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Schulen: CSU-Minister erwägt Handy-Verbot

Auf deutschen Schulhöfen geht es offenbar rabiat zu: Teenies zeigen sich gegenseitig Handy-Videos mit Gewaltszenen und Pornografie. Der bayerische CSU-Kultusminister Schneider erwägt, Handys an der Schule verbieten - und wurde dafür umgehend harsch kritisiert.

Sollen Handys an der Schule verboten werden? Im bayerischen Immenstadt hatte die Polizei an einer Schule 200 Handys beschlagnahmt und kontrolliert. Das Ergebnis: Auf 15 Handys wurden strafbare Videofilme gefunden, darunter Szenen einer Enthauptung und selsbstgedrehte Pornos von Schülern. Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) hat deswegen dafür plädiert, "ohne Tabus" über ein Handy-Verbot nachzudenken. CSU-Generalsekretär Markus Söder ging noch einen Schritt weiter: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Kinder Filme von Vergewaltigungen oder Misshandlungen wie Fußball-Bilder tauschen. Ein Handy-Verbot an allen Schulen ist daher sinnvoll", sagte er der "Bild am Sonntag".

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Ute Erdsiek-Rave (SPD), lehnt ein solches Verbot hingegen ab. "Wer soll das kontrollieren? Lehrer sind keine Polizisten", sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Focus". Das Problem sei keine Bagatelle, aber es sei sinnvoller, mit Schülern und Eltern daarüber zu sprechen: "Bei Straftaten müssen die Lehrer jedoch konsequent handeln, die Polizei und die Jugendämter einschalten."

Sollten Handys an der Schule verboten werden?

"Razzien sind Quatsch"

Auch Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) halten tägliche Kontrollen in der Schule für nicht praktikabel. "Ein Handy-Verbot ist unsinnig", sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer der "Berliner Zeitung". Demmer äußerte sich zudem kritisch zum Vorgehen der Behörden in Bayern. "Schulrazzien sind Quatsch", sagte sie.

Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendschutz, Professor Bruno Niklas, hält zwar ebenfalls nichts von einem Handy-Verbot, glaubt aber, der Fund in Bayern sei nur die Spitze des Eisbergs. Solches Material sei seit Jahren im Internet zugänglich, man müsse man die Jugendlichen schulen für den Umgang mit Eindrücken, "die man letztlich auch nicht loswird", sagte Niklas im Deutschlandradio Kultur.

Elternhaus entscheidend

Entscheidend dafür seien die Eltern, sagte Niklas. Als problematisch sieht er Elternhäuser, in denen die Eltern sich schwer tun, mit den Kindern zu spielen und zu kommunizieren. Leider gebe es davon eine große Zahl, sagte der Soziologe. Aber auch in den Schulen müsse über die Menschenwürde sowie übre die Grenze zwischen Kunst und Verbotenem gesprochen werden.

DPA / DPA