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Flüchtlinge: Schleuser-Tricks mit Medizin-Visa - Einladungen kamen von Hamburger Uniklinik

Unter die vielen Medizin-Touristen mischen sich jetzt auch Flüchtlinge. Denn mit einem OP-Termin bekommen Sie auch ein Visum. Schleuser beschaffen ihnen die notwendigen Klinik-Papiere - etwa vom Hamburger UKE.

Uniklinik Hamburg

Ein Privatdozent des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Foto) soll mittels eines ärztlichen Einladungsschreibens dabei geholfen haben, einer Flüchtlingsfamilie die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen

Nach dem Transplantationsskandal gerät das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erneut in den Verdacht von Unregelmäßigkeiten. Wie der stern berichtet, sind unter dem Vorwand einer Behandlung am UKE Flüchtlinge nach Deutschland geschleust worden. Das medizinische Visum, das die Einreise ermöglichte, wurde auf Betreiben eines UKE-Arztes ausgestellt.

Dahinter steht ein Trick. In der Regel erhalten Menschen in Krisenregionen kein Visum für die Einreise nach Deutschland, darum versuchen es viele über das Meer oder andere Routen. Können sie aber einen Behandlungs- oder OP-Termin bei deutschen Ärzten vorweisen, stellen die Botschaften medizinische Visa aus. Dann dürfen die Menschen unbehelligt einreisen – ob sie den Arzttermin später wahrnehmen oder nicht, ist nicht überprüfbar. Das ergaben Recherchen des NDR Hamburg-Journals und des stern. 

Im Fall einer irakischen Familie führte der Weg über die Vereinigten Arabischen Emirate. Ein Vermittler beschaffte in den Emiraten Diagnosebescheinigungen, die eine Behandlung nahelegten, sowie aus dem Hamburger UKE ein ärztliches Einladungsschreiben, das gegenüber der deutschen Botschaft einen Behandlungstermin bestätigte. Mit diesen Dokumenten erhielt die Familie ein Einreisevisum. Kurz nach Ankunft stellte sie einen Antrag auf Asyl, das Verfahren läuft noch.

Flüchtlinge mischen sich unter Medizin-Touristen 

Seit andere Wege versperrt sind, mischen sich unter die vielen tausend Medizin-Touristen, die sich jedes Jahr an deutschen Krankenhäusern behandeln lassen, vermehrt auch Flüchtlinge. "Kliniken berichten hinter vorgehaltener Hand, dass angemeldete Patienten die Behandlung nicht antraten und später als Asylbewerber wieder auftauchten", sagt der Ökonom Jens Juszczak von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg dem stern. Er kritisiert die mangelhafte Kontrolle. "Das Problem ist, dass es zwischen Klinik und Botschaft in der Regel keine Rückkoppelung gibt."

Das UKE kündigt an, den Fall intern zu prüfen. Normalerweise liege die Organisation der Patienten aus dem Ausland nicht bei den Ärzten, sondern bei einem eigenen Klinik-Büro.

Patientenakquise mit eigener Firma

Der Privatdozent am UKE, der im Fall der Iraker die Termin-Bestätigung ausstellte, betreibt nach stern-Recherchen zudem mit einer eigenen Firma Patientenakquise. Er gibt an, die Vermittlung von Operationen erfolge allein nach medizinischer Indikation und nicht als Vorwand für einen Visum-Antrag. "Ob und wie ein Patient Gebrauch von dem ihm erteilten Visum macht", entziehe sich seinen "Einflussmöglichkeiten". 




stern