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Royaler Einsatz in Afghanistan: Wie Prinz Harry sich um Kopf und Kragen redete

Prinz Harry ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Für seine flapsigen Äußerungen zum Kriegseinsatz in Afghanistan muss er nun viel Kritik einstecken.

Es war eine wohldurchdachte PR-Aktion. Der Prinz im Kriegsgebiet. Einer von vielen, der an der Front kämpft. So sollte der Afghanistaneinsatz von Prinz Harry, in der Öffentlichkeit rüberkommen. Es wurden harmlose Bilder geschossen. Sie zeigen einen lächelnden Prinzen in Kampfmontur, einen lustigen Prinzen mit Weihnachtsmütze und einen fleißigen Prinzen, der die Küche schrubbt. Dazu gab der 28-Jährige Fernsehinterviews. Beides wurde erst jetzt, nach der sicheren Rückkehr des Prinzen, veröffentlicht.

Die Fotoaufnahmen konnten Harrys Berater gezielt inszenieren. Was der 28-Jährige jedoch vor den Fernsehkameras erzählte, ließ sich offenbar nur bedingt steuern. Der Prinz ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt und sagt, was er denkt. So bezeichnete Harry seinen Kriegseinsatz als "fantastisch", sprach von "Spaß" und betonte die "einmaligen Erfahrungen". Komplett um Kopf und Kragen redete sich der Prinz, als er seine hervorragande Schusstechnik mit seiner Vorliebe für Playstationspiele erklärte. "Ich glaube, meine Daumen können ganz nützlich sein", sagte Harry der BBC. Und weiter: "Jeder hat eine bestimmte Menge an Munition abgeschossen. Wenn da Leute sind, die unseren Jungs etwas Böses wollen, dann schalten wir sie aus."

Der Krieg als Videospiel - so klingt Harrys Umschreibung der Geschehnisse in Afghanistan. Eine Tatsache, für die der Enkel der Queen nun scharf kritisiert wird. "Prinz Harry mag ein Captain sein, aber ist kein Comic-Held", schreibt etwa der "Guardian". Lindsey German, Sprecherin der britischen Anti-Kriegs-Organisation "Stop the War Coalition", kritisiert Harrys Äußerungen als "krass". Immerhin könne er nicht wissen, ob er auch Zivilisten getötet habe. "Diese arrogante und taktlose Einstellung, Menschen in Afghanistan zu töten, egal, wer sie sind, wird nicht die Herzen der Menschen gewinnen."

Mehrere hochrangige Ex-Militärs wiesen zudem daraufhin, dass sich der Prinz mit seiner lockeren Schilderung der Kriegsgeschehnisse und dem Eingeständnis, Menschen getötet zu haben, selbst angreifbar gemacht habe. "Aus Sicherheitsgründen war es ziemlich dumm von Prinz Harry, sich so ins Gespräch zu bringen", sagte Dai Davies, Ex-Sicherheitschef der Royals, der "Daily Mail". "Er ist ein junger, tapferer Mann. Er war ehrlich. Vielleicht ehrlicher als es dem Palast lieb ist", sagte Labour-Politiker Jim Murphy dem "Telegraph". Harry war bereits im Winter 2008 am Hindukusch stationiert. Der Einsatz musste jedoch vorzeitig abgebrochen werden, weil sein Aufenthaltsort bekannt und er somit zur Zielscheibe der Taliban geworden war. Auch jetzt droht Zabiullah Mujahid, selbst ernannter Sprecher der Terrorgruppe, den Prinzen zu töten, weil er den Krieg mit einem Videospiel gleichgesetzt habe.

So offen wie Harry hat noch kein Mitglied des britischen Königshauses über einen Militäreinsatz geredet. Harrys Bruder William und sein Vater Charles, die beide eine Militärlaufbahn absolviert haben, kamen aus Sicherheitsgründen bisher nur fernab der Front zum Einsatz. Harrys Onkel, Prinz Andrew, griff dagegen aktiv ins Kriegsgeschehen ein. 1982 diente er während des Falklandkrieges mehrere Monate als Hubschrauberpilot. Verloren hat er darüber nie ein Wort.

jum