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Glosse

Garten: Mein Rasen macht mich rasend

Es ist wieder so weit. Die Gartensaison beginnt. stern-Autor Kester Schlenz hat einen ganz besonderen Feind: das Grün vor seinem Haus.

stern-Autor Kester Schlenz kämpft mit Heckenschere

"Ich mach euch kalt!" Schlenz kämpft mit Heckenschere

Draußen vor der Tür. Da wartet er. Mein Rasen. Es ist nämlich wieder so weit. Die Sonne kommt durch. Es wird wärmer. Alle Gartenbesitzer machen sich an die Arbeit. Auch ich. Aber ich arbeite nicht – ich kämpfe. Denn mein Rasen macht, was er will. Ich kann ihn nicht bändigen. Es war von Anfang an schwierig mit uns. Als wir unser Haus kauften, wuchs er wild und ungezähmt ums Gebäude herum. Mehr Wiese als Rasen. Grün und irgendwie provozierend vital. Als wir ihn das erste Mal kürzen wollten, musste eine grobe, gefährlich aussehende Maschine mit Doppelmesser-Mähbalken ran. Ein normaler Rasenmäher hatte zuvor tuckernd und strotzend seinen Geist aufgegeben. "Dich krieg ich klein, du grüne Sau", pöbelte ich - ob des kaputten Rasenmähers radikalisiert - und rückte dann mit dem Balken-Monster ran. Laut. Panzerbrechend. Benzingetrieben. Maximale Schnittgeschwindigkeit. Jeder Halm fiel. Nachdem ich unseren Rasen-Acker damit bearbeitet hatte, sah er aus wie ein riesiger, grüner Skinhead.

Der Rasen schlägt zurück

Aber wir hatten ein Schlacht gewonnen und nicht den Krieg. Der Rasen wuchs. Jedoch unregelmäßig. Fast kahle Stellen hier, dicke, grüne Büschel dort. "Mich dünkt, wir müssen düngen“, rief ich und bearbeitete die kahlen Stellen auf Anraten unseres bäuerlichen Nachbarn mit einer ausgefuchsten Mischung aus Gülle, Blutmehl, Harnstoff und Kalkammonsalpeter. Jetzt wuchs es an den kahlen Stellen. Die grünen Büschel aber verfärbten sich und wurden blass. Ein rasch herbeigerufener, rasender Experte schwankte diagnostisch zwischen "Schneeschimmel", "Wurzelhalsfäule", "Schwarzbeinigkeit" und  der gefürchteten "Dollarflecken-Krankheit". Er riet uns, abzuwarten und erst einmal gar nichts zu machen. So ein Rasen verfüge über beachtliche Selbstheilungskräfte.

Ich ließ ihn also in Ruhe. Und das war wohl auch der Plan unseres Rasens. Nach ein paar Wochen sah er wieder aus wie die wilde Wiese vom Beginn unserer Beziehung. Klarer Fall für einen erneuten Einsatz des brutalstmöglichen Balkenmähers. Zack und ab dafür. Doch die Antwort kam prompt. Unser Rasen verbündete sich mit Maulwürfen und Wühlmäusen, die das gemähte Grün in Windeseile in einen Acker aus Hügeln und unterirdischen Gängen verwandelten. Letztere waren besonders gemein, weil die Mäuse eine dünne Gras-Erdschicht oben stehen ließen, die beim Betreten durch Menschen einbrach und diese zu Fall oder zumindest zum Breakdancen brachte. Doch nichts half. Selbst der Einsatz von China-Böllern, die wir hektisch in frei gebuddelte Gangöffnungen warfen, führte zu keinem Mäuse- und Maulwurf-Exodus. Buttersäure auch nicht. Nur wir rochen streng.

Wir lassen das jetzt alles. Soll er wachsen, unser Rasen und Wohngemeinschaften mit kleinen Säugern bilden. Wir lassen jetzt Kinder in diesem wilden, ungezähmten Grün spielen. Sie lieben es. Sie bauen Höhlen und zelten dort. Manchmal sehen wir sie kaum noch inmitten der hüfthohen Halme. Bartmeisen bauen Nester. Hummeln brummen. Wölfe siedeln sich an. Herrlich, so ein Biotop.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.