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Prozessbeginn in Kassel: Fritzlarer Priester gesteht Übergriffe auf sechs Jungen

Ein in Kassel angeklagter Pfarrer aus Fritzlar hat gestanden, Ministranten sexuell missbraucht zu haben. Er bedauere den Vertrauensbruch, sagte der 50-Jährige zum Prozessauftakt vor dem Landgericht am Donnerstag.

Zum Prozessauftakt hat ein Priester aus dem nordhessischen Fritzlar den sexuellen Missbrauch von Kindern weitgehend gestanden. Vor dem Kasseler Landgericht gab dessen Anwalt am Donnerstag eine Erklärung ab, derzufolge der 50-jährige Ordensbruder die Anklagepunkte "im Wesentlichen" einräumt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Schulpfarrer vor, sich zwischen 1992 und 2003 an sechs Jungen unter 14 Jahren vergangen zu haben. Die Anklage geht von 165 einzelnen Übergriffen aus. Außerdem soll sich der Mann Kinderpornografie beschafft haben.

Der Verteidiger erklärte, sein Mandant bedauere "insbesondere den Vertrauensbruch" gegenüber den Kindern. Er könne sich aber nicht an jede einzelne Tat erinnern, hieß es weiter. Auf Nachfrage des Richters bestätigte der Angeklagte selbst, die Taten seien "im Großen und Ganzen" so zustande gekommen, wie von der Staatsanwaltschaft geschildert.

Laut Anklageschrift hatte der Ordensbruder, der zu den Jungen in einem besonderen Vertrauensverhältnis stand, die sexuellen Handlungen als medizinisch erforderlich verbrämt. Er habe den Jungen erklärt, seine Manipulationen an ihren Geschlechtsteilen seien notwendig, um Fehlentwicklungen vorzubeugen. Die Übergriffe sollen sowohl in Fritzlar als auch im Rahmen von Ferienfreizeiten im spanischen Benidorm stattgefunden haben. Zum Teil fertigte der Priester Filmaufzeichnungen davon an.

Für den Prozess war nur ein Verhandlungstag angesetzt, das Urteil wurde noch für Donnerstagnachmittag erwartet.

APN/DPA / DPA