HOME

Rekord-Jackpot: Lotto-Annahmestellen haben länger offen

Es ist der höchste Jackpot in der deutschen Lottogeschichte: 35 Millionen gilt es heute zu gewinnen. Kein Wunder, dass sich lange Schlangen vor den Annahmestellen bilden. Einzelne Geschäftsinhaber haben länger offen.

Deutschlands "Glücksjäger" im Lotto-Rausch: Der mit rund 35 Millionen Euro bislang höchste Jackpot in der deutschen Lotto-Geschichte hat am Samstag die Mitarbeiter in den Annahmestellen gehörig ins Schwitzen gebracht. "Die Leute stehen dicht gedrängt", sagte etwa Katrin Pape vom Lotto-Lädchen in Magdeburg der dpa. Und Markus Ost, Mitarbeiter einer Annahmestelle in Halle/Saale, meinte: "Man hält es kaum noch durch. Ein Tippschein nach dem nächsten." Sogar aus den Nachbarländern kommen die Spieler - wenn auch beispielsweise die Dänen in Flensburg nicht in Scharen ihre Kreuzchen machten.

Der Rekordjackpot wird nach "vorsichtigen Schätzungen" der federführenden Land Brandenburg Lotto GmbH bundesweit für ein Umsatzplus von fünf bis sechs Prozent im Vergleich zur Vorwoche sorgen. Dies wäre ein Gesamteinsatz von rund 100 Millionen Euro. "Von dem bisherigen Rekordeinsatz ist dies aber noch weit entfernt", sagte Lotto-Sprecherin Kristin Lehmann. Dieser lag vor einer Ziehung im Jahr 1994 bei umgerechnet 176,6 Millionen Euro.

Allerdings könnten die Zuwächse bei den Einsätzen vor dieser Samstagsziehung tatsächlich deutlich höher als prognostiziert sein - so meldete Lehmann für Brandenburg bis zum Samstagmittag ein Plus von 40 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. "Das lässt sich aber nicht auf die anderen Länder übertragen", betonte sie. Zwar sei in Brandenburg "ordentlich viel los in den Annahmestellen" - "von Hysterie ist aber keine Spur". Auch einige Berliner Lotto-Läden meldeten Umsatzzuwächse von 20 bis 30 Prozent.

Extra Arbeitskräfte eingestellt

Vorsorglich hatten die Annahmestellen in Deutschland Millionen zusätzliche Scheine geordert, und einige setzten Extra-Kräfte ein. Sie hatten geahnt, dass sie an diesem Samstag Scheine im Akkord vorgelegt bekommen. "Es ist Wahnsinn, was hier los ist", hieß es etwa in Halberstadt (Sachsen-Anhalt). "Wir kommen kaum nach", meinte auch eine Mitarbeiterin im Lotto-Laden im Berliner Hauptbahnhof. Und in die Berliner Gropius Passagen kamen "wahre Menschenmassen".

Den Umsatz einer Woche an einem Tag

In Mecklenburg-Vorpommern verlängerten zahlreiche Annahmestellen wegen des Ansturms praktisch noch in letzter Minute ihre Öffnungszeiten. In Hessen hatten bis zum Samstagmittag bereits doppelt so viele Spieler wie üblich ihren Tippschein abgegeben, wie die Sprecherin von Hessen Lotto, Helga Hinrichs, sagte. Auch in Bayerns Lotto-Läden ging es hoch her. "Letzten Mittwoch habe ich an einem Tag den Umsatz einer normalen Woche gemacht. Heute hoffe ich noch auf viel mehr", sagte Franziska Mrzyglod, die die Annahmestelle unter dem Münchner Stachus betreibt.

Während Millionen von Lottospielern derzeit von den Möglichkeiten träumen, die sich mit einem solchen Mega-Gewinn eröffnen würden, ist der Jackpot einigen durchaus unheimlich. "Die 35 Millionen finde ich eigentlich zu viel. Mit mehreren kleinen Preisen könnte man doch viel mehr Leute glücklich machen", meinte die 63-jährige Münchner Rentnerin Helga Maier.

Lotto-Sucht wurde lange unterschätzt

Experten wiesen derweil auf das hohe Suchtpotenzial beim Lotto- Spiel hin. "Es kann wie alle anderen Glücksspiele als inadäquater Mechanismus zur Stressverarbeitung und Gefühlsregulierung eingesetzt werden", sagte die Leiterin der Interdisziplinären Suchtforschungsgruppe der Berliner Charité, Sabine Grüsser. Wer nur ein Mal tippe, sei zwar nicht sofort gefährdet. "Aber ein so hoher Jackpot, wie es ihn derzeit gibt, ist auch ein besonders hoher Anreiz, sein Glück doch einmal zu versuchen." Den meisten sei dabei unklar, "dass ihnen unter gewissen Umständen die Kontrolle über das Spiel verloren gehen kann".

DPA / DPA