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Rücktritt von Benedikt XVI.: Oberster Exorzist lobt Papst

Nicht alle Kirchenvertreter loben Benedikt XVI. so vollmundig wie der römische Chefexorzist: Der Papst habe die Front im Kampf gegen den Satan gestärkt. Der Vatikan hat derweil weltliche Probleme.

Nach der historischen Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. will der Vatikan die Wahl eines Nachfolgers beschleunigen. Wegen der besonderen Umstände könnte das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes bereits vor dem 15. März beginnen, kündigte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom an. Die eigentlich vorgesehene Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz ("leerer Stuhl Petri") dient normalerweise dazu, dass die wahlberechtigten Kardinäle genügend Zeit haben, um aus aller Welt nach Rom zu reisen. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte 1996 in der apostolischen Verfassung "Universi dominici gregis" festgelegt, dass das Konklave aus 117 Kardinälen bestehen soll. In dem Text heißt es, ab dem Tag, an dem der Papststuhl vakant sei, müssten die bereits im Vatikan versammelten Kardinäle "volle 15 Tage" auf die abwesenden Kardinäle warten.

Benedikt will am 28. Februar zurücktreten - ein Schritt, den es in der Neuzeit noch nicht gegeben hat. Da sich die Kardinäle nach dieser Ankündigung aber entsprechend vorbereiten könnten, sei es möglich, den Beginn des Konklaves vorzuziehen, sagte Lombardi weiter. Die kirchenrechtlichen Vorschriften zur Wahl eines neuen Papstes könnten so interpretiert werden. Unmittelbar nach dem Rücktritt von Benedikt hatte es geheißen, bis Ostern solle es ein neues Kirchenoberhaupt geben.

Lob vom Chefexorzisten

Der römische Chefexorzist Gabriel Amorth hat den Einsatz des scheidenden Papsts Benedikt XVI. für Anliegen der Teufelsaustreiber gewürdigt. Bei einer Audienz habe das Oberhaupt der katholischen Kirche "Exorzisten aus aller Welt" empfangen und ihnen "große Ermutigung" gegeben, sagte Amorth am späten Freitag im religiösen italienischen Fernsehsender TV2000. So habe Benedikt XVI. "wirkungsvolle Gebete zur Teufelsaustreibung geschenkt".

Bereits vor seiner Wahl zum Papst habe Kardinal Joseph Ratzinger die katholische Kirche so reformiert, dass "die Front im Kampf gegen Satan" gestärkt worden sei, sagte Amorth, oberster Exorzist der Diözese Rom, deren Bischof der Papst ist. Dies gelte "nicht nur mit Blick auf Teufelsbesessenheit von Menschen, sondern auf alle Fälle von durch den Teufel verursachten Störungen".

Fälle vollständiger Besessenheit seien zwar selten, er habe aber Opfer des Teufels "auf Mauern laufen und wie Schlangen über den Boden gleiten" sehen, sagte Amorth. Durch den Teufel verursachte Störungen seien hingegen inzwischen "sehr verbreitet". Amorth hatte in der Vergangenheit etwa die Missbrauchsfälle und die Zerstrittenheit in der Kirche auf den Teufel zurückgeführt.

Vorletzte Angelus-Gebet am Sonntag

Italiens Hauptstadt Rom bereitet sich derweil für das an diesem Sonntag (12 Uhr) anstehende vorletzte Angelus-Gebet mit dem Papst auf dem Petersplatz vor. Dazu werden mehr als 100.000 Menschen erwartet.

Das Gebet, das der Papst traditionell vom Fenster seines Arbeitszimmers aus mit allen Pilgern auf dem Petersplatz betet, ist auch ein erster wichtiger Test für die Behörden in Rom. Rund 1000 Einsatzkräfte sollen am Sonntag für die Sicherheit von Gläubigen, Touristen und Schaulustigen sorgen, wie die römische Zeitung "Il Messaggero" berichtete. Straßen rund um den Kirchenstaat werden für den Verkehr gesperrt.

Am Samstagmittag empfing Benedikt den Präsidenten von Guatemala, Otto Fernando Pérez Molina. Am Abend stand eine Privataudienz für Italiens Ministerpräsidenten Mario Monti auf dem Programm. Vatikansprecher Lombardi bestätigte die verbleibenden Termine des Papstes: So stehe die kommenden Woche ganz im Zeichen der Fastenexerzitien der Kurie, in der es traditionell keine öffentlichen Auftritte, Gottesdienste und auch keine Generalaudienz gibt.

Rückzug mit dem Hubschrauber

Nach einem letzten Angelus-Gebet am 24. Februar und einer letzten Generalaudienz am Tag vor dem Rücktritt ist geplant, dass der Papst am 28. Februar gegen 17 Uhr mit dem Hubschrauber nach Castel Gandolfo fliegt, ehe er um 20 Uhr sein Amt niederlegen will. Dann beginnt die Sedisvakanz. In der päpstlichen Sommerresidenz vor den Toren Roms will Benedikt etwa zwei Monate bleiben, wie Lombardi am Samstag ankündigte. Dann kehrt er wie geplant in den Vatikan zurück, um in ein Kloster zu ziehen.

Erschöpfung schon im Sommer signalisiert

Nach Angaben seines Biografen hat Benedikt seine Erschöpfung bereits vor längerer Zeit eingeräumt. Für ein neues Buch über den Papst habe der Journalist Peter Seewald das Kirchenoberhaupt in den vergangenen Monaten mehrere Male im Vatikan getroffen, zuletzt vor etwa zehn Wochen, schreibt der "Focus". Auf die Frage, was noch von seinem Pontifikat zu erwarten sei, habe der Papst im Sommer geantwortet: "Von mir? Nicht mehr viel. Ich bin doch ein alter Mann, die Kraft hört auf. Ich denke, das reicht auch, was ich gemacht habe." Die Frage, ob er an Rücktritt denke, beantwortete Benedikt demnach so: "Das hängt davon ab, wie weit meine physischen Kräfte mich dazu nötigen werden."

Er habe den Papst nie zuvor so erschöpft und niedergeschlagen gesehen, sagte Seewald dem "Focus" weiter. Mit letzter Kraft habe der deutsche Papst den dritten Band seines Jesus-Werkes zu Ende gebracht. "Mein letztes Buch", habe der 85-Jährige gesagt.

Die sogenannte Vatileaks-Affäre um die Weitergabe interner Dokumente aus dem Vatikan war nach Seewalds Angaben nicht der Anlass für die Rücktrittsankündigung Benedikts XVI. Der Verrat habe ihn nicht aus der Bahn geworfen oder amtsmüde gemacht. Es sei "nicht so, dass ich irgendwie in eine Art Verzweiflung oder Weltschmerz verfallen würde, es ist mir einfach unverständlich", sagte der Papst demnach zu der Affäre. Bei der Aufarbeitung des Falls sei ihm wichtig gewesen, dass "im Vatikan die Unabhängigkeit der Justiz gewahrt wird".

swd/AFP/DPA / DPA