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Religionsstreit in Malaysia: Gericht verbietet Christen Gott "Allah" zu nennen

Das Wort "Allah" für Gott ist in Malaysia allein Muslimen vorbehalten. Dies entschied ein Gericht in letzter Instanz. Christen reagierten enttäuscht, der Gebrauch des Wortes sei traditionell üblich.

Vor dem Gericht brach nach der Entscheidung Jubel aus

Vor dem Gericht brach nach der Entscheidung Jubel aus

In Malaysia dürfen Christen das Wort "Allah" als Bezeichnung für "Gott" nicht mehr verwenden. Das Oberste Gericht in der Verwaltungshauptstadt Putrajaya bestätigte am Montag in letzter Instanz ein entsprechendes Verbot und beendete damit einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen der malaysischen Regierung und der katholischen Kirche. Vor dem Gerichtsgebäude brachen hundert muslimische Aktivisten in Jubel aus und riefen "Allahu Akbar" (Gott ist groß).

Die Entscheidung war denkbar knapp: Vier der sieben Richter folgten dem Antrag der Regierungsbehörden. In einer ersten Reaktion kritisierten Vertreter der katholischen Kirche auf "heraldmalaysia.com", dass das Gericht nicht ausreichend auf die Rechte von Minderheiten eingegangen sei. Knapp zehn Prozent der etwa 28 Millionen Einwohner sind Christen. Muslime machen rund 60 Prozent der Bevölkerung aus.

Die Regierung hatte der katholischen Zeitung "Herald" im Jahr 2007 verboten, das arabische Wort "Allah" als Bezeichnung für "Gott" in ihrer malaysischsprachigen Ausgabe zu verwenden. Dies ist in der Landessprache seit jeher so üblich. Die malaysischen Behörden argumentierten, die Zeitung könne Muslime verwirren, wenn sie "Allah" als Synonym für "Gott" verwendet. Religion und Sprache sind im Vielvölkerstaat Malaysia heikle Themen.

Schlechte Noten für die Pressefreiheit

Im Jahr 2009 gab ein Gericht zunächst der Zeitung Recht, im vergangenen Oktober setzte ein Berufungsgericht das Verbot aber wieder in Kraft. Die Verwendung des Begriffs "Allah" sei kein integraler Bestandteil des christlichen Glaubens, hieß es damals.

Die Anwälte der katholischen Kirche würden nun abwägen, ob sie die Entscheidung anfechten werden, sagte Vater Laurence Andrew. Dies ist nicht der einzige Streit, den die Zeitung mit Regierungsbehörden hat. Anfang Juli könnte ein weiterer Fall vor Gericht landen. Im vergangenen Herbst haben Behörden im malysischen Teil Borneos 2000 Ausgaben des katholischen "Herald" konfisziert. Reporter ohne Grenzen schätzt die Pressefreiheit in dem südostasiatischen Staat schlecht ein. Laut dem aktuellen Index der Organisation befindet sich Malaysia auf Platz 147 von 180.

ono/AFP/DPA / DPA
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