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Rekord-Jackpot: Schlangen an Lotto-Annahmestellen

Es ist der höchste Jackpot in der deutschen Lottogeschichte: 35 Millionen gilt es heute zu gewinnen. Kein Wunder, dass sich lange Schlangen vor den Annahmestellen bilden. Experten warnen vor der Gefahr einer "Lotto-Sucht".

"Wir haben alle Hände voll zu tun", sagte Birgit Hartmann vom Lotto-Laden im Berliner Hauptbahnhof. In den Berliner Gropius Passagen hieß es: "Der Andrang wird immer größer, vor allem für den Nachmittag erwarten wir wahre Menschenmassen." Viele Lotto-Annahmestellen in Deutschland haben vorsorglich zusätzliche Scheine geordert und sogar extra Kräfte eingesetzt.

Nach "vorsichtiger Schätzung" rechnet die derzeit federführende Land Brandenburg Lotto GmbH mit einem bundesweiten Einsatz von etwa 100 Millionen Euro und damit einem Plus von fünf bis sechs Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Hört man sich in den Annahmestellen um, dürften die Zuwächse allerdings deutlich höher liegen. So meinte Hartmann: "Wir haben bestimmt 20 bis 30 Prozent mehr als vor der vergangenen Samstagsziehung."

Hoher Anreiz, sein Glück zu versuchen

Auch Leute, die sonst nie Lotto spielen, treibt die Aussicht auf den gigantischen Gewinn in die Annahmenstellen. Doch Lotto-Spielen ist nicht ganz ungefährlich. Nach Ansicht einer Suchtexpertin der Berliner Charité birgt es ein hohes Suchtpotenzial. "Es kann wie alle anderen Glücksspiele als inadäquater Mechanismus zur Stressverarbeitung und Gefühlsregulierung eingesetzt werden", sagt die Leiterin der Interdisziplinären Suchtforschungsgruppe der Charité, Sabine Grüsser. Wer nur ein Mal tippe, sei zwar nicht sofort gefährdet. "Aber ein so hoher Jackpot, wie es ihn derzeit gibt, ist auch ein besonders hoher Anreiz, sein Glück doch einmal zu versuchen."

Nicht als Sucht erkannt worden

Jahrelang wäre die Sucht in Deutschland nicht anerkannt worden, sagt Grüsser. Das liege daran, dass Lotto das verbreitetste und beliebteste Glücksspiel Deutschlands sei. Viele Menschen nähmen an, dass Lotto-Spielen die einzige Möglichkeit sei, mit relativ geringem Einsatz schnell zu viel Geld zu kommen. "Dabei ist den meisten aber unklar, dass ihnen unter gewissen Umständen die Kontrolle über das Spiel verloren gehen kann", so die Medizinpsychologin.

"In den meisten Fällen spielen die Menschen jahrelang Lotto, ohne süchtig zu werden", sagt Grüsser. "Das kann dann aber bei einschneidenden Erlebnissen wie beispielsweise der Pensionierung in eine Abhängigkeit umschlagen." Dann werde das Lotto-Spielen zweckentfremdet. "Dabei kann zum Beispiel auch die eventuell vorhandene Lücke an Zuwendung und Aufmerksamkeit durch den Kontakt zu den Menschen in den Annahmestellen gefüllt werden", so Grüsser. "Außerdem haben wir in einer Studie festgestellt, dass auch die Ziehung der Lotto-Zahlen wie ein besonderer Kick wirken kann, auf den man immer wieder hinlebt." In diesen Fällen versuchen Suchtexperten, den Betroffenen mit Informationen und Beratung zu helfen.

DPA/KBU / DPA