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Polizei in Berlin: "Feind in eigenen Reihen": Anonyme Botschaften von Polizisten sorgen in Berlin für Unruhe

Was ist los an der Polizei-Ausbildungseinrichtung der Hauptstadt? Interne Papiere, ein anonymer Brief und ein Audio-Mitschnitt sorgen für Aufregung. Manche Bewerber sollen unzureichende Deutschkenntnisse haben, einige früher mit Straftaten aufgefallen sein. 

Neue Vorwürfe gegen Berliner Polizei - Audio-Mitschnitt und anonymer Brief

Die Polizei Berlin hat mit neuen Vorwürfen zu kämpfen - von Gewalt, Hass und Lernverweigerung sei die Rede (Symbolbild)

An der Berliner Polizeiakademie soll es erhebliche Probleme mit Schülern aus Zuwandererfamilien geben. Die "Welt", die darüber berichtet, beruft sich auf ein ihr vorliegendes internes Papier einer Besprechung der Polizeiführung vom August. Beklagt wurden demnach ein "herablassender Umgang mit weiblichen Angestellten wie Putzfrauen" und Defizite im Berufsethos. Manche Bewerber könnten nicht schwimmen, obwohl das Voraussetzung für die Einstellung sei.

Polizeisprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, an der Akademie komme es immer wieder zu Problemen. Im RBB-Fernsehen räumte er ein, dass sich "gerade im Bereich der Disziplin, des Respektes, der gegenseitigen Rücksichtnahme hier nicht alle so verhalten, wie wir uns das vorstellen". Das werde aber in der Schule vermittelt. Der Anteil von Migranten an der Akademie mit 1200 Auszubildenden liegt laut "Welt" derzeit bei 30 Prozent.

Internes Polizeipapier sorgt für Aufregung

In einem Polizeipapier wird das Nichtbeherrschen der deutschen Sprache als K.o.-Kriterium für Bewerber gewertet. Sprecher Neuendorf sagte im : "Trotzdem müssen wir feststellen, dass für die komplexen Aufgabengebiete noch weitergehende Deutschkenntnisse wünschenswert sind. Und deshalb wird an der Schule auch Deutsch-Nachhilfe angeboten."

Der Polizeisprecher sagte dem Fernsehsender, es gebe Polizeianwärter, die zuvor mit aufgefallen seien. Da müsse "im Einzelnen geprüft werden, ob jetzt trotzdem eine Eignung vorliegt". Eine automatische Ablehnung sei nach Einschätzung der Verwaltungsgerichte nicht möglich.

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, habe es einen anonymen Brief an Polizeipräsident Klaus Kandt gegeben. In diesem heiße es sinngemäß - der Brief läge der Zeitung aus Berlin vor - dass sich die Truppe für kriminelle Clans geöffnet habe. So schreibt der anonyme Verfasser, nach eigenen Angaben ein LKA-Mitarbeiter: "Bewerber aus diesen Großfamilien werden - trotz Strafakte - in der Polizei angenommen." Mitverantwortlich mache er Polizei-Vizepräsidenten Margarete Koppers, die für die Einstellung junger Migranten aus muslimischen Herkunftsländern stehe. Sie sende die falschen Signale aus, wie in dem Brief stehe, indem sie einen Anwalt habe, der Männer jener Clans vertrete.

Auf Anfrage des "" sagte Kandt: "Für mich erschöpft sich dieses Schreiben in haltlosen, diffamierenden, möglicherweise sogar strafrechtlich relevanten Bemerkungen. Ich werde dieses Papier nicht kommentieren.", so der Polizeipräsident. "Wichtig ist für mich jedoch die Kultur des Umgangs in unserer Behörde. Ich bleibe dabei, Frau Koppers und ich stehen für eine offene Gesprächs- und Kritikkultur."

Brisanter Audio-Mitschnitt aufgetaucht

Darüber hinaus überprüft die derzeit eine anonyme Sprach-Mail, in der ein Ausbilder unhaltbare Zustände an der Akademie beklagt. An der Echtheit besteht kein Zweifel. Nun solle die Schule genauer unter die Lupe genommen und mit Schülern und Auszubildenden gesprochen werden, sagte der Sprecher. "Frechheiten und Disziplinlosigkeiten werden wir nicht zulassen."

In der Aufnahme, die der "Welt" vorliegt, beklagt sich der Ausbilder über Hass, Lernverweigerung und Gewalt in einer Klasse mit vielen Polizeischülern mit Migrationshintergrund. "Ich hab Unterricht gehalten an der Polizeischule. Ich hab noch nie so was erlebt, der Klassenraum sah aus wie Sau, die Hälfte Araber und Türken, frech wie Sau. Dumm. Konnten sich nicht artikulieren", zitiert die Zeitung den Ausbilder in der Audio-Datei. Der kommt zu dem Fazit: "Das sind keine Kollegen, das ist der Feind. Das ist der Feind in unseren Reihen."

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hieß es, es gebe immer wieder Äußerungen über die Akademie, "aber nichts Handfestes, sondern immer nur vom Hörensagen". Auf dieser Grundlage werde man "keine voreiligen Schlüsse ziehen", so Martin Pallgen, Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres, zum "Tagesspiegel". 

Benjamin Jendro von der GdP sagte, ihn würden die Aussagen nicht überraschen. "Seit Monaten erreichen uns solche Nachrichten über Dritte, aber nie von direkt Betroffenen." Zwar habe man durchaus "Probleme an der Akademie, aber nach unsereren Erfahrungen hat das nichts mit Migrationshintergrund zu tun", so Jendro.

fs/DPA

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