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Präimplantationsdiagnostik: Die Angst vor dem Wunschkind ohne Makel

Eine Gruppe von Abgeordneten aus allen Bundestagsfraktionen setzt sich für eine eingeschränkte Erlaubnis der Präimplantationsdiagnostik ein. Doch worum geht es bei der Debatte überhaupt? Ein Hintergrund.

Seit Jahren ist die Präimplantationsdiagnostik politisch, juristisch und moralisch höchst umstritten. Im Ringen um eine Entscheidung über die Zulassung des Verfahrens, bei dem im Reagenzglas erzeugte Embryonen schon vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf mögliche Schäden untersucht werden, formieren sich nun die Gegner und Befürworter im Bundestag. Ein am Dienstag vorgestellter, fraktionsübergreifender Gesetzentwurf sieht eine eng begrenzte Zulassung der PID vor.

Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) werden Verfahren der künstlichen Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation) und die Gendiagnostik miteinander kombiniert. Dabei werden zunächst mehrere Eizellen im Reagenzglas künstlich befruchtet. Etwa drei Tage nach der Befruchtung, wenn sich acht Zellen des heranwachsenden Embryos gebildet haben, werden ein bis zwei Zellen entnommen und in einem aufwendigen Verfahren auf ihre Erbanlagen geprüft.

Für die Übertragung in die Gebärmutter der Frau werden schließlich nur diejenigen Embryonen ausgewählt, bei denen bestimmte Chromosomenstörungen oder Mutationen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden können. Damit soll die Übertragung von Erbkrankheiten wie zum Beispiel Chorea Huntington, eine erbliche Bewegungsstörung, der Bluterkrankheit oder Mukoviszidose verhindert werden. Alle anderen Embryonen werden verworfen und sterben ab.

Entwickelt wurde das Verfahren in Großbritannien. 1990 wurde dort die erste Geburt eines Kindes nach einer solchen Untersuchung bekannt gegeben. Im Januar 2009 kam in Großbritannien auch das erste genetisch "ausgewählte" Baby ohne Brustkrebsgen zur Welt, nachdem es in der Familie des Vaters über drei Generationen hinweg zu Brustkrebs-Fällen gekommen war. Nach Angaben der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) wurden seit 1999 weltweit rund 4000 Kinder nach einer PID geboren, wobei es sich in bis zu 25 Prozent der Fälle um Mehrlingsschwangerschaften handelte. Eine PID betrifft also nur ganz wenige Menschen. Zudem ist die Geburtenrate nach einer solchen Untersuchung relativ gering.

Theoretisch können mit der PID nicht nur Erbkrankheiten bestimmt werden, sondern auch andere Behinderungen sowie das Geschlecht eines Embryos oder dessen Eignung als Organ- oder Gewebespender für ein bereits lebendes, erkranktes Geschwisterkind. Dies macht den Umgang mit PID so schwierig.

Im deutschen Embryonenschutzgesetz von 1990 wurde die Präimplantationsdiagnostik noch nicht ausdrücklich geregelt und galt daher als strafbar. Mit einem Urteil vom Juli dieses Jahres hat der Bundesgerichtshof (BGH) allerdings die Auswahl künstlich befruchteter Eizellen bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Genschäden erlaubt. Deswegen steht nun eine gesetzliche Regelung an.

AFP / AFP