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Skandal-Selfie: Unter Zug geraten und als Selfie-Kulisse missbraucht - Opfer berichtet vom Moment des Unfalls

Sie verlor bei einem Zugunfall ein Bein und wurde als Kulisse für ein makabres Selfie im norditalienischen Piacenza missbraucht. Jetzt erzählte die Verletzte, was sie erlebte.

Das Leben von Kate E. veränderte sich am 26. Mai: Die 83-Jährige war erst sechs Tage vorher mit dem Flugzeug aus Washington in angekommen. Sie wollte dort ihren Sohn unterstützen, der mit seinem Barnard-Columbia-Chor durch Italien tourte und in Reggio Emilia den Verdi-Klassiker Requiem aufgeführt hat.

An jenem Samstag saß sie müde in der Bahn von Reggio Emilia nach Mailand. Auf halber Strecke, nach rund 80 Kilometern, sei sie dann am Bahnhof Piacenza kurz vorm Einschlafen aufgeschreckt, erzählte E. der dortigen Lokalzeitung "Liberta". "Ich dachte dann, ich wäre schon im Mailand angekommen und eilte zur Waggontür. Ich fürchte, ich habe die Tür auf der falschen Seite genommen." Der Zug fuhr wieder an und er erfasste die 83-Jährige, sie wurde schwer verletzt. Sanitäter waren binnen kürzester Zeit vor Ort und konnten Erste Hilfe leisten. Die pensionierte Lehrerin für englische Literatur sagte: "Ich war immer bei Bewusstsein, bis die Rettung angekommen ist."

Doch trotz der schnellen medizinischen Versorgung im Gleisbett mussten die Ärzte wenig später im Krankenhaus die Entscheidung treffen: Sie amputierten der aus Kanada stammenden Dame ein Bein.

Aufregung um Selfie in Italien

Der Unfall machte Schlagzeilen, weil ein Mann während der Rettungsarbeiten auf dem Bahnsteig stand und in Siegerpose ein Selfie mit der dramatischen Situation im Gleisbett als Kulisse aufnahm. Ein Pressefotograf hielt die voyeuristische Aktion fest, Zeitungen druckten das Bild auf ihre Titelseiten. Das respektlose Handeln des Selfie-Fotografen sorgte weltweit für Empörung. "Es ist jegliches Gefühl für Ethik verloren gegangen", kommentierte etwa der Journalist selbst seine fotografierte Beobachtung. "Widerlich", nannten Nutzer das Verhalten des Selfie-Knipsers.

Die Selfie-Szene auf dem Bahnhof von Piacenza in Italien

Eine Frau verliert ihr Bein, der Mann auf dem Bahnsteig macht ein Selfie - das Foto aus dem Bahnhof von Piacenza sorgt für Entsetzen in Italien

Warum die Frau auf der falschen Seite des Waggons aussteigen konnte und der Zug dann losfuhr, sollen die weiteren Untersuchungen klären.

Der Selfie-Fotograf wurde von der Polizei identifiziert und musste seine Aufnahme aus dem Bahnhof löschen. Ob ihn weitere Konsequenzen erwarten, ist noch unklar. Die Prüfung des Falles laufe noch, erklärte die italienische Bahnpolizei.

Mitarbeit: dsw