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Scheidung nach 25 Jahren Viele Ehen zerbrechen nach der silbernen Hochzeit


Arnold Schwarzenegger und Peter Frampton stecken mit über 60 mittendrin; Mond-Astronaut Buzz Aldrin wagte mit 81 Jahren zum dritten Mal den Schritt zum Scheidungsrichter. Und in Deutschland waren frisch Geschiedene noch nie so alt wie 2010.

Wenn die Kinder aus dem Haus sind und die Elternrolle die zerrüttete Beziehung nicht mehr kitten muss, ziehen viele Paare den Schlussstrich. Eine Scheidung ist in Deutschland auch nach der Silberhochzeit längst kein Tabu mehr, wie Fachleute berichten. Beim offiziellen Ende ihrer Ehe waren die Männer 2010 im Durchschnitt fast 45 Jahre und ihre Ex-Frauen nahezu 42 Jahre alt. Längere Ehen und ein gestiegenes Heiratsalter sind nach Darstellung des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag die Hauptgründe dafür, dass das Scheidungsalter seit der Wiedervereinigung auf einen Rekord gestiegen ist.

"Viele halten es während der Pubertät ihrer Kinder gerade noch so aus und wenn die dann weg sind, bricht auf, was zehn Jahre unterdrückt wurde", sagt Achim Haid-Loh, Dozent am Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin. Soziologe Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung in Bamberg ergänzt: "Die gemeinsame Aufgabe, sich noch um die Kinder kümmern zu müssen, bindet. Danach reicht es den Frauen oft." Sie sind es auch, die meist die Initiative zur Scheidung ergreifen.

Der Bielefelder Psychologe Detlef Vetter erklärt das so: "Männer sind häufiger bereit, länger in unzufriedenstellenden Beziehungen zu bleiben als Frauen." Frauen hätten höhere Erwartungen. "Und Männer vergessen leichter. Was sich bei Frauen so über die Zeit aufsummiert, hat bei Männern nicht so lange Gewicht", sagt der Paartherapeut. "Männer sind oft froh, wenn sie zu Hause in Ruhe gelassen werden. Frauen haben ein Beziehungsprogramm mit Unterhalten, Ausgehen und Theater im Kopf."

Keine Scheu vor'm Eheberater

Vetter sieht aber auch noch einen anderen Grund für das steigende Scheidungsalter: Männer und Frauen über 40 wüssten, dass Probleme nicht nur am Partner, sondern auch an ihnen selbst lägen. "Die Leute holen sich eher Unterstützung, um ihre Beziehung wieder flott zu kriegen." Von weniger Scheu auch bei jüngeren Paaren und Wartelisten bei den Beratern berichtet auch Haid-Loh.

Aber längst nicht alle Eltern halten durch, bis ihre Kinder volljährig sind. Viele Paare erlebten eine Art "Erstkinder-Schock", wenn das erste Baby auf die Welt kommt, sagt Haid-Loh. "Die Belastungs- und Umstellungsfaktoren nehmen beim zweiten Kind noch deutlich zu." Oft litten dann der Austausch des Paares und seine intime Beziehung.

"Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von Trennung und Scheidung betroffen sind, steigt massiv", sagt Haid-Loh. Rund 150 000 Jungen und Mädchen müssen jedes Jahr die Scheidung ihrer Eltern wegstecken, also etwa 1,5 Millionen in den vergangenen zehn Jahren. Dazu kommen aber noch zahlreiche nicht-eheliche Kinder, deren Eltern sich trennen. Fast jeder dritte Säugling werde inzwischen außerhalb einer ehelichen Lebensgemeinschaft geboren. Diese Partnerschaften seien gerade wegen Fragen im Sorge- und Umgangsrecht oft konfliktträchtiger als Ehen. "Und Streitigkeiten sind das, was Kinder und Jugendliche bei einer Trennung und Scheidung am meisten belastet."

Walter Bien vom Deutschen Jugendinstitut in München stimmt zu: "Kinder wollen, dass ihre Eltern zusammen bleiben, insbesondere solange sie noch minderjährig sind." Und: "Wenn Paare nicht mehr über eine gemeinsame Zukunft reden können, schaffen sie meist auch keine kinderfreundliche Trennung mehr." Junge Familien würden in vielem zu sehr allein gelassen. "Wir lernen viel zu wenig über Konflikte und wie man sie löst", sagt der Wissenschaftler. "Konfliktmanagement wäre ein wichtigeres Schulfach als Geografie."

Ira Schaible, DPA DPA

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