VG-Wort Pixel

Boot war gekentert Seenotretter finden Eheringe im Meer – nun bekommen Ahmed und Doudou sie wieder

Den Ehering von Ahmed aus Algerien fanden die Helfer in einem Rucksack auf hoher See
Den Ehering von Ahmed aus Algerien fanden die Helfer in einem Rucksack auf hoher See
© NGO Open Arms
Eine Hilfsorganisation für Flüchtlinge hat bei einem gekenterten Boot im Mittelmeer einen Rucksack gefunden. Darin waren die Eheringe von Ahmed und Doudou. Daraufhin starteten die Helfer eine Suche – und machten das Paar tatsächlich ausfindig.

Anfang November stieß die Besatzung eines Seenotrettungsschiffes im Mittelmeer auf ein gekentertes Boot. Kleidung, Taschen und Habseligkeiten schwammen im Wasser daneben – Überbleibsel einer Tragödie, die sich bereits Wochen zuvor, am 21. Oktober dort abgespielt hatte. Dann nämlich war das kleine Boot mit 20 Menschen an Bord auf dem Weg von Libyen nach Italien auf hoher See gekentert, fünf Passagiere kamen ums Leben.

Die Besatzung des Seenotrettungsschiffes fischte die Gegenstände aus dem Wasser und stieß in einem Rucksack auf ein Paar Eheringe. "Ahmed" und "Doudou" stand in ihnen eingraviert. "Wir dachten, die Ringe wären mal wieder Zeugnis für eine weitere Liebesgeschichte, die am Grund des Meeres endete", sagt Riccardo Gatti gegenüber dem "Guardian". Er ist Präsident der Hilfsorganisaton Open Arms in Italien und hatte die Gegenstände geborgen. "Leider finden wir solche Dinge sehr oft", sagt er. "Meistens sind die Koffer und Taschen, die im Meer schwimmen, nichts weiter als Symbole für eine weitere Reise, die in Libyen begann und in einer Tragödie endete." Doch wie sich später herausstellen sollte, hatten Ahmed und Doudou den Unfall überlebt.

"Ärzte ohne Grenzen" finden Ahmed und Doudou

Wie in diesem Fällen üblich habe man dennoch die gefundenen Gegenstände über die sozialen Netzwerke verbreitet, um die Eigentümer zu finden, erklärt Gatti. Über einen Artikel in der Zeitung "La Repubblica" seien dann Angehörige von "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) auf die Ringe aufmerksam geworden. Sie hätten herausgefunden, dass diese dem 25-jährigen Ahmed und der 20-jährigen Doudou gehörten, einem jungen algerischen Ehepaar.

Beide befinden sich demnach in einem Auffanglager auf Sizilien, nachdem sie Ende Oktober aus dem Meer gerettet worden waren. "Ich konnte es nicht glauben, als sie uns die Fotos der Ringe zeigten", wird Ahmed in einer Meldung der MSF zitiert. "Wir hatten alles verloren und nun sind die paar Dinge gefunden worden, mit denen wir unsere Reise angetreten hatten. Es ist unglaublich." Die beiden seien darüber sehr glücklich, würden aber noch immer "um unsere Freunde trauern, die es nicht geschafft haben", so die Mitteilung weiter.

Holzboot war Benzin ausgegangen

Gegenüber Helfern hätten Ahmed und Doudou berichtet, dass sie sich mit ihrer Gruppe am 19. Oktober mit einem kleinen Holzboot in der libyschen Stadt Zawiya auf den Weg gemacht hätten. Nach rund 48 Stunden auf hoher See sei ihnen dann das Benzin ausgegangen. Kurz vor der Insel Lampedusa sei das Boot schließlich gekentert. Ein Fischerboot habe 15 Menschen gerettet. Unter den fünf Todesopfern sei auch ein zweijähriges Mädchen gewesen. Die 20-jährige Doudou sei noch immer schockiert von den Ereignissen. "Sie sah fünf Menschen vor ihren Augen sterben, darunter ein Kind", wird ein MSF-Mitarbeiter zitiert.

Die Ringe befinden sich derweil noch immer auf den Seenotrettungsschiff und sollen nach dem nächsten Stopp in einem Hafen an das algerische Paar übergeben werden.

Quellen: Open Arms Facebook"The Guardian" / CNN

fin

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker