HOME

Schweizer Anti-Aids-Kampagne: Peppig oder Porno?

Das Schweizer Gesundheitsamt hat eine, sagen wir: frivole Anti-Aids-Kampagne gestartet. Die schärfste Kritik äußerte einer, der selbst mit Provokationen berühmt wurde: Ex-Benetton-Fotograf Toscani.

Von Oliver Fuchs

Die Schweiz ist nicht gerade für Sex-Appeal bekannt. Doch jetzt sorgt eine #link;www.lovelife.ch/de;Kampagne# des Bundesamtes für Gesundheit sprichwörtlich für rote Köpfe. In einem Anfang der Woche veröffentlichten Clip geht es heiß zu und her. Das Video zeigt mehrere Pärchen beim Sex - untermalt von "Non, je ne regrette rien" (auf deutsch: Nein, ich bedaure nichts). Dieses Lustspiel ist Teil der "Love Live"-Kampagne, die auf die Gefahr von ungeschütztem Sex aufmerksam machen will. Mit einem Casting werden noch immer Junge Menschen gesucht, die sich für den guten Zweck vor der Kamera ausziehen.

Der Clip und die dazugehörige Poster-Kampagne haben bereits die üblichen Verdächtigen auf den Plan gerufen. Fabio Regazzi, ein Parlamentarier der Christlichen Volkspartei kann nicht verstehen, wieso der Staat öffentliche Gelder für etwas ausgebe, "das die Pornographie lobt". Ein Parteikollege ist sogar "angeekelt" und fragt sich, wieso der Verantwortliche des Gesundheitsamtes überhaupt noch eine Stelle habe. Der hält dagegen, dass die Kampagne insgesamt in etwa zwei Millionen Franken koste - das entspreche der Behandlung von nur zwei an Aids erkrankten Menschen und lohne sich daher auf jeden Fall.

Wie finden Sie den Schweizer Anti-Aids-Spot?

Toscani: "Nur Leere"

Weniger zu erwarten war die Kritik des Fotografen Oliviero Toscani. Er konzipierte in den neunziger Jahren für die Modemarke Benetton Werbung. Sie zeigt unter anderem zeigte einen HIV-Kranken auf dem Totenbett, ein anderes Motiv war die blutüberströmte Uniform eines Soldaten - Einschussloch inklusive. Nach seinem Ausstieg bei Benetton rüttelte Toscani mit seinen Portraits des magersüchtigen Models Isabelle Caro die Modewelt auf. Nun gab er dem Schweizer Nachrichtenportal "20 Minuten" ein Interview, in dem er verbal auf "Love Life" einprügelt. Die Kampagne sei pornographisch und banalisiere das Aids-Problem. Sie rufe nichts hervor, nur Leere. Er habe den Eindruck, sie sei von Leuten entwickelt worden, die keine Ahnung von Werbung hätten: Bürokraten.