereich Medizin keine Seltenheit

Besonders stört sich Dannemann indes an einem anderen Fakt. Die eingängige Untersuchung beförderte zutage, dass sich in der Dissertationsschrift von der Leyens "23 Fehlverweise" befinden, lässt der Jura-Professor wissen. Damit sind Hinweise gemeint, in denen der zitierte Inhalt gar nicht aufzufinden sei. VroniPlag-Vertreter bemängeln schon länger, dass insbesondere Mediziner nicht die gebotene Sorgfalt beim Verfassen akademischer Abhandlungen an den Tag legten.

"Es ist leider richtig, dass es unter deutschen Medizinern verbreitet ist, selbst wie hier in der Promotionsordnung ausdrücklich enthaltene Zitierregeln laxer zu handhaben als in den meisten anderen Disziplinen", so Dannemann. "Die Anhäufung unkorrigierter Fehler durch die ungeprüfte Übernahme von Belegen, die in dieser Arbeit mehrfach zu sehen ist, sollte allerdings auch Mediziner alarmieren."

Von der Leyen ist sich keiner Schuld bewusst

Unterdessen wehrt sich ein Sprecher von der Leyens gegen die Kritik. "Die Ministerin weist den Vorwurf nicht nur zurück - sie hat noch am selben Tag die Medizinische Hochschule Hannover gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle der Einrichtung überprüfen zu lassen." Die Hochschule in der niedersächsischen Landeshauptstadt habe ihr daraufhin eine unabhängige Prüfung zugesagt.

lst