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Ratgeber: Wie finde ich das passende Internat?

Die Auswahl ist riesig, das pädagogische Angebot breit gefächert. Hier eine kleine Anleitung für die Suche nach dem richtigen Internat.

1. Klären Sie Ihre Erwartungen:

Hartmut Ferenschild, Sprecher der 20 deutschen Landeserziehungsheime, empfiehlt: "Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Kind die Gründe notieren und gewichten, die für und gegen einen Internatsbesuch sprechen. Je klarer Befürchtungen und Erwartungen besprochen werden, desto zielstrebiger kann entschieden werden." Von den rund 180 Internaten in Deutschland hat knapp die Hälfte einen kirchlichen Träger, über 50 sind staatliche Schulen.

2. Hier finden Sie Informationen:

Viele Internate stellen sich mit Anzeigen in Zeitungen und im Internet vor, einige präsentieren sich auf speziellen Messen in Hotels. Diese werden von Vermittlern organisiert, meist kommerziellen Agenturen. Die Vermittlung ist für die Eltern in der Regel kostenlos, denn die Agenturen holen sich ihre Provision von den Internaten, mit denen sie Verträge abgeschlossen haben - was allerdings auch ihr Angebot beschränkt. Hartmut Ferenschild empfiehlt, zunächst Kontakt zu den vier Internatsverbänden aufzunehmen, da rund 95 Prozent aller Internate in ihnen organisiert sind. Die Verbände bieten auch individuelle Beratung an. Einen ersten guten Überblick bietet ebenso "Der große Internate- Führer" von Manfred Klemann und Silke Mäder, Unterwegs-Verlag, 12,50 Euro.

3. Besuchen Sie mehrere Internate:

Prospekte, Ratgeber und Internet können bei der Vorauswahl helfen - viel aufschlussreicher ist ein Gespräch mit einem Internatsleiter und den Schülern vor Ort. Sehen Sie sich deshalb frühzeitig drei bis vier Internate an, unbedingt gemeinsam mit dem Kind. Passt dieses Internat zu meinem Kind? Fühlt es sich wohl? Viele Internate bieten "Schnuppertage" an. Manche vermitteln auch Adressen von Eltern und ehemaligen Schülern. Auch wenn Sie vom pädagogischen Konzept und der landschaftlichen Lage begeistert sind: Ihr Kind wird dort leben - also sollte es bei der Entscheidung den Ausschlag geben.

4. Was es kostet:

Die Monatsbeiträge für Internatsschüler hängen sowohl vom Niveau des Angebots als auch vom Träger des Internats ab. Privatinternate mit Golfunterricht ab Klasse 6 oder personalintensivem pädagogischem Konzept verlangen monatlich bis zu 2500 Euro. Dazu kommen noch Nebenkosten, die sich auf bis zu 200 Euro belaufen können. Staatliche oder kirchliche Internate sind oft 1000 Euro und mehr günstiger und haben, wie zum Beispiel St. Blasien im Schwarzwald (1190 Euro) oder das Benediktinerkloster Ettal in Bayern (ab 575 Euro), einen hervorragenden Ruf. Die meisten Internate bieten Stipendien für begabte, leistungswillige und sozial kompetente Bewerber an - ihre Höhe hängt von der Finanzkraft der Eltern ab. Ein Stipendiatenplatz im Kloster Maulbronn kostet nur 250 Euro im Monat. Wer familiäre Probleme hat, wenig schulische Begabung und kein Geld, dem finanziert im Extremfall auch das Jugendamt als Alternative zum Heimplatz den Internatsaufenthalt.

5. Wie die Aufnahme läuft:

Bewerber um ein Stipendium werden nach ihren Zeugnisnoten, nach zusätzlichen Leistungstests und Gesprächen mit Psychologen oder dem Internatsleiter ausgewählt. Da die Internate um Schüler werben, ist davon auszugehen, dass Vollzahler auch ohne Tests einen Platz bekommen. Jedoch müssen auch sie sich Gesprächen mit der Internatsleitung und/oder Schulpsychologen stellen. Viele Internate nehmen auch während des Schuljahres Kinder auf, allerdings beschränkt sich das auf Notfälle.

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