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Schulreform: "Realschule plus" statt Hauptschule

In Rheinland-Pfalz wird die Hauptschule abgeschafft. Ab 2013 soll die "Realschule plus" mehr Schülern einen höheren Bildungsabschluss ermöglichen. Eine "krasse Fehlentscheidung", wie der Lehrerverband klagt.

Rheinland-Pfalz schafft schrittweise die Hauptschule ab. Der Hauptschulabschluss werde vom Schuljahr 2009/10 an unter dem Dach der Realschule angeboten, sagte Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) in Mainz. Spätestens zum Schuljahr 2013/14 soll es keine eigenständigen Hauptschulen mehr geben. "Unser Ziel ist, möglichst viele Schüler zu guten und höheren Bildungsabschlüssen zu führen, um den künftigen Fachkräftebedarf zu decken und den Zugang zu den Hochschulen zu verbreitern", sagte die Ministerin.

Gesamtschule und Gymnasium bleiben laut Ahnen wie bisher bestehen. Die neue "Realschule plus" kann bis zur Fachhochschulreife nach der zwölften Klasse führen. Das Land reagiert damit auf sinkende Schülerzahlen an den Hauptschulen, die zudem mit einem Imageproblem zu kämpfen haben. Als erstes Bundesland hatte in den 80er Jahren das Saarland die Hauptschule abgeschafft. Auch in Bremen und fast in ganz Ostdeutschland gibt es sie nicht mehr. In anderen Bundesländern wie im unionsgeführten Hamburg und in Schleswig-Holstein ist ihr Ende absehbar.

Schüler werden viel zu früh eingeteilt

Die Mainzer Pläne stießen auf ein geteiltes Echo: Der Deutsche Lehrerverband nannte sie in Bonn eine "krasse Fehlentscheidung". Der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Rheinland-Pfalz geht das neue Konzept nicht weit genug. Die Schüler würden nach wie vor viel zu früh auf unterschiedliche Schularten aufgeteilt, hieß es. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz forderte, ganz auf den Hauptschulabschluss zu verzichten und für alle Schüler den mittleren Bildungsabschluss einzuführen.

Ahnen erklärte, die neue Struktur sei "aufstiegsorientiert" und durchlässiger als bisher. Alle Realschulen bieten demnach künftig in den Klassen fünf und sechs eine Orientierungsstufe mit einem gemeinsamen Unterricht der Schüler an. In Rheinland-Pfalz wurden im Schuljahr 2006/2007 rund 40.000 Schüler an 182 Hauptschulen unterrichtet. Das waren 15,7 Prozent aller Schüler. Die größte Gruppe - zuletzt 35,7 Prozent - besuchte das Gymnasium.

DPA / DPA