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Puff-Skandal bei Bausparkasse Wüstenrot macht Schluss mit Luxusreisen


Deutschlands zweitgrößte Bausparkasse Wüstenrot greift nach einem Sex-Ausflug von Handelsvertretern in Brasilien durch. Belohnungsreisen wird es nicht mehr geben, zwei Aufpasser wurden suspendiert.

Der Sex-Skandal nach den Eskapaden von Handelsvetretern in Brasilien führt zu weitreichenden Veränderungen bei Wüstenrot. Das Belohnungssystem für die Mitarbeiter werde grundlegend überarbeitet, Reisen zur Belohnung werde es künftig nicht mehr geben, erklärte das Unternehmen. Zwei selbstständige Handelsvertreter, die auf dem Trip nach Rio de Janeiro auf ihre Kollegen aufpassen sollten, seien mit sofortiger Wirkung suspendiert worden. Bei allen Reisen der vergangenen drei Jahre werde untersucht, ob sich auch dort Handelsvertreter danebenbenommen hätten. Ergebnisse sollen spätestens Ende März vorliegen.

Damit reagierte das Unternehmen auf den Besuch mehrerer Vertriebskräfte in einer angeblich als Prostituiertenvermittlung bekannten Bar in der brasilianischen Metropole im Frühjahr 2010, über den das "Handelsblatt" berichtet hatte. Die Bausparkasse betonte, sie habe diesen Teil der Veranstaltung weder offiziell noch inoffiziell organisiert: "Wüstenrot hat keine Aktivitäten organisiert oder finanziert, die gegen die Verhaltensregeln des Unternehmens verstoßen." Es handele sich vielmehr offenbar um "individuelles Fehlverhalten" einzelner Mitarbeiter.

Besuch in Prostituierten-Bar

Rund 50 Handelsvertreter, die Wüstenrot-Produkte vertreiben, waren wegen guter Leistungen zu einer knapp einwöchigen Reise nach Rio eingeladen. Im Anschluss an eine Bustour durch die Stadt seien bis zu zwei Dutzend Teilnehmer auf eigene Faust in der Bar abgestiegen und hätten dort mit Prostituierten Kontakt aufgenommen, hieß es in Unternehmenskreisen unter Verweis auf eidesstattliche Versicherungen von Teilnehmern der Reise. Nach Bekanntwerden der Eskapade hatte Wüstenrot am Montag zunächst nur Auslandsreisen als Belohnung gestrichen.

Künftig will Wüstenrot seinen Außendienst anders finanziell und ideell bei der Stange halten. "Solche Anreizsysteme (...) sind nach Auffassung der Finanzdienstleistungs-Gruppe nicht mehr zeitgemäß", erklärte der Mutterkonzern W&W. Ein Sinneswandel: Am Montag hatte es noch geheißen, Reisen seien eine "erfolgreiche Form der Anerkennung, die in vielen Vertrieben als etabliertes Instrument genutzt werden".

Die Branche reagiert derzeit besonders sensibel: Im Frühjahr hatten Ausschweifungen bei einer Lustreise des zur Münchener Rück gehörenden Versicherers Ergo nach Budapest für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

Alexander Hübner/Reuters Reuters

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