Russische Sekte Sintflut verhindert Weltuntergang


Fünf Monate haben sie ausgeharrt, nun macht ein Regenguss ihnen alles zunichte. Mitglieder einer russischen Sekte suchten in einem Erdloch Schutz vor dem baldigen Ende. Nachdem ihre Höhle zerstörte wurde, krochen sie notgedrungen an die Erdoberfläche.

Nach fünf Monaten in einem Erdloch in Russland sind weitere Anhänger einer Weltuntergangssekte an die Erdoberfläche zurückgekehrt. 14 Menschen, darunter zwei Kinder, hätten die unterirdische Höhle in der Nähe von Pensa an der Wolga verlassen, sagte der Vizegouverneur des Gebietes, Oleg Melnitschenko. Die Polizei hoffe, auch die übrigen 14 selbstmordgefährdeten Sektenanhänger, darunter ebenfalls zwei Kinder, rasch zur "Rückkehr ans Tageslicht" bewegen zu können. Das Erdloch hatte sich bei Regen mit Wasser gefüllt. Für die Menschen sei der Aufenthalt dort zunehmend gefährlich geworden.

Zwei Kammern der Höhle waren vom Wasser überflutet und zerstört worden. Nach Angaben von Rettungshelfern mussten die Behörden den Gläubigen zusichern, dass sie in ihrem Dorf künftig unbehelligt leben könnten. Allerdings droht den weißrussischen Staatsbürgern, die sich in dem Tunnelsystem Anfang November letzten Jahres verschanzt hatten, die Abschiebung aus Russland. Die meisten Anhänger der Sekte "Wahre russisch-orthodoxe Kirche" leben nun im Haus ihres Anführers Pjotr Kusnezow.

Jüngst hatten die ersten sieben Menschen das unterirdische Tunnelsystem verlassen, nachdem Wasser in die Höhle gedrungen war. Die insgesamt 35 Männer, Frauen und vier Kinder leben dort, um den für Ende Mai "erwarteten" Weltuntergang zu überleben. Die Mitglieder der Sekte drohten, sich zu verbrennen, sollte die Höhle gestürmt werden. Verhandlungsführer hatten bis zuletzt Probleme, die Menschen zum Verlassen des Erdlochs zu bewegen, weil ihnen das "Bibelwissen zum Argumentieren" gefehlt habe.

Anführer nicht zurechnungsfähig

Sektenanführer Kusnezow wird sich laut Medienberichten wegen der Manipulation der leichtgläubigen Menschen vor Gericht verantworten müssen. Der 44 Jahre alte Familienvater war im November in die Psychiatrie eingewiesen worden. Er gilt nach Expertengutachten als nicht zurechnungsfähig. Die russisch-orthodoxe Kirche warnte angesichts dieses Falls vor der Ausbreitung "gefährlicher Sekten".

DPA DPA

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