HOME

Rückblick 2010: Als Schweinsteiger Argentinien vernaschte

Die Fußball-WM in Südafrika war das Highlight des Sportjahres 2010. Das Turnier schrieb viele Geschichten. Aber eine bekommt unser Sportredakteur einfach nicht aus seinem Kopf.

Von Klaus Bellstedt

Es gibt diese Moment, wenn in einem ausverkauften Fußballstadion eine merkwürdige Stille herrscht. Die Leute unterhalten sich dann mit ihrem Sitznachbarn und versuchen Worte für das zu finden, was auf dem Platz gerade passiert ist.

Im "Green Point Stadium" von Kapstadt gab es diesen Moment am Nachmittag des 3. Juli 2010 gleich mehrfach. Auch ich traute meinen Augen nicht. Hatte Gänsehaut. Die deutsche Mannschaft zerlegte gerade Argentinien auf eine Art und Weise, wie ich es zuvor von einer DFB-Auswahl noch nie gesehen hatte.

Im Stile von Lionel Messi

1:0 Müller. 2:0 Klose. Wo würde das enden? Es endete nie. Es wurde immer besser. Und über allem stand Bastian Schweinsteiger. Er war das Scharnier im Spiel der Deutschen, er forderte den Ball, nahm Tempo auf, wenn es der Platz denn erlaubte, und trat auf den Ball, wenn es hektisch wurde. Gegen Argentinien ermöglichte er den Kollegen so auch immer wieder Phasen der Orientierung. Wenn Schweinsteiger es wollte, stand alles still im "Green Point Stadium".

Und dann erst das 3:0 - mein ganz persönlicher WM-Moment: Es lief die 74. Minute, als sich Bastian Schweinsteiger im Stile von Lionel Messi anschickte, die halbe argentinische Hintermannschaft mit Körpertäuschungen, Dribblings und angedeuteten Pässen zu narren, um dann den tödlichen Pass zu spielen, den Arne Friedrich dankbar verwertete. Am Ende stand es sogar 4:0 für Deutschland - und ich war stumm vor Bewunderung.

Unvergessliche Schweini-Show

Schweinsteiger, an diesem milden Winterabend in Kapstadt in weißen Schuhen unterwegs, war gegen Argentinien der bessere Messi. Als ich meinen Platz auf der Pressetribüne verließ, wurde mir erstmals bewusst, dass Deutschland vielleicht Weltmeister werden kann.

Dass es am Ende doch "nur" der dritte Platz wurde, hatte weniger mit Bastian Schweinsteiger zu tun. Es lag vielmehr am deutschen Halbfinal-Gegner. Spanien spielte in Südafrika Fußball wie von einem anderen Stern. So wie Schweinsteiger im Viertelfinale gegen Argentinien. Diese Schweini-Show werde ich nie vergessen.