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Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien: Mohammed-Karikaturist Westergaard abermals ausgezeichnet

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard am Freitagabend in Leipzig geehrt. Nur eine sagte ihre Teilnahme an der Veranstaltung aus Protest ab - die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard ist am Freitagabend in Leipzig mit dem Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet worden. Ebenfalls geehrt wurden der bulgarische Reporter Assen Yordanov und der afghanische Journalist Sayed Yaqub Ibrahimi. Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig zeichnete damit "drei Persönlichkeiten aus, die sich auf besondere Weise für die Meinungs- und Pressefreiheit eingesetzt haben".

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte bei der Preisverleihung, ob man Bilder oder Karikaturen als ansprechend oder geschmacklos, als pointiert oder witzig, aussagekräftig oder wenig aussagekräftig empfinde, liege in der Wahrnehmung eines jeden Einzelnen. "Und auch, wenn eine Karikatur meinen Geschmack nicht trifft, so bin ich doch dafür, dass jeder hierzulande und sonst wo in der ganzen Welt das zu Papier bringen kann, was durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt ist", fügte er hinzu.

Und wenn dann der Karikaturist, wie der heutige Preisträger, nach der Veröffentlichung mit dem Leben bedroht, überfallen und in übler Weise beschimpft werde, dann verdiene er den Respekt und die uneingeschränkte Unterstützung von allen Demokraten in der ganzen Welt, sagte de Maiziére. Er hatte zugleich betont, dass er persönlich Religion als etwas Heiliges betrachte.

Westergaard war bereits im September in Potsdam für sein Engagement für die Meinungsfreiheit mit dem Medienpreis M100 ausgezeichnet worden. Der 75-Jährige Zeichner hatte mit einer Mohammed-Karikatur in einer dänischen Zeitung für Aufregung gesorgt und steht aufgrund der Kontroverse unter permanentem Polizeischutz. Bei der Preisverleihung bezeichnete er Meinungsfreiheit als einen "unabdingbaren Bestandteil" einer demokratischen Gesellschaft. Er betonte zugleich, dass die Zeichnung nicht als Provokation gegen Muslime entstanden sei.

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die am Freitag als Rednerin beim 1. Leipziger Medienkongress auftrat, hatte die Karikatur und die Veranstalter kritisiert, die sie nicht darüber informiert hätten, dass Westergaard unter den Preisträgern sei. Aus Protest kündigte sie an, nicht an der Preisverleihung teilzunehmen. Der Vorstandsvorsitzende der Medienstiftung, Harald Langenfeld, sagte, man bedauere Ebadis Entscheidung, respektiere sie aber. Die Stiftung hätte gerne wesentlich früher Ebadi und die Preisträger informiert. Die "extreme Sicherheitslage" habe aber keine frühere Bekanntgabe zugelassen.

Ibrahimi, der derzeit im Exil leben muss, veröffentlichte in seiner afghanischen Heimat kritische Berichte über Machtmissbrauch, Waffen- und Drogenhandel. Wegen seiner Berichterstattung erhielt er Morddrohungen. Yordanov deckte in seiner Heimatstadt Burgas an der bulgarischen Schwarzmeerküste Umweltverbrechen, Korruption sowie Fälle von organisierter Kriminalität auf. Er stand deshalb mehrfach vor Gericht und wurde Opfer körperlicher Gewalt.

Der mit insgesamt 30 000 Euro dotierte Preis wurde zum zehnten Mal verliehen. Bei der Verleihung wurde auch der Medienpreisträgerin von 2005 und später ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja gedacht.

Nathalie Waehlisch, APN / APN