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Scientology-Aussteigerin Jenna Miscavige: Eine Kindheit in den Fängen der Sekte

Ihr Onkel ist der weltweite Chef von Scientology. Im stern-Gespräch erzählt Jenna Miscavige von zehn Jahren Gehirnwäsche in der Sekte - und von ihrer Flucht.

Von Martin Knobbe und Christine Kruttschnitt

Fast wäre sie am Ende doch geblieben. Jenna Miscavige stand mit gepackten Koffern am Flughafen, doch ihr Mann Dallas war noch nicht soweit: "Er glaubte, sie würden tatsächlich die Regeln für uns ändern, uns Kinder großziehen lassen. Ich war so enttäuscht, ich dachte: Nun hat Scientology doch noch gewonnen."

Fast ihr ganzes Leben hat Jenna Miscavige bei Scientology verbracht. In einem Gespräch mit dem stern erzählt die Nichte von Sektenführer David Miscavige, wie sie als Sechsjährige Häuser bauen und Äcker pflügen musste: "Wir wurden bestraft, wenn wir zu langsam waren oder unsere Zimmer nicht aufgeräumt haben. Manche mussten dann in einem dunklen Raum mit einer alten Matratze ohne Decke schlafen."

Jahrelang ohne Kontakt zu den Eltern

Ihre Eltern sah sie jahrelang nicht. Ihr Onkel David Miscavige ist durch seine Auftritte mit Tom Cruise weltberühmt geworden. Seine Nichte hat ihn anders kennengelernt: "Er hat ein gewalttätiges Temperament. Alles, was mit mir geschah - die Ausbeutung im Kinderlager, der Psychoterror beim Ausstieg -, hat er nicht nur gewusst, sondern in Auftrag gegeben."

Am Flughafen ist sie damals vor acht Jahren noch umgekehrt. Doch hat sie ihren Mann schon am nächsten Tag überreden können, erneut die Koffer zu packen. Heute lebt die 29-Jährige mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Kalifornien: "Ich bin besessen davon, für meine Kinder da zu sein. Es ist wie eine Gegenreaktion auf mein Leben."

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