HOME

Mehr rassistische Gewalt in Deutschland: Wenn Nazis im Netz gegen Flüchtlinge hetzen

Nicht nur die Zahl der Demos gegen Flüchtlinge und Asylunterkünfte nimmt zu. Auch Übergriffe mehren sich. Eine Chronik der Attacken zeigt: Rassistische Hetze im Netz endet mit realer Gewalt.

Die Zahl der Übrgriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte ist 2014 stark angestiegen.

Die Zahl der Übrgriffe auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte ist 2014 stark angestiegen.

Absolute Zahlen können täuschen. 86 Übergriffe wurden in diesem Jahr bisher vom Bundeskriminalamt gezählt, in denen Flüchtlinge oder deren Unterkünfte angegriffen wurden.

Vergleicht man diese Zahl aber mit den rassistischen Angriffen der Vorjahre wird deutlich, dass sich Deutschland gerade gefährlich verändert. 2012 waren es gerade einmal 24 Delikte, 2013 bereits 58. In diesem Jahr sind es mehr als in beiden Jahren zusammen.

Stetig steigende Flüchtlingszahlen

Zunächst: Die internationalen Krisen und Kriege haben die Asylantragszahlen deutlich steigen lassen. Im Jahr 2013 wurden über 109.000 Anträge in Deutschland gestellt - ein Anstieg von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Schon 2012 war die Zahl um 40 Prozent gestiegen. Besonders viele Flüchtlinge kommen aus Syrien.

Einen ähnlich starken Zustorm von Asylsuchenden gab es zuletzt in den 1990er Jahren durch den Konflikt auf dem Balkan. 1995 beantragten fast 167.000 Menschen Asyl, in diesem Jahr gingen zwischen Januar und Oktober bereits 158.000 Anträge ein. Daher wird die aktuelle Entwicklung gerne mit der damaligen vergleichen.

Hetze in sozialen Netzwerken

Allerdings hat sich einiges seit den 1990ern verändert. Vor allem die sozialen Netzwerke sind Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite ermöglichen sie Vernetzung von Helfern und Flüchtlingen. Dort kann man informieren, zu Spenden aufrufen, diskutieren. Auf der anderen Seite nutzen Neonazis und rassistische Bürgerinitiativen gerade Facebook für Hetze gegen Flüchtlinge. Vor allem die Aktionen "Nein zum Heim", die es in ganz Deutschland gibt, verbreiten sich über das Netzwerk. Die "Amadeu Antonio Stiftung" (AAS) hat eine Chronik der Übergriffe auf Flüchtlinge veröffentlicht. Facebook-Gruppen spielen als Hetz-Forum vor gewalttätigen Übergriffen eine wichtige Rolle. Dort rufen Nazis beispielsweise zu Brandanschlägen auf, die dann tatsächlich verübt werden. "Parteien wie NPD, Pro Deutschland und AfD instrumentalisieren die gestiegenen Asylantragszahlen für ihre Zwecke und verbreiten rassistische Polemik", sagt Timo Reinfrank, Geschäftsführer der "AAS" dem "Mediendienst-Integration"."In mehreren Fällen ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen solcher Hetze und gewalttätigen Übergriffen erkennbar", sagt Reinfrank.

Eine Übersichtskarte zeigt, wo in Deutschland Asylsuchende Opfer von Gewalt wurden. Bislang der einzige Hoffnungsschimmer: Im Saarland und in Bremen gab es in diesem Jahr keine Übergriffe. In ganz Deutschland erfasste die Stiftung 210 Demos gegen Ausländer. Das klingt für ein ganzes Land überschaubar, doch rein statistisch gehen jeden Tag im Jahr Menschen gegen Flüchtlinge auf die Straße. Absolute Zahlen können eben täuschen.

Katharina Grimm