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Rückzieher: "Titanic" holt Etappensieg gegen "undichten" Papst

Der Prozess Vatikan gegen deutsches Satiremagazin fällt aus. Der Kirchenstaat hat die einstweilige Verfügung gegen die "Titanic" zurückgezogen - und erntet Hohn und Spott dafür.

Einen Tag vor Beginn des Widerspruchsverfahrens des Satire-Magazins "Titanic" gegen den Papst hat der Vatikan seine einstweilige Verfügung zurückgezogen, mit der der Verkauf der Ausgabe mit einem Bild eines "undichten" Papstes gestoppt worden war. Das Kirchenoberhaupt hatte sich durch die Abbildung mit eingenässter Soutane in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt gefühlt. Grund für den Titel war der "Vatileaks"-Skandal. Der für Freitag angesetzte Prozess vor dem Landgericht Hamburg fällt aus.

"Nach eingehenden Beratungen ist der Heilige Stuhl zur Entscheidung gelangt, eine Rücknahme des Antrags auf einstweilige Verfügung gegen den Titanic-Verlag zu veranlassen", teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag mit. Die umstrittene Juli-Ausgabe darf wieder verkauft werden. "Wenn die Nachfrage da ist, werden wir auch nachdrucken", beeilte sich "Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer, die Aufmerksamkeitswelle zu reiten.

Für das Frankfurter Magazin, dessen monatliche Auflage laut eigenen Angaben bei knapp 100.000 Exemplaren liegt, war der offene Streit mit Rom ein PR-Fest. Während Chefredakteur Fischer permanent nachlegte - neben pointierten Sticheleien folgte ein weiteres Papstheft -, bescheinigten Beobachter dem Vatikan Unprofessionalität, sich überhaupt auf den Schlagabtausch einzulassen.

Mit Pranger und Hexenverbrennung

Die Absage kam gerade noch rechtzeitig, denn die "Titanic"-Mitarbeiter hatten offensichtlich bereits eine große Show vorbereitet. Am Donnerstag hatten sich "Titanic"-Vertreter in Hamburg, wo der Prozess stattfinden sollte, vor dem Hamburger Michel angekettet. Die Kirche erlebte einen gewaltigen Medienrummel. Leo Fischer ging so weit, Parallelen zum Prozess gegen Pussy Riot in Russland zu ziehen: "Der Prozeß gegen Pussy Riot hat die Welt für Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch entfesselte Autokraten sensibilisiert", konstatierte er. "Wir haben Vertrauen in die westliche Justiz und glauben fest daran, daß wir nicht in Plexiglaskäfigen ausgestellt werden."

Auch wenn der Prozess nun abgeblasen sei, werde der für Freitagvormittag geplante "Papst-Mittelaltermarkt" stattfinden, heißt es auf der "Titanic"-Website. "Mit Pranger und Hexenverbrennung (symbolisch)". Damit die Menschen sich in "die Lebenswelt des Papstes" einfühlen könnten.

sal