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Schwule im Islam: Verstoßen und doch begehrt

Natürlich existiert sie, auch wenn sie offiziell verboten ist: Homosexualität in islamischen Ländern. Männer, die sie öffentlich leben, wie in Pakistan, werden verstoßen und sind trotzdem begehrt.

Text und Fotos von Ton Koene

"Ich will durchaus für dich übersetzen, aber diese Dreckskerle kommen mir nicht in mein Auto," sagt mein Dolmetscher mit einem aggressiven Unterton. "Und ich parke mein Auto eine Straße weiter, sonst denken die Leute noch, dass ich es mit Ihnen tue." Mein Übersetzer ist homophob und damit keine Ausnahme in Pakistan.

Wir sind im Zentrum der islamistischen Stadt Muzafarabad, der Hauptstadt des pakistanischen Teils Kashmirs auf dem Weg zu zwei homosexuellen Männern, die bereit sind, über ihr Leben zu sprechen. In diesem ganz und gar muslimischen Land sind Männer, die auf Männer stehen, für die meisten ein einziges Übel. Mindestens. Daher verbergen die meisten Schwulen ihre sexuellen Vorlieben.

Ums Überleben tanzen

Anders Rema und Pile. Zwei schwule pakistanische Jungs, die öffentlich zu ihrer Neigung stehen; wie gesagt, eine Seltenheit in diesem Land. Die meisten Männer, die den großen Schritt tun, ihre Homosexualität nicht zu verbergen, werden von ihren Familien verstoßen, haben kaum noch Arbeit, kaum noch eine Existenz. So ist es auch bei Rema und Pile.

Um zu überleben, bieten sie sich als Tänzer auf Hochzeiten an. "Im Frühling, wenn die meisten Leute heiraten, habe ich fast jeden Abend einen Auftritt," sagt Rema. "Nur im Winter gibt es keine Arbeit. Dann muss ich mir was anderes überlegen." Prostitution und Betteln sind oft die einzigen Alternativen.

Wir treffen die beiden in einem alten, schmutzigen Gebäude im Zentrum von Muzafarabad. Eine lange, steile Treppe führt zu einer kleinen dunklen Wohnung, in der die beiden zusammen leben. Pile liegt gelangweilt auf dem großen Bett und raucht Kette. An der Wand hängen ein paar vergilbte Kalender aus dem Jahr 1998, vor dem Spiegel stehen Plastikblumen.

Rema - "Untouched", wie er sich nennt - schminkt sich gerade vor dem Spiegel. Die beiden sind nicht nur schwul, sie sind auch Transvestiten. Nur wenn sie als Frau verkleidet kommen, werden sie als Tänzer angeheuert. "Ich verlange so 15 Euro für einen Abend und an guten Abenden bekomme ich zwischen 20 und 25 Euro an Trinkgeldern", sagt Rema, während er goldene Ohrringe mit Sekundenkleber an seinen Ohren befestigt.

Tanzunterricht und Fürsorge

Zum Hochzeits-Tänzer wird man nicht geboren. Deshalb unterrichtet Pile seinen Freund Rema. "Ich bringe ihm Manieren bei, wie er laufen soll und sich bewegen muss, aber ich zeige ihm auch, wie er besser tanzen kann. Dann gucken wir zusammen Bollywood-Filme und versuchen, die Bewegungen zu imitieren", sagt der stolze Pile. "Wir leben auch zusammen", sagt Pile, er zündet sich eine weitere Zigarette an. "Ich sorge für Rema und er sorgt für mich für den Fall, dass irgendetwas passiert."

Rema und Pile finden nichts dabei, dass sie sich als Frauen verkleiden müssen, um zu überleben. Im Gegenteil. "Ich möchte gar kein anderes Leben", sagt Rema. "Ich will so sprechen, mich so bewegen und verhalten wie eine Frau. Sobald ich aus dieser Welt herausgehe, zum Beispiel um meine Mutter zu treffen, und ich mich als Mann verhalten muss, ist es die Hölle für mich. Ich fühle mich dann so furchtbar unglücklich. Ich kann mir nicht vorstellen, ein Leben als 'Mann' führen zu müssen." Pile nickt. Dass nicht jeder so ist, verstehen sie.

Gegenseitige Stütze

"Die meisten Schwulen in Pakistan haben keinen Kontakt mehr zu ihren Familien und deshalb kümmern sie sich ein umeinander". Rema und Pile haben sich in Muzafarabad einer Gruppe von gut 25 Männern angeschlossen, die sich gegenseitig helfen und unterstützten, wenn jemand mal Probleme hat. Solche Gruppen gebe es in jeder größeren pakistanischen Stadt, sagen sie.

"Wenn einer von uns verhaftet wird, und das passiert regelmäßig, sorgen wir dafür, dass er schnellstmöglich aus dem Gefängnis kommt - mit Bestechung", sagt Mushtaq Ahmed, wie der Leiter, "die Mutter'' der Gruppe genannt wird. "Sie" ist verantwortlich für die Sicherheit der Gruppe.

Die meisten Männer aus der Gruppe sind freiwillig dazu gestoßen, aber längst nicht alle. Es werden auch "Loverboys" aufgenommen, die von ihren Familien verkauft wurden oder von ihnen gezwungen wurden, für Geld zu tanzen. Einige von ihnen sind nicht einmal homosexuell, aber es ist ihre Art zu überleben. Die Gruppe gibt ihnen eine Arbeit, Einkommen, Sicherheit. Rema und Pile haben sich freiwillig angeschlossen. Rema war 18 und Pile erst elf Jahre alt.

Katholische und muslimische Scheinheiligkeit sind sich einig

Trotz des starken Zusammenhalts in der Gruppe und der Fürsorge ist das Leben für die schwulen Jungs schwer. Wenn Rema etwa über die Straße zu einem Geschäft geht, weil er "dringend neue Schuhe braucht", dann sehen ihm die Leute nach, lachen ihn aus, und rufen ihm alle möglichen Verwünschungen zu. Er hebt dann seine Nase hoch, wirft seine orange Handtasche über seine Schulter und läuft stramm weiter. "Es ist mir vollkommen egal, was die Leute über mich denken", sagt Rema tapfer.

Mein streng gläubiger Übersetzer denkt da anscheinend anders. Er kann seine Abneigung nicht verbergen und erzählt mir zum dritten Mal - im Gegenwart von Rema - dass es im Islam nichts Schlimmeres gibt als Homosexualität. "In Afghanistan", sagt er, "würde man sie steinigen."

Rema bleibt gelassen: "Viele Menschen sagen, dass wir Dreck sind. Aber wenn niemand hinsieht, weiß ich oft nicht, wie ich mir die Männer vom Hals halten soll. Jeden Tag bekomme ich Angebote und Anträge, erst gestern hat mir sogar jemand zwei goldene Ringe angeboten."

Wie zum Beweis ertappe ich wenig später meinen Übersetzer dabei, wie er neben Rema sitzt und ihm seine Hände unter die Bluse schiebt. "Fass mich nicht an", piepst Rema halbernst. Scheinheiligkeit gibt es überall und immer. Auch in muslimischen Ländern.

Aus dem Niederländischen: Monique Berends
Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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