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Randale in Hamburg: Polizei kontert Angriff mit Warnschüssen

In Hamburg startet das Wochenende mit der befürchteten Randale: Bei einer Gegendemo zu einem NDP-Aufmarsch fielen zwei Schüsse, Steine flogen, Barrikaden brannten. Die Hamburger kennen solche Szenen - am Samstag dürfte es mehr davon geben.

Nach zunächst friedlichen Protesten gegen einen Aufmarsch der rechtsextremistischen NPD ist es am Freitag in Hamburg zu Ausschreitungen gekommen. Linke Gegendemonstranten griffen Polizisten mit Steinen an und errichteten eine brennende Barrikade auf einer Hauptstraße in der Nähe des Versammlungsorts der Rechten im Stadtteil St. Georg. Ein Beamter gab nach Angaben eines Polizeisprechers einen Warnschuss aus seiner Dienstwaffe ab, als eine Gruppe seinen Streifenwagen angriff. Daraufhin seien die Angreifer geflüchtet, sagte der Sprecher. Später hieß es dann, ein Kollege aus dem selben Streifenwagen hätte ebenfalls einen Warnschuss abgegeben. Es gab mindestens sechs verletzte Polizisten und Festnahmen in zweistelliger Zahl.

Bis dahin war der Aufmarsch weitgehend friedlich. Unter dem Motto "Gesicht zeigen" versammelten sich nach Polizeiangaben rund 2700 Menschen zu zu einem Protestzug vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt. Daneben demonstrierten 500 teils allerdings gewaltbereite Gegendemonstranten nahe des Kundgebungsorts der Rechten vor den massiven Polizeisperren.

Am Samstag droht Links-Randale

Vorübergehend kam es dabei zu kleineren Konfrontationen zwischen linken Gegendemonstranten und der Polizei, als Beamte nach einem Böllerwurf vorsorglich eine nahe Straßenbrücke räumen ließen. Zudem wurden drei Teilnehmer der NPD-Demo bedrängt, als sie zu Fuß zu der Versammlung wollten. Der Polizeisprecher sprach von "einigen kleineren Einsätzen". Die Lage sei aber "absolut unter Kontrolle". Bisher sei ein Mensch festgenommen worden. Etwa 1400 Beamte aus mehreren Bundesländern waren im Einsatz.

Auf Seiten der Neonazis zählte die Polizei rund 90 Teilnehmer, die weitgehend unbemerkt von den Gegendemonstranten mit der Bahn zu der Kundgebung anreisten. Aus Sicherheitsgründen lenkte die Polizei die kleine Gruppe auf einen abgelegenen Parkplatz neben dem Bahnhof. Mit der Versammlung wollte die NPD gegen das für Samstag geplante alternative "Schanzenfest" im Hamburger Schanzenviertel demonstrieren. Dies wurde in der Vergangenheit von Autonomen zur Randale genutzt und eskalierte regelmäßig in großen Polizeieinsätzen mit Wasserwerfern. Einige Gastronomen schließen am Samstag vorsorglich ihre Bars und Restaurants in dem Viertel. Der Tag könnte in Hamburg weit mehr Schäden mit sich bringen als die Aktionen am Freitag. Bereits am 1. Mai war es im Schanzenviertel zu Ausschreitungen gekommen.

AP/DPA / AP / DPA