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Segelunfälle: Beim Wasserlassen ertrunken

Nur einmal kurz die Blase entleeren - und weg waren sie: Jedes Jahr sterben beim Segeln bis zu zwölf Deutsche, weil sie beim Austreten über Bord gegangen sind. Eine offene Hose bei einer Wasserleiche ist oft das erste Indiz, dass ein Segler zu faul war, die Bordtoilette zu benutzen.

Er wollte nur mal kurz nach hinten. Dann war er weg. Beim "Pinkeln" über Bord in die Ostsee gefallen. Wenig später wird der Segler am Strand angespült, der offene Hosenschlitz macht Spekulationen über die Todesursache überflüssig. "Es kommt immer wieder vor, dass männliche Leichen mit heruntergelassener Hose oder offenem Schlitz an den Küsten gefunden werden", sagt Ingo Ohrt von der Wasserschutzpolizei in Kiel. Zusammen mit den Zeugenaussagen der Kollegen an Bord, die ihren Kameraden als vermisst gemeldet haben, vervollständigt sich dann schnell das Bild. Ohrt hat bisher drei solcher Fälle erlebt, die Dunkelziffer ist unbekannt. "Nicht jeder beim Pinkeln gestorbene Segler wird aufgefunden."

Jedes Jahr sterben durchschnittlich zwischen sechs und zwölf Menschen bei Seeunfällen mit Booten - einige von ihnen immer wieder durch leichtsinniges Erleichtern an Deck. "Die Leute dürften nicht über Bord fallen, da sie eigentlich gesichert gehören", sagt Jürgen Feyerabend, Leiter der Kreuzer-Abteilung beim DSV. "Wir appellieren an die Segler, dass über Bord fallen tödlich ist." Dies gilt gerade zu Beginn der Segelsaison, wenn die Küstengewässer sehr kalt sind. Eine Studie des Mediziners Frank Praetorius kommt zu dem Schluss, dass kaltes Wasser die Wärme 25 Mal schneller aus dem Körper zieht, als Luft derselben Temperatur. Zudem kann durch den überraschenden Sturz in eiskaltes Wasser bei den Seglern schnell eine tödliche Atemlähmung eintreten.

Die Fälle gehen zurück

"Es gibt hier komplexe Kausalketten", sagt Feyerabend. Er verweist darauf, dass Segeln aber ein ungefährlicher Sport sei. So würden jährlich hunderte Deutsche beim Baden ertrinken. "Auch Bergwandern oder Skifahren fordert weit mehr Tote." Man sei sich aber des Problems bewusst, dass fast jährlich "einige Segler nach Überbordfallen umkommen". Wie viele Männer dieser banale wie tragische Tod ereilt, wird statistisch nicht festgehalten. Nach Angaben der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) starben bei Seeunfällen mit Sportbooten im Jahr 2003 sechs Menschen, dreizehn 2004, acht 2005 und zwei im Jahr 2006.

"Wenn eine Wasserleiche angespült wird, schaut man oft erstmal, ob der Hosenschlitz auf ist", sagt Jürgen Albers von der BSU in Hamburg. Die Zahl dieser Todesfälle sei aber zurückgegangen. "Es gibt hier mittlerweile eine andere Kultur", hat Albers beobachtet, der auch selbst passionierter Segler ist. Der Grund sind seiner Meinung nach die Frauen - gerade wenn sie mit an Bord sind. Der Mann hätte gelernt und würde mehr auf Manieren achten. "Früher wurden auch Flaschen über Bord geworfen, heute sammelt man sie und nimmt sie mit an Land."

"Eine Hand fürs Schiff und eine Hand für sich"

Zudem würde die Architektur der Boote so manchem Skipper den Toilettengang an Oberdeck von vornherein vergrätzen. "Früher konnte man sich am Aufbau gut festhalten, heute gibt es in der Regel ein flaches Deck, da gibt es gar keine Möglichkeit." Und wen das nicht stört, der hat - wenn er Pech hat - das ganze Schiff versaut. Einsatzleiter Ingo Ohrt von der Wasserschutzpolizei rät bei den älteren Schiffsmodellen dazu, folgende goldene Regel zu beachten: "Eine Hand fürs Schiff und eine Hand für sich." Bei diesem Thema, über das in der Segler-Szene nicht gern gesprochen wird, sei immer wieder Leichtsinnigkeit festzustellen.

Häufig wird der Toilettengang am Achterdeck aus Bequemlichkeit dem engen Schiffsklo vorgezogen. Wenn dann das Boot im Sturm über die Wellen tanzt, kann auch der erfahrenste Skipper plötzlich den Halt verlieren. Vor Beginn der Seglersaison startet die Wasserschutzpolizei nun die Initiative "Skippers Sicherheitstipps". Der beste Schutz gegen einen Tod nach dem Toilettengang an der frischen Luft sei die Sicherung mit einer Leine, sagt Ohrt. Und das Tragen von Rettungswesten, damit der plötzliche Sturz ins Wasser nicht gleich tödlich enden muss.

Georg Ismar/DPA / DPA
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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