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Prüfbericht: Pflegesituation in Deutschland unzureichend

Bei der Pflege von älteren und bedürftigen Menschen gibt es einem aktuellen Qualitätsbericht zufolge erhebliche Missstände - auch wenn sich die Situation seit 2003 verbessert habe. Der Pflegeverband warnt: Viele Pfleger sind an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angelangt.

Bei der Pflege von älteren und bedürftigen Menschen gibt es dem zweiten Pflegequalitätsbericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) zufolge in vielen Bereichen erhebliche Missstände. Etwa jeder dritte Pflegebedürftige wird nicht einmal bei der Ernährung ausreichend versorgt. Der Präsident des Pflegeverbandes, Rolf Höfert, mahnte im "RBB- Inforadio" eine Reform der Pflegeversicherung an. Die Pfleger seien an den Grenzen ihrer Möglichkeiten angelangt, sagte Höfert.

Der MDS gibt alle drei Jahre einen umfassenden Bericht zur Pflegequalität bei häuslicher Pflege und in Pflegeheimen ab. Der jetzt vorgestellte Bericht bezieht sich auf die Jahre 2004 bis 2006. Es wurden knapp 25.000 Bewohner von Pflegeheimen sowie rund 15.000 ambulant betreute Pflegebedürftige zu ihrer Versorgungssituation befragt. Zudem wurde ihr Pflegezustand bewertet und Pflegekonzepte, Abläufe und fachliche Arbeit der Pflegekräfte in den Einrichtungen überprüft. Insgesamt stellt der Bericht bei jedem zehnten Heimbewohner und bei 5,7 Prozent der ambulant Gepflegten einen "akut unzureichenden Pflegezustand" fest.

Im ersten Pflegequalitätsbericht von 2003 war dies noch bei bei 8,8 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause der Fall gewesen. Der MDS sagte, die Pflegeeinrichtungen hätten zwar erkennbare Anstrengungen unternommen, um die Pflegequalität weiterzuentwickeln. Allerdings konstatieren die Verfasser des Berichts, "dass die Pflege nach wie vor ein Qualitätsproblem hat, aus dem sich ein erheblicher Optimierungsbedarf in den ambulanten Pflegediensten und stationären Plflegeeinrichtungen ergibt."

Ernährung: unzureichend

Unzureichende Ernährung und Flüssigkeitsversorgung wurden bei knapp 30 Prozent der Bedürftigen im ambulanten Bereich und bei etwa 34 Prozent im stationären Bereich festgestellt.

Diese Mängel seien nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer bereits eingetretenen Unterversorgung, so die MDS, sondern zeigten an, dass pflegerische Standards nicht erfüllt waren. In vielen Fällen würde etwa der Gewichtsverlauf des Pflegebedürftigen nicht ausreichend kontrolliert oder der individuelle Kalorienbedarf nicht berücksichtigt.

2003 hatten die MDS-Gutachter diese Defizite noch bei rund 37 Prozent der von ambulanten Pflegediensten betreuten Pflegebedürftigen und bei 41 Prozent der Pflegeheimbewohnern gefunden.

Liegen, bis Geschwüre wuchern

35,5 Prozent der Heimbewohner und 42,4 Prozent der Pflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden, werden nicht häufig genug umgebettet und liegen sich wund.

Unter Wundliegen (Dekubitus) versteht man Hautschäden, die insbesondere bei lang anhaltendem Liegen im Bett drohen. Das geschwächte Gewebe wird vom Schweiß angegriffen. Es entstehen eitrige, oft schmerzhafte Geschwüre.

Bei den pflegerischen Maßnahmen zur Vorbeugung von Druckgeschwüren erfüllten nach wie vor viele Einrichtungen nicht die notwendigen Anforderungen einer guten pflegerischen Arbeit, stellt der MDS-Bericht fest.

Mangelhafte Inkontinenzversorgung

Viele Pflegebedürftige benötigen Hilfe und Hilfsmittel beim Stuhlgang und beim Urinieren. Auch in dieser Hinsicht offenbart der MDS-Bericht gravierende Mängel: Für 15,5 Prozent der Heimbewohner und 21,5 Prozent der ambulant Versorgten gibt es keine angemessene Inkontinenzversorgung.

Gegenüber dem ersten Qualitätsbericht von 2003 lässt sich hier nur eine geringfügige Verbesserung der Versorgung feststellen. Damals waren 20,1 Prozent (Heim) bzw. 24,8 Prozent (ambulant) der Pflegebedürftigen als unzureichend versorgt eingestuft worden.

mw