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New York Teilnahme unerwünscht: Polizist:innen werden von Pride-Parade ausgeschlossen

Menschen nehmen an der Pride-Parade in New York teil und schwenken Regenbogen-Flaggen
Bis 2025 dürfen Polizist:innen nicht mehr bei der "Pride"-Parade in New York mitlaufen (Symbolbild)
© William Volcov / Picture Alliance
Ab sofort dürfen Polizist:innen nicht mehr an der New Yorker Pride-Parade teilnehmen – auch der dienstliche Schutz durch sie soll vorerst durch private Sicherheitskräfte ersetzt werden. 

Mit sofortiger Wirkung haben die Veranstalter:innen der New Yorker Pride-Parade die Teilnahme von Polizist:innen bei der Großveranstaltung verboten. Bis 2025 sollen die Gesetzeshüter:innen vorerst der Parade fern bleiben, danach soll die Entscheidung erneut überprüft werden.

Als Grund für ihre Entscheidung nannten die Organisator:innen in einer Pressemitteilung den Wunsch, in Hinblick auf die anhaltende Polizeigewalt in den USA gegen marginalisierte Gruppen wie die der LGBTQ-Community oder Afro-Amerikaner:innen eine sichere Veranstaltung für alle Teilnehmenden schaffen zu wollen: "Das Gefühl der Sicherheit, das die Strafverfolgung bieten soll, kann stattdessen bedrohlich und manchmal gefährlich für diejenigen sein in unserer Gemeinschaft, die am häufigsten mit übermäßiger Gewalt und/oder ohne Grund angegriffen werden. NYC Pride ist nicht bereit, in irgendeiner Weise dazu beizutragen, eine Atmosphäre der Angst oder des Schadens für Mitglieder der Gemeinschaft zu schaffen." Durch die eingeleiteten Schritte fordern sie von der Polizei, den durch sie verursachten "Schaden einzugestehen und ihren Kurs zu korrigieren, in der Hoffnung, eine wirkungsvolle Veränderung zu erreichen".

Eine "abrupte Kehrtwende"

In der Vergangenheit hatten auch einige LGBTQ-Gruppen der Polizei an der Pride-Parade teilgenommen. Mitglieder der Gay Officers Action League (auf Deutsch: Aktionsbündnis homosexueller Polizist:innen) zeigten sich nun bestürzt über die Entscheidung der Veranstalter:innen. Diese sei in ihren Augen eine "abrupte Kehrtwende", eine Maßnahme, um "einige der Aktivisten in unserer Gemeinschaft zu beschwichtigen", was "beschämend" sei.

Tatsächlich hatte es bereits seit einigen Jahren Forderungen aus der LGBTQ-Gemeinde gegeben, angesichts der Geschichte der Pride-Parade keine Polizeipräsenz bei der Veranstaltung mehr zu erlauben. Aufgrund dessen fanden 2019 zwei unterschiedliche Paraden in New York statt: Die Teilnehmer:innen des "Queer Liberation"-Marsches zielten dabei auf eine Proteststimmung ab, da die Haupt-Pride-Parade ihrer Meinung nach von zu vielen Polizist:innen besucht würde, die aus derselben Polizeieinheit stammten, die ein halbes Jahrhundert zuvor die Homosexuellen-Bar "Stonewall Inn" durchsucht hatte.

Der Entschluss der Organisator:innen von NYC Pride geht jedoch über ein Teilnahmeverbot hinaus: Sie wollen sich zudem dafür einsetzen, dass Polizist:innen im Dienst mindestens einen Straßenblock von den Feierlichkeiten entfernt bleiben müssen. Für ausreichende Sicherheit und Schutz der Teilnehmenden direkt vor Ort sollen stattdessen private Sicherheitskräfte sorgen. Detective Sophia Mason, eine Sprecherin des New York Police Departments zeigte sich ebenfalls schockiert über den Entschluss der Veranstalter:innen: "Die Vorstellung, dass Polizisten ausgeschlossen werden, ist entmutigend und läuft unseren gemeinsamen Werten der Inklusion und Toleranz zuwider. Nichtsdestotrotz werden wir immer noch da sein, um die Verkehrssicherheit und die gute Ordnung während dieser großen, komplexen Veranstaltung zu gewährleisten."

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Erinnerung an "Stonewall"-Aufstände

Die Pride-Parade fand ihren Ursprung in den sogenannten "Stonewall"-Aufständen von 1969, die durch eine Polizei-Razzia ausgelöst wurden. In der beliebten Homosexuellen-Bar "Stonewall Inn" in der Manhattaner Christopher Street hatte die Razzia stattgefunden, die Polizei ging dabei gegen die dort Feiernden vor, die sich jedoch vehement wehrten. Die hieraus resultierenden Aufstände werden heute als Geburtsstunde der modernen LGBTQ-Gemeinde gehandelt. Bereits ein Jahr später, im Jahr 1970, nahmen rund 4000 Personen an einem ersten Marsch durch New York teil, forderten Gleichberechtigung für alle Menschen und demonstrierten ihr Selbstbewusstsein sowie ihren Widerstand gegen Diskriminierungen. Die diesjährige Pride-Parade findet am 27. Juni statt.

Quellen: "RTL" / "The Guardian" / NYC Pride Pressemitteilung

as

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