Rosenmontag Nicht alle fanden's zum Lachen


Die traditionellen Motivwagen nahmen bei den Rosenmontagsumzügen wieder verschiedene Personen der Zeitgeschichte und Missstände der Welt aufs Korn. Ein Wagen sorgte für Missstimmung beim Zentralrat der Muslime.

Weit über drei Millionen Narren haben sich am Rosenmontag von den Karnevalszügen in Köln, Düsseldorf, Mainz und anderen Städten begeistern lassen. Auch Kälte und grauer Himmel konnten ihnen die Laune nicht verderben. "Das ist großer europäischer Karneval, für alle Menschen aus allen Ländern", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Köln.

Besonders politisch waren wieder die Motivwagen in Düsseldorf. So zeigte ein Wagen zwei bis an die Zähne bewaffnete Mullahs. Beide sahen gleich aus, nur vor einem stand "Klischee", vor dem anderen "Wirklichkeit". Aiman A. Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), kritisierte diese Darstellung: "Mit Humor hat das nichts zu tun", sagte er in Köln.

Auf einem anderen Düsseldorfer Wagen fuhr Adolf Hitler mit heruntergelassener Hose mit und schied die NPD als stinkende Nachgeburt aus. Auch sonst zeigten die Düsseldorfer Biss. Um den Hals von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte sich der Bart des unter falschem Terrorverdacht im US-Gefangenenlager Guantànamo inhaftierten Murat Kurnaz als Schlinge zusammengezogen. Auf einem Wagen roch US-Präsident George W. Bush beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an der "Achsel des Bösen".

In Mainz bekam Bush von der Freiheitsstatue den blanken Hintern versohlt. Der scheidende bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) griff nach seinem Hut an der Garderobe, während ihn von hinten ein roter Schuh trat - eine Anspielung auf die Fürther Landrätin Gabriele Pauli.

Köln eher zahm

Die Kölner Wagen fielen eher zahm aus. Angela Merkel (CDU) im schwarz-rot-goldenen Badeanzug musste Mehrwertsteuerhai, Abgabekrokodil und Reformkrake bändigen. Zugleich feuerte sie den Deutschen Michel an, sich in die Fluten zu stürzen und Franz Müntefering (SPD) kassierte für das zweifelhafte Badevergnügen noch ab.

Unter dem Motto "Mir all sin Kölle" ("Wir alle sind Köln") schlängelte sich der "Zoch" mit 99 Wagen, 124 Musikkapellen und 440 Pferden durch die Innenstadt. Einer der Zuschauer war "Tagesthemen"- Moderator Tom Buhrow, der morgens mit dem ersten Zug aus Hamburg in die Domstadt gefahren war: "Ich habe seit Weiberfastnacht so'n Heimweh nach Köln gehabt", sagte der gebürtige Rheinländer.

Allein in Köln wurde die Zahl der Zuschauer auf über eine Million geschätzt. Aber auch im Ruhrgebiet feierte insgesamt rund eine Million Narren auf den Straßen. Polizei und Hilfsdienste in Nordrhein-Westfalen meldeten bis zum Abend keine besonderen Vorkommnisse. In Mainz rückten die Helfer bis kurz vor Ende des Umzugs 180 Mal zu Einsätzen aus. 54 Narren mussten mit Schnittverletzungen oder wegen des Verdachts auf Alkoholvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden - immerhin weniger als im letzten Jahr.

"Rottweiler Fasnet" bei Frühlingstemperaturen

Während der Himmel über dem Rhein durchweg trübe war, konnten sich die Narren in Baden-Württemberg über frühlingshaftes Wetter freuen. Ein Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht hatte schon am frühen Morgen tausende Zuschauer angelockt: In Rottweil zogen Narren in historischen Kleidern durch die Altstadt. Die "Rottweiler Fasnet" hat eine jahrhundertealte Tradition.

Mit bunten Paraden feierten Sachsen-Anhalts Narren in Köthen. Immer wieder ertönte der Karnevalschlachtruf "Ku-Ka-Kö". In Halle zogen rund 100 Wagen samt Laufgruppen zum Markt. Unter dem Motto: "Mir sinn in Latschen da... !" hatten die Narren in der Saalestadt schon am Sonntag den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft: 444 Teilnehmer hatten auf dem Marktplatz eine Polonaise getanzt.

Mit einer bunten Kostümparade und Theaterstücken im Stil der Commedia dell'Arte ging am Rosenmontag der Karneval in Venedig in die letzte Runde. Die schönste Maske trug in diesem Jahr eine Deutsche: Tanja Schulz aus Hamburg wurde für ihr originelles Outfit, das einen Heißluftballon darstellte, ausgezeichnet.

Rio und New Orleans im Ausnahmezustand

In Rio sorgten mehr als 4.000 Tänzer mit einem farbenprächtigen Spektakel für Stimmung. Hunderttausende Schaulustige verfolgten bis in die Morgenstunden die traditionelle Samba-Parade im Stadion Sambodrom. Mehr als ein Dutzend Gruppen tanzte dort vor den Augen einer strengen Jury um die beste Platzierung. Eröffnet wurde die Parade am Sonntagabend von "Estàcio de Sà", der ältesten Samba-Gruppe der Stadt. Für die jeweils 80 Minuten langen Shows geben die Teams oft mehr als eine Million Euro aus. In der amerikanischen Karnevalshochburg New Orleans konnten selbst frostige Temperaturen den Paraden-Trubel nicht bremsen. Die Stadt fieberte am Sonntag mit gleich mehreren Umzügen dem Saisonhöhe- und Schlusspunkt an Mardi Gras, dem "Fetten Dienstag", entgegen. Zum Karneval in New Orleans wurden diesmal erneut etwa 700.000 Besucher erwartet. Vor dem Hurrikan "Katrina" im August 2005 waren jedes Jahr noch rund eine Million Menschen in die Stadt im Süden der USA geströmt.

DPA/AP AP DPA

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