Sexskandal im Priestersemniar Das Aus für Bischof Krenn


Bisher einmalig in Österreich: Auf Wunsch des Papstes musste Bischof Kurt Krenn sein Amt niedergelegt. Er war wegen eines Sexskandals am Priesterseminar seiner Diözese unter Druck geraten.

"Ja, ich bin zurückgetreten", sagte Krenn der Wiener Tageszeitung "Der Standard" in einem Interview, das am Mittwochabend vorab auf der Internetseite der Zeitung veröffentlicht wurde. Er sei damit einer Bitte des Papstes gefolgt, fügte er hinzu.

Skandal führt zu Kirchenaustritten

Ein von Papst Johannes Paul II entsandter Ermittler untersucht seit einigen Wochen Krenns Diözese St. Pölten. Die Entdeckung von Kinderpornografie auf Computern des Priesterseminars der Diözese hatte zuvor im überwiegend katholischen Österreich einen Skandal ausgelöst, der zu zahlreichen Kirchenaustritten geführt hatte. Der Ermittler, Bischof Klaus Küng, hat das Seminar im August geschlossen, seine Untersuchung aber noch nicht beendet.

Der Bischof, der seit Beginn seiner Amtszeit vor über 13 Jahren wegen seiner Amtsführung im Mittelpunkt der Kritik stand, war vor drei Wochen vom Papst in den Vatikan zitiert worden. Dort hatte man Krenn nahegelegt, aus gesundheiltichen Gründen zurückzutreten. Krenn sagte in dem Interview, den Grund für seinen Rücktritt wolle er nicht kommentieren, er habe aber nichts mit einer Krankheit zu tun, denn er sei gesund. "Ich bin auf keinen Fall wegen des öffentlichen Drucks zurückgetreten - das hätte ich noch länger ausgehalten", fügte der Bischof hinzu. Er lehnte es ab, sich über die Vorfälle in seiner Diözese näher zu äußern. Seine Demission war bereits seit Wochen erwartet worden.

Priesterschüler: sechs Monaten auf Bewährung

In einem vorläufigen Bericht zum Priesterseminar von St. Pölten erklärte Küng, die pornografischen Bilder seien von einigen Priestern in Ausbildung geradezu suchtartig aus dem Internet auf die Computer geladen worden. Wegen der Kinderpornografie wurde im August ein ehemaliger Priesterschüler aus Polen zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Das Wiener Nachrichtenmagazin "Profil" hatte Fotos von Priestern veröffentlicht, die diese bei innigen Küssen und in Umarmungen mit Priestern in Ausbildung zeigten. Der für die Diözese verantwortliche Bischof Krenn hatte die abgelichteten Vorgänge als "Bubendummheiten" während einer Weihnachtsfeier bezeichnet. Einen Rücktritt lehnte er lange Zeit ab. "Aber ich habe immer gesagt, ich werde das tun, was der Papst sagt", sagte Krenn nun in dem Interview.

Reuters/DPA DPA Reuters

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