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Rauchverbot auf der Reeperbahn: "Die Zigarette danach gehört dazu"

"Nichtrauchen auf dem Kiez ist wie Bayern ohne Berge." Auch auf der Reeperbahn gilt wohl bald ein Rauchverbot in Gaststätten. stern.de hat sich in Kneipen und Discos auf Deutschlands bekanntester Lust- und Partymeile umgehört - auch bei den Prostituierten.

Von Malte Arnsperger

Es ist noch hell, der Abend jung. Langsam schüttelt der Kiez in St.Pauli den Kater der vergangenen Nacht ab und bereitet sich auf eine neue lange Party vor. Die zwei Wasserstoffblondinen Monique und Ashlee stehen auf dem Hans-Alber-Platz, dem Epizentrum der Lust- und Feiermeile. Noch lassen sich nur wenige potentielle Freier blicken. Trotzdem - oder gerade deshalb - stehen sie fröhlich zusammen und quatschen. Die beiden Prostituierten ziehen genüsslich an ihren Glimmstengeln. In den umliegenden Kneipen wird das bald nicht mehr erlaubt sein, denn wohl ab Januar gilt auch auf der Reeperbahn ein Rauchverbot. "Dieses Verbot ist absolut scheiße. Man fühlt sich als Raucher kriminalisiert", sagt Monique und steckt sich die Zigarettenschachtel in die viel zu kleine Tasche der viel zu engen Hose. Kollegin Ashlee hat ihr Dauerlächeln abgelegt. Ihr hübsches Gesicht sieht geradezu nachdenklich aus. "Natürlich fürchten wir auch um unsere Kunden, denn wer will in rauchfreien Kneipen noch feiern gehen."

"Rauchverbot ist Utopie"

Die Theke im "Reitclub" ist hellbraun und speckig - auf zwei Metern Länge stehen hier fünf Aschenbecher. Dahinter steht Frederike, 55 Jahre alt, blonde Haare, Dauerwelle und zu viel Make-Up. Sie arbeitet seit 20 Jahren in der Gastronomie, seit vier im "Reitclub". Sie selber raucht nicht, aber stören tut sie der Qualm nicht. Frederike kennt ihre Gäste, 95 Prozent von ihnen rauchen, schätzt sie. "Die Leute, auch die Nichtraucher, wollen doch eine ordentliche Spelunke, wo Mucke läuft und ordentlich Rauch in der Luft ist. Wer das nicht will, soll doch in eine Saftbar gehen."

Am einzigen Tisch in der Bar sitzt Thomas. Der schwarzhaarige Mann mit der Jeansjacke ist Stammgast im Reitclub, einer typischen Spelunke direkt neben der Hurengasse, der Herbertstraße. Für Thomas ist es "Utopie, dass das Rauchverbot hier auf St. Pauli durchgesetzt wird". Kopfschüttelnd zündet sich der Mittdreißiger eine Zigarette an und nimmt einen Schluck aus der Flasche einer bekannten Hamburger Biermarke. An der Theke sitzt Paul und rollt sich mit konzentrierter Miene eine Zigarette. Er meint: "Das Rauchen auf dem Kiez zu verbieten, ist, wie die Berge in Bayern abzutragen."

Beim Thema Qualmen geht es auf dem Kiez schnell um grundsätzliche Lebenseinstellungen. Denn Rauchen in den vielen Bars gehört zur Reeperbahn wie die Leuchtreklame oder die käuflichen Liebesdienerinnen. Trotzdem will man in Hamburg knallhart bleiben. Egal ob Eckkneipe, Restaurant oder Disco: Ab 1. Januar - ursprünglich war sogar der 1.Oktober geplant - wird in der Hansestadt wohl eines der "bundesweit schärfsten Rauchverbote" (CDU-Gesundheitsexperte Harald Krüger) gelten. Endgültig abgenickt soll das Gesetz noch vor der Sommerpause. "Wir wollen einen wirklichen Paradigmenwechsel. Es wird nicht mehr darum gehen, dass die Nichtraucher sich ihre Nischen suchen müssen, Das Nichtrauchen soll zur allgemeinen Selbstverständlichkeit werden", sagt Hartmut Stienen, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Wer die Zigarette trotzdem nicht stecken lassen kann, dem drohen empfindliche Bußgelder: Dem widerspenstigen Gast im Wiederholungsfall bis zu 200 Euro, dem Wirt sogar 500 Euro.

Kritik vom Gaststättenverband

Genau das kann und will man sich auf dem Kiez nicht vorstellen. Barmann Kalle hat seine Kollegin Frederike abgelöst und zündet als erstes eine Fluppe an. "Ich habe Angst davor, wenn ich hier den betrunkenen Gästen, die sich nachts um vier Uhr eine Zigarette anzünden, das Rauchen verbieten soll. Da kann ich jedes Mal die Polizei holen." Das ist aber nicht seine einzige Sorge. Natürlich fürchtet er um seine Kundschaft. Denn in der kleinen Kneipe, kaum größer als ein Wohnzimmer, ist an einen Umbau und einen separaten Nichtraucherraum nicht zu denken.

Hier setzt auch die Kritik des Gaststättenverbandes Dehoga an. Ein generelles Rauchverbot werde vor allem für kleinere, getränkeorientierte Betriebe enorme wirtschaftliche Verluste zur Folge haben. Deshalb plädiert der Verband in einem Brief an den Wirtschaftssenator für Ausnahmen für diese Kneipen, in denen es nicht möglich ist, "eine Mauer quer durch die Theke zu ziehen".

An solch eine Trennung denkt auch in der Diskothek "Love" keiner. Zwar können in dem Club auf der berüchtigten "Großen Freiheit" bis zu 700 Menschen feiern, aber einen extra Nichtraucherbereich wird es nicht geben, sagt Geschäftsführer Stephane Mangin. Notgedrungen werde das "Love" eben bald eine qualmfreie Disco werden. Begeistert seien seine Gäste davon nicht, berichtet Mangin. "Für das Business ist es sicher scheiße", meint er erst. Dann denkt er nach und sagt: "Aber ich kann ich mir nicht vorstellen, dass die Leute deshalb nicht mehr zum Feiern kommen." Das bestätigt Partygast Josef, 29-Jähriger Raucher. "Ich finde das Verbot gut. Wenn ich rauchen will, dann gehe ich halt nach draußen. Und ohne Rauch es ist doch viel angenehmer, die Luft ist einfach besser."

Davon will man im Reitclub, nichts hören. "Man nimmt uns mit dem Verbot die Gemütlichkeit in der Kneipe", brummt Thomas und zündet sich seine nächste Zigarette an. Während aus der Musik-Box "Cheri Cheri Lady" schallt, philosophieren draußen die beiden Blondinen über die Qualmerei. Ashlee meint: "Die Zigarette danach gehört doch einfach dazu - nach dem Essen in der Gaststätte meine ich natürlich."

Mitarbeit: Niels Kruse
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(