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Reformen nach Mitgliederschwund: Kirche will Missbrauchsfälle untersuchen lassen

In Mannheim diskutierten Delegierte der Katholischen Kirche mögliche Reformen. Mit einer detaillierten Untersuchung zum sexuellen Missbrauch durch Priester und Ordensleute will die Institution in Deutschland Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.

Die Katholische Kirche kämpft weiter mit ihrem Image-Problem. Nach dem Skandal um die Missbrauchsfälle im Januar vergangenen Jahres, verlor sie 2010 etwa 180.000 Mitglieder. Auch viele Priester legten in Folge ihr Amt nieder. Daher wird nun von Reformen gesprochen, die Missbrauchsfälle sollen einem Medienbericht zufolge systematisch aufgearbeitet werden.

Zum Auftakt des Dialogprozesses der Katholischen Kirche in Mannheim sollten Möglichkeiten für Reformen diskutiert werden. Rund 300 Deligierte aus den 27 Diözesen kamen am Freitag dafür zusammen. Strittige Themen wie die Abschaffung des Zölibats, die Priesterweihe für Frauen oder Homo-Ehe wurden dabei jedoch nur am Rande angesprochen. Kritische Basisgruppen wie "Kirche von unten" waren nicht eingeladen. Auch konservative Vertreter wie der Kölner Kardinal Joachim Meisner, blieben der Veranstaltung fern. Positiv wurde jedoch gewertet, dass die Ergebnisse der Auftaktveranstaltung nicht wie ursprünglich geplant nur von den Bischöfen vorgetragen wurden, sondern auch Laien mitdiskutierten.

Während Basisgruppen auf schnelle Änderungen drängen und ans Eingemachte gehen wollen - etwa mit der Abschaffung des Zölibats und einer Aufnahme von Frauen ins Priesteramt - sucht die Kirchenleitung ihr Heil im Grundsätzlichen. Die entscheidenden Probleme seien nicht Zölibat oder katholische Sexualmoral, verkündete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch vor der Versammlung im Deutschlandradio Kultur. "Die Gottesfrage ist die entscheidende Frage." Die Ergebnisse der Ausftaktveranstaltung sollen bis zur Bischofkonferenz im Herbst ausgewertet sein.

Zusammenarbeit mit Kriminologen geplant

Die Kirche plant anscheinend außerdem die Missbrauchsfälle von Geistlichen systematisch aufarbeiten zu lassen. Gemeinsam mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen sollen Kirchenmitarbeiter die Personalakten der vergangenen zehn Jahre in 18 der insgesamt 27 deutschen Diözesen auf Hinweise für Missbrauch und dessen Vertuschung untersuchen, berichtete der "Spiegel". In neun Diözesen sollten sogar die Personalakten seit 1945 durchforstet werden. Dies habe die Deutsche Bischofskonferenz bereits am 20. Juni einstimmig beschlossen.

Mit der Studie will die Bischofskonferenz ermitteln, unter welchen Umständen es zu den Taten gekommen ist, wie die Kirche damit in der Vergangenheit umgegangen ist und welche Schlüsse sich ziehen lassen, um neue Fälle zu verhindern. In einer weiteren Studie werde eine Psychiatergruppe um den bekannten Essener Gerichtsgutachter Norbert Leygraf eine Auswertung von rund 50 Fällen vorlegen, in denen Priester und Ordensleute unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs vor Gericht standen und dafür psychiatrisch untersucht wurden. Die deutschen Bischöfe wollten die Details der auf drei Jahre angelegten Untersuchung in der kommenden Woche vorstllen.

liri/DPA/AFP / DPA
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