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Waisen aus Südkorea: Schwestern finden sich nach 40 Jahren in USA wieder - per Zufall

Bei ihrer Trennung waren sie noch so jung, dass sie sich nicht aneinander erinnern konnten. Jetzt haben sich zwei Schwestern aus Südkorea wiedergefunden - bei der Arbeit in einem Krankenhaus in Florida.

Meagan und Holly vereint

Ein DNA-Test hat's bewiesen: Meagan Hughes (l.) und Holly Hoyle O’Brien sind Schwestern

"Mein Vater ist gestorben, ich habe eine Schwester. Wir müssen sie finden", sagt Holly zu ihren Eltern, als sie eines Nachts in Tränen aufwacht. Holly Hoyle O’Brien wird in Alexandria in Virginia mit drei Schwestern und sechs Brüdern groß - geboren wurde sie aber in Südkorea. Ihr Vater wurde tatsächlich vor Jahren von einem Zug erfasst. Sie kam ins Heim und wurde 1978 in die USA adoptiert. Da war sie gerade neun Jahre alt.

Die Adoptiveltern nehmen den Wunsch ihrer Tochter ernst, die Schwester finden zu wollen. Ihre Mutter ruft im Waisenhaus in Südkorea an. Dort gibt es keine Unterlagen über eine biologische Schwester. Und doch hat sie sie jetzt gefunden, per Zufall und über vier Jahrzehnte später in einem Krankenhaus in Florida. Ihre Halbschwester Meagan. In diesem Jahr haben beide ihren Job gewechselt. O’Brien und Meagan Hughes haben eine Stelle in der gleichen Abteilung im Bayfront Health Krankenhaus in Port Charlotte angetreten, berichtete die Zeitung "Sarasota Herald-Tribune" am Sonntag.

Der gleiche Nachname gab den Anstoß

Holly, die seit drei Monaten als Krankenschwester in der Chirurgie arbeitete, habe dort ihre neue Kollegin und Physiotherapeutin Meagan kennengelernt und sich schnell mit ihr angefreundet. Sie hätten mehr und mehr Gemeinsamkeiten endeckt: die vermisste Familie, die Adoption nach Amerika und sogar der gleiche südkoreanische Nachname, schreibt die Zeitung weiter.

Als sie eines Nachmittags ihre Unterlagen und ihr Wissen über ihre Herkunft einmal genau verglichen hätten, sei die Sache klar gewesen. Holly erinnert sich: "Ich dachte nur, das ist zu schön, um wahr zu sein. Ich sagte, wir müssen einen DNA-Test machen. Nur so finden wir die Wahrheit heraus." Der Verdacht hat sich bestätigt, als die Ergebnisse im August aus dem Labor kamen: Holly Hoyle O’Brien und Meagan Hughes sind wirklich Schwestern.

O'Briens damalige nächtliche Vision von ihrem toten Vater und der Schwester hat sich also bewahrheitet. Als ihre südkoreanische Mutter sich vom Vater trennte, nahm sie die Jüngere mit. Aber auch Meagan kam in ein Waisenhaus und wurde 1976 adoptiert - von einer Familie aus dem US-Bundesstaat New York, fast 500 Kilometer entfernt von Hollys neuem Elternhaus. Unterlagen, die die Verwandtschaft beweisen, gibt es nicht, da die Mädchen nicht zusammen in die staatliche Obhut kamen. "Aber in meinem Herzen wusste ich es", sagte die heute 46-jährige Holly, "Ich wusste, dass sie irgendwo da draußen ist."

Andra Wöllert